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Lehrerin Julia Brunetti aus Theley unterrichtet in Corona-Zeiten online

Instrumentenkunde aus der Ferne : Gitarre kann man auch via Internet lernen

Freischaffende Musiklehrerin Julia Brunetti aus Theley bietet übers Internet Gitarrenstunden an.

Viele Selbständige werden in Zeiten des grassierenden Coronavirus auf eine harte Probe gestellt. Vor dem Hintergrund des allgemeinen Stillstands von weiten Bereiche in unserer Gesellschaft, werden sie mit existentiellen Sorgen konfrontiert. Wie geht es weiter, wenn keine Aufträge mehr reinkommen? Wenn beispielsweise der Musikunterricht nicht mehr stattfinden kann? Bei vielen setzt der Virus sozusagen neue kreative Kräfte frei und es werden neue Wege gesucht und beschritten, um weiterarbeiten und überleben zu können.

Julia Brunetti teilt dieses Schicksal mit vielen Kollegen. Die freischaffende Musiklehrerin aus Theley bietet neuerdings über Skype privaten Online-Unterricht an. Ob Griffe auf der Gitarre oder Noten-Besprechungen, es ist fast alles machbar. Erforderlich sind ein Internetzugang und das Instrument natürlich.

Normalerweise sitzt sie in ihren Musikstunden in den Schulungsräumen in ihrem Haus ihren Schülern gegenüber. In diesem analogen Unterricht beobachtet sie ganz genau jeden Griff ihrer Schüler und hört gleichzeitig dem Spiel zu. Optimal, um zeitnah die Grifftechnik korrigieren zu können. Das funktioniert so im neuen Unterrichtsformat nicht. „In der Musikstunde über Skype ist es wichtig, dass wir den anderen erst aussprechen lassen, weil der Ton oftmals zeitverzögert bei dem anderen ankommt. Bei manchen Schülern ist die Verbindung nicht immer so gut. Aber dann können wir auch mit der Sprachnachrichtenfunktion weiter machen“, beschreibt die Musiklehrerin eine wichtige Regel des Online-Formats, das sie ihren Schülern über Skype, Facebook oder Whatsapp anbietet.

Eine Skype-Konferenz beginnt bei Julia Brunetti mit einer kurzen Begrüßung: „Nach der Begrüßung spielen die Schüler mir ein einstudiertes Stück vor. Dann spiele ich einzelne Passagen vor, die sie dann wieder nachspielen. Wichtig ist, dass die Kamera auf die Hände am Instrument gerichtet ist, das Gesicht des Schülers muss ich nicht unbedingt sehen. So kann ich jeden Griff beobachten und korrigieren und selbst über meine Kamera die korrekte Grifftechnik zeigen.“ Wie im normalen Musikunterricht sollen die Schüler auch im digitalen Format mitsingen. „Das ist wichtig, denn so bekommt man ein besseres Rhythmus-Gefühl“, erklärt die Musiklehrerin.

Leider lasse sich nicht gut zweistimmig spielen, weil die Verbindung es oft nicht zulasse. Entweder sei der Ton plötzlich weg oder komme zeitverzögert bei dem anderen an. „Da kommt es auch schon mal zu einem Lachflash auf beiden Seiten, wenn unser Ton nicht synchron gekoppelt ist und eher wie ein Kanon daherkommt“, verrät Brunetti. „Daher nehme ich die zweite Stimme in meinem Studio auf und sende sie meinen fortgeschrittenen Schülern zu“, erklärt sie.

Die erste Woche mit dem neuen Unterrichtsformat hat sie nun hinter sich. Die Resonanz bei ihren Schülern sei groß und alle seien mit großer Begeisterung dabei: „Manch einem musste ich helfen, die Verbindung einzurichten. Aber alle sind im Video-Chat angekommen.“ Für viele ihrer Schüler sei das eine neue Erfahrung. Die Musiklehrerin selbst hat vor Corona bereits einen Saxofon-Schüler über das Internet unterrichtet. Jetzt nutzen fast alle Schüler das Angebot, über Skype den Unterricht fortzusetzen.

„Für meine Schüler bedeutet der Video-Unterrichtet eine kleine Normalität im Alltag und sie haben viel Spaß dabei. Sie bekommen alle genug Hausaufgaben von mir, damit sie gut beschäftigt sind“, sagt Brunetti. Sie unterrichtet mittlerweile Gitarre, Saxofon, Keyboard, Ukulele und Querflöte online: „Natürlich ist es nicht vergleichbar mit dem normalen Unterricht. Aber meine Schüler lernen sehr gut und so muss keine Stunde ausfallen.“

Für sie selbst bringt das neue Format eine Portion Mehrarbeit mit sich, da mehr Vorarbeit nötig sei. Unterrichtsblätter werden vor der Stunde eingescannt. Im Anschluss an den Unterricht werden neue Aufgaben als Datei über Skype an die Schüler versandt. Auch mit einem neuen Schüler hat Julia Brunetti bereits die erste Musikstunde abgehalten. Bevor es losging, habe sie den Schüler beim Online-Kauf einer passenden Gitarre und eines Arbeitsheftes beraten: „Die erste Unterrichtseinheit hat sehr gut funktioniert. Wir haben zunächst gemeinsam die neue Gitarre des Schülers gestimmt und dann ging es los. Ich habe ihm die ersten Akkordgriffe gezeigt und konnte gut auf seine Fragen eingehen.“

Nach Corona kann sich die Musiklehrerin vorstellen, ergänzend zu ihrem klassischen Unterricht in ihren Musikräumen auch die Musikstunde im Video-Chat fortzuführen, zum Beispiel für erkrankte Schüler. „Je nachdem, welche Erkrankung ein Schüler hat, kann das eine gute Möglichkeit sein, am Ball zu bleiben und weiter zu üben. Jeder Schüler hat seine feste Unterrichtszeit. Ob er dann bei mir zu Hause sitzt oder bei sich zu Hause, ist mir im Grunde gleich. Ich erfahre selbst gerade, dass in jeder Krise auch eine große Chance steckt“, sagt Brunetti. Zum Unterricht persönlich da zu sein, sei aus ihrer Sicht natürlich immer vorzuziehen: „Es ist persönlicher und es geht hier ja auch um die Pflege von sozialen Kontakten, vor allem in den kleineren Musikgruppen. Das Interagieren in der Gruppe und das Zusammenspiel sind eine wertvolle Erfahrung für alle Altersgruppen. Auch das Spiel mit dem Lehrer ist für alle Schüler wichtig, um einige schwere Musikstücke besser zu verstehen und umzusetzen.“

Nach ihren ersten Erfahrungen mit dem Video-Chat zieht die Musiklehrerin für sich und ihren Unterricht eine positive Resonanz: „In dieser Krisenzeit sehen wir, wie schnell wir im Internet vernetzt sind. Hier auf dem Land ist das mehr oder weniger gut. Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass sich das schnell ändert.“ Neue Schüler seien jederzeit willkommen und könnten eine Schnupperstunde per Skype buchen. „Diese Art des Unterrichts ist gut für uns alle. Wenn man solidarisch zusammenhält, profitieren beide Seiten davon. Die Solidarität ist zurzeit für uns freischaffenden Künstler enorm wichtig für unsere Existenz.

Und den Eltern hilft der Musikunterricht im Video-Chat, dem völlig veränderten Alltag der Kinder ohne Schulbesuch etwas Struktur und sinnvolle Beschäftigung zu geben und trotz der räumlichen Distanz werden weiterhin soziale Kontakte gepflegt.“