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Lichtblick für Waisen kommt aus Tholey

Lichtblick für Waisen kommt aus Tholey

Ihre zweite Reise nach Uganda haben die Geschwister Sophie und Lukas Schäfer gerade hinter sich. Dort unterstützen sie mit ihrem Verein Kisoboka ein Waisenhaus. Bei einem Besuch in der St. Wendeler Redaktion berichten sie von ihren Eindrücken und warum sie sich ausgerechnet in Afrika engagieren.

Es ist möglich - so heißt übersetzt nicht nur der Verein Kisoboka, den die Geschwister Sophie und Lukas Schäfer gegründet haben. Sondern so lautet auch das Lebensmotto der beiden. Seit einem halben Jahr kümmern sich Lukas Schäfer, Student für soziale Arbeit und Pädagogik in Saarbrücken, und Soziologie-Doktorandin Sophie mit ihrem Verein um das Waisenhaus Good Samaritan Orphanage Center, das gleichzeitig eine Grundschule ist. Es liegt in der Stadt Entebbe in dem afrikanischen Land Uganda. "Wir sind ein Start-Up im sozialen Bereich", sagt Sophie Schäfer. Sie ist sich bewusst, dass sie in ihrem Engagement noch ganz am Anfang stehen, aber Ideen und Visionen seien genügend vorhanden. Zwei Mal reisten die beiden bereits nach Uganda. Motiviert, den Kindern dort zu helfen.

"Afrika hat mein Leben verändert und wird immer ein Teil davon sein", sagt Lukas Schäfer. Eine gewisse Faszination für den Schwarzen Kontinent sei schon immer da gewesen. Auch der Wunsch, Afrika fernab der Klischees kennen zu lernen. Als er 2013 eine TV-Dokumentation über Uganda sah, wusste er plötzlich: In dieses Land wollte er reisen. Im Sommer 2014 war es soweit: Zusammen mit seiner Schwester Sophie ging es in das ferne Land. "Was beeindruckt, sind diese unglaublichen Gegensätze", sagt Sophie Schäfer. "Auf der einen Seite ein schönes Haus mit Zaun und Sicherheitspersonal und gegenüber eine Wellblechhütte, in der zehn Menschen hausen." Die Straßen in Entebbe seien nicht asphaltiert, bei Regen versinke alles im Matsch. Dafür gebe es einen ordentlichen Internetempfang. "Wenn Du ein Kind siehst, das Dreck und Plastik isst, dann kannst Du dieses Bild nicht mehr vergessen", sagt Lukas Schäfer. Seiner Schwester sind auch die besonderen Gerüche immer im Gedächtnis: "Du riechst überall Rauch, weil die Menschen draußen an offenen Feuerstellen kochen."

Durch Internetrecherche zuhause in Deutschland waren die Thoelyer Geschwister auf das Good Samaritan Orphanage Center aufmerksam geworden. Dort arbeiteten sie mit: spielten mit den Kindern oder unterrichteten sie. "Wir waren den Kindern schnell sehr nahe", sagt Sophie Schäfer, die nach vierwöchigem Engagement die Heimreise antreten musste. Ihr Bruder blieb noch einen Monat länger.

Beide hatten sich heimisch gefühlt in Uganda, die Eindrücke ließen sie nicht mehr los und so entstand der Verein Kisoboka. Sich ausgerechnet in Afrika zu engagieren - für die Geschwister keine Frage, für Kritiker schon. "Auch in Deutschland haben wir Probleme, gibt es arme Kinder. Aber in Uganda ist es ein Flächenbrand", betont Sophie Schäfer. Es werde in dem Land wenig produziert. Überwiegend gebe es Kleinbauern oder Kleinsthändler, die irgendetwas verkaufen. Die Menschen leben am Existenzminimum - ohne Hilfe.

In dem Good Samaritan Center, das Kisoboka unterstützt, leben überwiegend Waisen und Halbwaisen im Alter zwischen einem und 17 Jahren. Auch eine Grundschule ist angegliedert. Da diese privat ist, gibt es keine Gelder vom Staat. Der Anspruch, dass Kinder Bildung bekommen sollen, sei da. Allein hapere es an der Umsetzung. Aktuell sind 100 bis 120 Kinder in dem Good Samaritan Center. Ein Anliegen von Kisoboka ist es, dass jedes Kind in der Schule ein Mittagessen bekommt. Außerdem möchten die Geschwister qualifizierte Lehrer. Teilweise würden in Uganda Menschen mit entsprechendem Diplom und ohne unterrichten. "Wir haben klar gemacht, dass wir nur Lehrer mit Zertifikat bezahlen", so Sophie Schäfer. Etwa 800 Euro braucht der Verein im Monat, um das Waisenhaus zu unterstützen.

Im März ging es für die Geschwister zurück nach Uganda - auf eigene Kosten. Für ihre Reisen zwacken sie keine Vereinsgelder ab. Die Begrüßung sei herzlich gewesen. Schulleiterin Margret Namakula stelle sie inzwischen schon als Sohn und Tochter vor. Neben dem Unterrichten war es dieses Mal auch das Anliegen der Schäfers, für mehr Sicherheit zu sorgen. Deshalb bauten sie einen Zaun um das Gelände. "Es war ein schönes Gemeinschaftsprojekt, bei dem jeder mitgeholfen hat", schwärmt Lukas Schäfer. Das Beschaffen des Materials hingegen sei abenteuerlich gewesen. Wenn die beiden selbst nicht nach dem Rechten sehen können, kümmert sich der Ugander Mike Ogwal als Projektkoordinator um alles Organisatorische. Kisoboka - das soll ein Lebensprojekt werden. Auch wenn die Organisation den beiden Geschwistern oft einiges abverlangt: Sie wollen noch vieles erreichen. "Wenn Du die Kinder lachen siehst, dann weißt Du, wofür du das alles machst", sagt Lukas Schäfer.

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HintergrundDer Verein Kisoboka wurde im November 2014 von den Geschwistern Sophie und Lukas Schäfer gegründet. Inzwischen hat er knapp 30 Mitglieder. Zwölf Euro zahlt ein Mitglied im Jahr - auf Wunsch kann der Mitgliedsbeitrag aber auch individuell festgelegt werden. evy