1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. Tholey

Mit 120 Teilnehmern: Saarländischen Kata-Marathon fand erstmals in Theley statt

Karate : Karate-Training im Ausdauer-Modus

Karate-Dojo Shoshin Schaumberg richtete erstmals ein achtstündiges Intensivtraining – den Kata-Marathon – aus. Über 120 Teilnehmer.

Eine ungewöhnliche Geräuschkulisse erfüllt die Sporthalle in Theley. Stampfende Fußbodentritte mischen sich mit Kampfgeschrei. Mehr als 120 Karateka aus dem ganzen süd-westdeutschen Raum haben sich zum elften saarländischen Kata-Marathon versammelt. Allesamt mit strahlend weißen Karate-Anzügen, im Fachjargon Karate Gi genannt, bekleidet. Einziger Farbakzent sind die gelben, grünen, blauen, braunen und schwarzen Gürtel als Zeichen des erreichten Leistungsstandes.

Vier hochkarätige Trainer bieten  ein achtstündiges Intensivtraining, in dem Karateka aller Gürtelgrade 17 Katas einstudieren und vertiefen können. „Der Kata-Marathon ist ein Trainingslehrgang, der vom deutschen Karate-Verband lizenziert und regelmäßig im Jahr an wechselnden Standorten in Deutschland angeboten wird. Wir richten dieses größte Karate-Event im Saarland das erste Mal in der Gemeinde Tholey aus,“ erklärt Franz Josef Löwen vom ausrichtenden Verein Karate-Dojo Sho-
shin Schaumberg.

Das Training mit den Sensei ist für die Karate-Gemeinde etwas ganz besonderes. Sensei ist der respektvolle Titel, den ein Lehrer ab einem bestimmten Niveau tragen darf. So wie Bernd Milner. Er trägt den neunten Dan und zählt zu den höchstgraduierten Shotokoan-Karatelehrern. Auch Detlef Herbst (siebter Dan) aus dem hessischen Lich, der Initiator der Kata-Marathon-Reihe, gibt sich in Theley die Ehre. Das Trainerteam komplettieren Europameister Tim Milner (fünfter Dan) und Vize-Europameister Udo Boppré (sechster Dan).

Es fällt auf, dass von Kindern über Jugendliche bis zu Senioren alle Generationen vertreten sind und gemeinsam in ihren Gruppen trainieren. „Karate gehört zu den wenigen Sportarten, bei der alle Altersgruppen zusammen trainieren können. Die Übungen sind für alle gleich“, berichtet Thomas Diehm aus Worms. Seit 43 Jahren ist er ein Karateka. „Damals kamen die ersten Kung Fu-Filme heraus. Das faszinierte mich und brachte mich zum Karate“, verrät der heute 63-jährige.

Auch Trainer Bernd Milner gehört an diesem Tag zu den ältesten Karatekas. Seit 54 Jahren betreibt er aktiv Karate und ist seit 1968 als Lehrer tätig. Gemeinsam mit Sohn Tim  hat er in seinem Bochumer Heimatverein zahlreiche Schüler bis zu Weltmeisterschaften geführt. 1999 war er Mit-Initiator einer Karate-Ausbildung zum Gesundheitstrainer. „Karate bietet in jeder Altersstufe und für jeden Leistungsstand eine ideale körperliche, seelische und geistige Bereicherung“, sagt Bernd Milner, den auch ein künstliches Kniegelenk nicht am Training hindert.

Das Karatetraining folgt einem traditionellen Ritual. Es startet mit der respektvollen Begrüßung. Auf klassische japanische Art verneigen sich alle auf Zeichen des Sensei voreinander. Beim gemeinsamen Aufwärmtraining werden die Muskelgruppen auf das intensive Training vorbereitet. In drei Leistungsgruppen eingeteilt, beginnen die Karateka dann mit ihren Übungen. Hochkonzentriert folgen die Karatekas den Anweisungen ihres Sensei. Ob Zuki, Mawashi-Geri oder Age-Uke, das Einmaleins der Karatebegriffe und der angesagten Bewegungsabläufe beherrschen alle. Verschiedene Katas werden geübt und unter ständiger Wiederholung an der Technik gefeilt. Als Kata bezeichnet man eine etwa ein- bis eineinhalbminütige Übungsform gegen imaginäre Gegner.

Klaus Gawlick aus Ludwigshafen ist ein begeisterter Kata-Marathon-Besucher. „Als Kind durfte ich nicht zum Karatetraining. Meine Eltern fanden das zu brutal“, erinnert er sich. Seine Begeisterung gab er dann aber an Tochter Isabell weiter, die schon in jungen Jahren beginnen durfte. Vater und Tochter besuchen gemeinsam den Karate-Marathon.

Mit sich und der Welt zufrieden beschließt Karate-Lehrer Bernd Milner seinen Workshop. Karate ist für ihn heute vor allem ein exzellentes Gesundheitstraining, das Körper und Geist schult: „Wir haben über 20 verschiedene Katas, die man erst einmal im Kopf haben muss. Die kann man vorwärts und rückwärts trainieren. Das schult beide Gehirnhälften und erhält den Körper geschmeidig.“ Franz Josef Löwen ist zufrieden mit dem ersten Kata-Marathon, den sein Verein in der Gemeinde Tholey ausgerichtet hat: „Das war eine rundum gelungene Veranstaltung, die allen sichtlich Spaß gemacht hat.“ Mit 80 Vereinsmitgliedern im Alter von fünf bis 66 Jahren spiegele sein Verein wider, dass Karate ein Lifestyle-Sport sei, der Körper, Geist und Seele aller Altersgruppen schule.