Ausstellung: Meisterhaftes der Gestaltungsvielfalt

Ausstellung : Meisterhaftes der Gestaltungsvielfalt

Schüler der Theleyer Gemeinschaftsschule Schaumberg haben sich an der Architektur versucht und stellen ihre Ergebnisse vor.

Wenn Schüler fern von Lehrplänen und Leistungsdruck  ihren Ideen freien Lauf lassen können, entstehen spannende Geschichten. Das haben 25 Schüler der Klassenstufen neun und zehn der Gemeinschaftsschule Schaumberg Theley  unter Beweis gestellt. In dem  Projekt „Architektur macht Schule“ haben sie sich mit Kunstpädagogin Christa Schmit und Architektin Anke Komenda mit der Frage auseinandergesetzt, wie die Ortseingänge in der Gemeinde Tholey unverkennbar aufgewertet werden können. In einem kreativen Schaffensprozess entstanden architektonische Modelle, die nun in einer Ausstellung im Kleintierstall der Johann-Adamsmühle vorgestellt werden.

„Die Ortseingänge sind die Visitenkarte eines Ortes“, beschreibt Schüler Moritz Altmeier während der Ausstellungseröffnung einen Grundgedanken, der am Anfang der Arbeiten stand. Auch die Gemeinde Tholey befasste sich parallel mit diesem Gedanken und integrierte das Schulprojekt in ihren „Atmosphärencheck“, mit dem das äußere Erscheinungsbild der Dörfer verbessert werden soll. „Wir haben 2017 in einem Workshop mit der Tourismuszentrale unsere Gemeinde einem Atmosphärencheck unterzogen. Bei den Ortsterminen wurde uns schnell klar, dass wir unsere Orte gerade für die Durchreisenden aufwerten müssen. Denn, nur wo es einem gefällt, bleibt man auch hängen“, so Bürgermeister Hermann-Josef Schmidt (CDU). In einem ersten Schritt wurden Brunnenanlagen und Schilder in einen ordentlichen Zustand gebracht,  Pflanzkübel an markanten Punkten von Durchgangsstraßen und Verkehrskreiseln aufgestellt. Aber auch die Ortseingänge sollten attraktiver gestaltet werden. Schmidt: „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Die Gestaltung unserer Ortseingänge entscheidet mit darüber, ob unser Dorf Sympathien weckt.“

Es entstand die Idee, die Gemeinschaftsschule in das Gemeindeprojekt zu integrieren. Schulleiter  Eric Planta war sofort dabei: „Schule sollte nicht nur im Klassenzimmer stattfinden.“ Schüler sollten die Möglichkeit haben, sich vor Ort zu engagieren und an der Entwicklung ihrer Umwelt zu beteiligen. Kunstpädagogin Christ Schmitt, die das Projekt  zum wiederholten Male an ihrer Schule betreut, ist begeistert von den Arbeiten ihrer Schüler: „Es war spannend, die Schüler aktiv in den Gestaltungsprozess der Gemeinde einzubinden. Die Ideen sind nur so gesprudelt.“ Unterstützt wurde sie von der Eppelborner Architektin Anke Komenda: „In den ersten Gesprächen mit den Schülern merkte ich, wie nah ihnen das Thema ist.“ Sie begleitete nicht nur den gestalterischen Prozess, sondern lieferte den Schülern Hintergrundwissen rund um die Architektur.

Von der ersten Idee über Skizzenzeichnungen, Materialüberlegungen und Größenberechnungen entwarfen die Schüler ihre Modelle, die den Ortseingängen der Gemeinde ein unverwechselbares Gesicht verleihen sollen. Ob in Holz, Stein, Stahl oder in einem Materialmix realisiert, mal wie ein filigranes Kunstwerk anmutend, mal rustikal, verspielt oder sachlich-modern umgesetzt – die Modelle der Schüler beeindrucken durch Einfallsreichtum und Gestaltungsvielfalt.

Fast alle Modelle haben eines gemeinsam: ein zentrales und verbindendes Element, das die Gemeinsamkeit aller Ortsteile versinnbildlichen soll. Für viele der Arbeiten ist dies der Schaumbergturm als Mittelpunkt der Gemeinde. So hat Moritz Altmeier den Turm in seine hochaufwachsende dreiecksförmige Stahl-Installation als Windspiel integriert. Die obere Schräge trägt den in Stahllettern geschriebenen Ortsnamen. Die Idee für sein Modell flog ihm regelrecht zu: „Das war eine Blitzidee. Plötzlich war sie da. Mir war auch schnell klar, dass ich mein Modell in rostigem Stahl realisieren muss. Das Material ist nicht nur künstlerisch schön sondern steht auch für das Saarland mit seiner Hüttenindustrie.“ Auch seine zweite Arbeit, ein Modell mit drei unterschiedlich großen Kugeln, zeigt den Schaumbergturm. „Ich stelle mir eine transparente Gestaltung der Kugeln vor. Inmitten der großen Kugel soll der Turm schweben“, beschreibt der 17-jährige Schüler seine Idee. Die Projektarbeit habe ihm sehr viel Spaß gemacht: „Wir haben untereinander sehr viel konstruktiv diskutiert und uns gegenseitig unterstützt.“ Nebenbei habe er auch seine beruflichen Ideen weiterentwickeln können: „Hier konnte ich mich kreativ ausleben und habe gemerkt, dass ich das auch später mit meinem Beruf verbinden möchte. Vielleicht gehe ich in Richtung Mediendesign“.

Auch Hannah Müller kam spontan Gedanke zu ihrem Objekt. Gemeinsam mit Stella Molter hat sie ein Würfelmodell entwickelt. „Diese Idee mit den getürmten Buchstaben war unser erster Einfall. Wir haben diese dann wie beim Klötzchenbau getürmt, mit ihnen gespielt und diese gedreht“, erklärt die Schülern die Entstehung ihrer Arbeit. Herausgekommen ist ein hölzerner Buchstabenturm, der den jeweiligen Ortsnamen anzeigen soll.

Alexander Schwehm, der Präsident der Architektenkammer des Saarlandes, ist beeindruckt: „Ich bin begeistert von den Arbeiten der Schüler. Solche Schulprojekte sind wichtig. Denn auch über die Architektur können wir den Kindern ihre Heimat näher bringen und ihnen vermitteln, wo sie her kommen.“ Kunstpädagogin  Schmitt ergänzt: „Wir haben im Gestaltungsprozess den Schülern ihre Begeisterung angemerkt. Hier konnten sie selber etwas entwickeln und mussten sich überlegen, was ihnen ihr Dorf bedeutet. So näherten sie sich ihrer Heimat einmal von einer anderen Seite an.“

Die Gemeinde Tholey steht nun vor der Qual der Wahl. Denn ein Schülermodell soll ausgewählt werden, um die Ortseingänge der Dörfer zu akzentuieren.  Auch die Einwohner der Gemeinde Tholey sind aufgerufen, sich Gedanken über ihre Ortseingänge zu machen und für ein Modell zu stimmen. Jeder Besucher der Ausstellung kann seinen Favoriten auf eine Stimmkarte schreiben und diese im Kleintierstall in eine Box werfen.

Die Ausstellung in der Johann-Adams-Mühle kann noch bis zum 31. Mai  sonn- und feiertags von 14 bis 18 Uhr besichtigt werden.