Rathaussturm : Gechillt nahm der Tholeyer Bürgermeister die Anklage hin

Nach der Verurteilung wurde der Verwaltungschef abgeführt – zum Feiern im Freizeithaus Mauritius.

Rund um das Tholeyer Rathaus wurde ein rauschendes Fest gefeiert. Pünktlich um 16.11 Uhr marschierten die Garden aus den Gemeindeteilen auf. In Feierlaune sahen Bürgermeister und Ortsvorsteher der Anklage der Karnevalisten entgegen. Die Prinzenpaare aus Tholey, Theley und Überroth verfolgten aus den Fenstern der Beletage des Rathauses das Geschehen. Zuvor hatte das Tholeyer Prinzenpaar Prinz Max I. und Prinzessin Hannah I. am Schreibtisch des Bürgermeister Platz genommen und sich in ein Buch eingetragen. Damit rissen sie die Amtsgeschäfte an sich und übernahmen das politische Zepter. Vom Rathausbalkon aus begrüßte Kay Lambert, Präsident der Tholeyer Karnevalsgesellschaf, die Narrenschar mit einem dreifachen „Tholey Alaaf“.

In der folgenden Zeremonie ging es dann humorvoll ans Eingemachte. Laura Brück vom Tholeyer Karnevalsverein hatte die ehrenvolle Aufgabe, für jeden Ortsteil die Anklageschrift zu verlesen: „Mir Häschber misse et mol sage, vill junge Leit dun sich beklage, weil mir kän Bauplätz hann em Ort. Statt hei se bleiwe, ziehn se fort.“ Auf dem Rathausbalkon lauschte Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU) als Hippie kostümiert mit seinen Ortsvorstehern. „Ihr Häschber brauche nedd se jammere so laut. Noue Bauplätz genn doch am Sportplatz gebaut. Wo frieher wurd oft fleißisch der Ballt getreten, brenge spiellende Kinner demänächst wirre Leben.“

Zwischen den Anklagen hagelte es zur Freude der Kinderschar allerlei Naschzeug aus den Fenstern der Amtsstuben. Nach Verlesung aller Anklageschriften wurden der Bürgermeister und seine Ortsvorsteher verhaftet. Kay Lambert, Präsident der Tholeyer Karnevalsgesellschaft, verlas schließlich das Urteil: „Lieber Ex-Bürgermeister Hermann-Josef Schmidt, der närrische Rat teilt dir nun das strenge Urteil mit. Bis Aschermittwoch bleibst du im Narren-Verschlag, bei Wasser und Brot, bis zum jüngsten Tag.“ Angeführt von Vanessa Streetz stürmten die Tholeyer Prinzengarde und die Löffelgarde des Karnevalsvereins Nussknacker Überroth das Rathaus und legten die politische Riege in Fesseln, um sie anschließend in einem Marsch über die Hauptstraße in die Narrhalla ins Freizeithaus zu führen. Für den passenden Ton sorgten die Musiker des Blechhaufen-Ensembles.