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Nach den Lockerungen sind wieder Führungen im Wareswald bei Tholey möglich

Führung im Wareswald bei Tholey : Auf Zeitreise – aber bitte mit Mundschutz

Erste Führung nach der coronabedingten Auszeit in dem Grabungsfeld bei Tholey. Teilnehmer stellten viele Fragen.

Mit den Lockerungen der Coronaregeln erwacht vielerorts auch das kulturelle Leben langsam wieder. So auch im Vicus Wareswald bei Tholey, wo eine erste öffentliche Führung stattfand. Grabungsleiter  Klaus-Peter Henz führte neun Teilnehmer knapp 90 Minuten durch das Grabungsgelände im Wareswald. Ganz ohne besondere Regeln ging es aber auch hier nicht. „Jeder musste sich vorher zur Führung anmelden. Die Teilnehmerzahl haben wir wegen der offiziellen Verordnung auf zehn Personen beschränkt, und jeder musste zum Schutz der anderen während der Führung einen Mundschutz tragen“, erklärte  Henz vor der Führung.

Der kurzfristig angesetzte Rundgang kam gut an. Mit großem Interesse und vielen Zwischenfragen folgten die Kulturinteressierten dem Archäologen auf seiner Zeitreise in die Welt der Römer und Kelten. Seit 19 Jahren erforschen die Wissenschaftler der Grabungsgesellschaft Terrex die gallo-römische Siedlung im Wareswald. „Auf den alten keltischen Handelswegen bauten die Römer ihre Straßen. Die Reisenden waren meist zu Fuß unterwegs. Irgendwann waren die Sandalen durchgelatscht und mussten erneuert werden. So entstand entlang der Routen eine Nachfrage nach Handwerksleistungen. Diese Nachfrage zog Händler und Handwerker an, und hier im Wareswald entwickelte sich eine gallo-römische Siedlung“, erklärte Henz zu Beginn. Und weiter: Viele Kelten oder Gallier blieben im Wareswald als die Römer kamen und übernahmen römische Lebensweisen. Umgekehrt wussten die Römer Errungenschaften der Kelten wie die Herstellung eiserner Schwerter zu schätzen. Aber auch die Pferde der Treverer, ein in dieser Region lebender keltischer Volksstamm, waren nachgefragt.

Siedlungen wie der Wareswald seien entlang der Handelsrouten alle 30 bis 40 Kilometer entstanden, was der Tagesleistung eines zu Fuß Reisenden entspräche. Die nächsten Siedlungen entlang der Route wurden von den Archäologen in Schwarzenacker und in Dillingen-Pachten ausgemacht. „In seiner Blütezeit gegen Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus dürfen wir hier eine Siedlungsgröße von etwa 15 Hektar annehmen. Die Siedlung war in dieser Zeit von überregionaler Bedeutung.“ Von den Germanenplünderungen im dritten nachchristlichen Jahrhundert, wie  in Bliesbruck-Reinheim, blieb der Vicus Wareswald verschont.

Anfang des vierten Jahrhunderts schien der Vicus im Wareswald einen Aufschwung erlebt zu haben. Umfangreiche Münzfunde legten dies nahe. Um 400 sei die Siedlung verlassen und danach nicht mehr wiederbelebt worden. Dass sich damals genau an dieser Stelle im Wareswald ein Vicus entwickelt hatte, sei der besonderen Nähe zu Trier geschuldet. „Trier wurde damals im römischen Reich zu einer Kaiserresidenz erkoren. Als der Kaiser mit mehreren tausend Menschen in Trier weilte, wurde von vermögenden Römern viel gebaut, und es herrschte eine starke Nachfrage nach Handwerkern“, so Henz. Als Trier gegen Ende des vierten Jahrhunderts mehrfach von Germanenstämmen geplündert wurde und an Bedeutung verlor, sei auch das Ende der Siedlung im Vicus Wareswald besiegelt gewesen. Münzfunde nach dieser Zeit gibt es nicht.

Henz startete die Führung am Pfeilergrabmahl an der Einfahrt zum Wareswald. Die Archäologen konnten hier ein etwa zwölf Meter hohes Pfeilergrabmahl nachweisen. „Eine reiche Familie, die unweit in einem Wald eine Villa Rustica bewohnte, wollte hiermit Macht und Reichtum zur Schau stellen. Der Pfeiler stand an einer römischen Straße, die durch einen kleinen Wohlhabenden vorbehaltenen Friedhof führte.“ Das Indiz für eine Villa Rustica fand man im Bereich des heutigen Rad- und Wanderweges. „Wir fanden hier eine Mauerecke, die vermuten ließ, dass hier außerhalb der Siedlung eine Villa Rustica stand.“ Nachdem ein Architekt auf Grundlage der gefunden Fragmente die Höhe des Pfeilers errechnet hatte, wurde das Grabmal in Stahl und Beton visualisiert und an den Wänden mit gefundenen Fragmenten bestückt. „Wir haben hier über zwei Jahre etwa 1000 Fragmente ausgegraben.“

Über die idyllisch gelegenen Waldpfade führte Henz die Gruppe weiter zum weiten Grabungsfeld des Marstempels. Mit gebotenem Abstand verfolgten die Teilnehmer die Erläuterungen des Archäologen zu dem der Gottheit Mars geweihten Umgangstempel: „Eine gefundene Bronzefigur zeigt den Kriegsgott Mars. Die Darstellung zeigt ihn aber ungewöhnlich als nackten jungen Mann. Daher vermuten wir, dass es sich hier um den keltischen Kriegsgott Cnabetius handelt.“

Interessiert verfolgten die Teilnehmer der Führung die Ausführungen des Archäologen. Foto: Marion Schmidt

Auch den Fundort der neuesten Entdeckung, der Fortuna-Statue, deren Köpfchen erst im Mai ausgegraben wurde, besichtigten die Teilnehmer. Das jüngste Grabungsfeld liegt in Höhe des Marstempels jenseits der Straße. Die bisherigen Grabungsergebnisse könnten Hinweise auf die stattliche Villa eines vermögenden Römers sein, die sich westwärts in eine weite Gartenanlage geöffnet haben könnte. „Zuletzt habe ich hier auch noch einen Bronzering mit einer Gemme gefunden. Das hier ist ein hochinteressantes Gebiet mit spannenden Funden. Die wollen wir im nächsten Jahr anlässlich des 20-jährigen Bestehens unserer Grabungsgesellschaft Terrex zeigen. Wir planen in Saarbrücken eine große Ausstellung“, berichtet der Archäologe. Die Führung endete im Grabungsfeld mit dem Siedlungskern.