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Narren in Überroth-Niederhofen feierten ihre Kappensitzung

Fastnacht : Narren krönen ihre Dschungelkönigin

Zwei ausverkaufte Kappensitzungen in Überroth-Niederhofen: Die Nussknacker boten ein beeindruckendes Programm.

Großes Narrenkino im kleinen Bohnentaldorf mit farbenfrohen Kostümen, grandiosen Tänze, hymnisch doofen Gesangsnummern und frechen Wortmeldungen. Die närrischen Nussknacker-Akteure aus Überroth öffneten bei zwei ausverkauften Kappensitzungen im Dorfgemeinschaftshaus das Überdruckventil der guten Laune. „Das Programm ist kaum zu toppen, wenn unsere Akteure loslegen, sind sie nicht zu stoppen“, kündigte Sitzungspräsident Ingo Holz vor dem Start an.

Benedict Groß, begleitet von Katharina Groß mit der Quetschekist, stellten singend klar: „In Überroth ist immer was los, unser Überroth, unser Dorf ist famos“. Und endlich hat sich auch die Durststrecke der Wirtschaftskrise dem Ende geneigt. „Der Magar hat wieder die Kneipe geöffnet“, berichtete Dorfschreiber Jannik Groß erfreut. Außerdem vermeldete er ein pikantes Treffen der weiblichen Ü30-Gruppe, bei dem der Amorelie-Adventskalender mit den Liebeskugeln und einem Aufguss-Vibrator ausgepackt wurde. Beim Rückblick entging dem Dorfschreiber nichts, denn seine Beobachtungsgabe und das lockere Mundwerk hat er vom Opa geerbt. Zuvor trug der 78-jährige Hugo Kasper über Jahre die sympathischen Schandtaten und Ausraster der Überrother vor, mittlerweile ist er als weltbester Bühnenhelfer hinter den Kulissen im Einsatz. Und Senior Kasper musste sich beide Ohren zu halten. Unerträglich lärmten Pickhämmer, als die Bauarbeiter (Tanzgruppe Einfach Ü) ihre Schicht begannen. „Prost ihr Säcke und reiß die Hütte ab“, schmetterte das Team vom Bau. Aber die Arbeiten schritten schlampig voran und wiesen grobe Mängel auf. Absoluter Pfusch am Bau. Und drei Fachleute sollten die Schäden am Schluckweg beseitigen. Doch unter jeglichem Kontrollverlust torkelte das völlig betrunkene Trio umher. Bangten sie etwa darum, dass ihre Ehefrauen zuhause fremdgehen könnten?„Schon der Gedanke, dass ich dich einmal verlieren könnt, dass dich ein andrer Mann einmal sein eigen nennt“, befürchteten die Bauarbeiter.

Noch schlechter erwischte es die jammernden, abgetakelten Pleite-Promis im Dschüngelcamp (Tanzgruppe Ü30). Die Hilferufe „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ versandeten ungehört. Eine Königin wurde dennoch bei der irre guten Verschaukelung der Reality-Show gekrönt. Dagegen steht Ente Track (Angelina Groß) eine fette Karriere bevor. „Sie ist jetzt Model für WC-Enten“, verriet Kumpel Tick (Joshua Zöhler). Gemeinsam mit Trick (Jannis Aatz) waren die drei Neffen von Donald Duck auf Stippvisite in den USA. Endlich können die Überrother durchatmen. Die Nachfolge des örtlichen Gesangvereins ist geklärt. Ein ehemals rappender Wolf und drei Schweinchen bilden ab sofort den sagenhaften Klangkörper und werden künftig die Festivitäten der Nussknacker musikalisch mitgestalten.

 Im Dschüngelcamp gingen die Sterne der Pleite-Promis unter.
Im Dschüngelcamp gingen die Sterne der Pleite-Promis unter. Foto: Frank Faber

Anker und Leinen los, als Matrosen ging die Tanzgruppe Just for fun mit dem Dampfer auf eine umwerfende Kreuzfahrt. Richtig krachen ließen es die Narren beim Auftritt der Stimmungsband Ritzelberger Schnitzeljäger. Danach aber schnell wieder runter von den Stühlen, es wurde richtig ernst. Kaplan Johannes Kerwer und zwei Messdiener nahmen köstlich das Dorf- und Kirchenleben auf die Schippe. Wenn das Rolf Zukowski hört. Sein Kultlied „In der Weihnachtsbäckerei“ dichtete die Löffelgarde auf „In der Ur-Pils-Brauerei“ um. Oh, Harmonie wurde bei Liz und seinem Pit mal großgeschrieben. Alles lief rückwärts beim Kuschelkurs. Aber klar, wenn so ein Gast wie Brad Pitt das traute Paar mit seinem Besuch beglückt, ist der Benimm-Knigge angesagt. Die Tanzgruppe Ünited stellte einige Szenen aus dem Drama „Footloose“ nach, und Freddie Mercury und seine Band Queen (Männerballett) kündigte auf der Zielgerade an: „We will, we will rock you.“