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Klettern am Tholeyer Weihnachtsturm

Klettern am Tholeyer Weihnachtsturm

Alle Jahre wieder lässt die Gemeinde Tholey an der Außenfassade des Schaumbergturms die Umrisse eines riesigen Christbaums erstrahlen. Mittels LED-Lichtschläuchen. Die wurden jetzt angebracht.

Es ist in nahezu allen saarländischen Dörfern und Städten guter Brauch, zur Vorweihnachtszeit einen Christbaum aufzustellen. Sozusagen von öffentlicher Hand festlich geschmückt, strahlt er durch die jahreszeitliche Dunkelheit und beleuchtet Dorf-, Kirch oder Marktplatz. Oder den Turm auf dem Hausberg - so man denn einen hat. Tholey hat den Schaumberg. Die Gemeinde am Fuße der 569 Meter hohen Erhebung stilisiert keine Tanne zum Christbaum, sondern gleich die ganze südliche Fassade ihres Aussichtsturms.

Ab Samstagabend werden vier insgesamt 160 Meter lange LED-Lichtschläuche das Weihnachtssymbol übergroß in den Tholeyer Nachthimmel malen. Von diesem Lichtspiel am meisten profitieren jedoch nicht die Tholeyer selbst, wie Amtssprecher Eric Hülsberg einräumt. "Denn die meisten sehen nicht viel davon." Weil sie zu nah dran sind. Mehr von dem schmucken Turm haben die Menschen in Alsweiler und Marpingen, so sie in entsprechender Hanglage gebaut haben und infolgedessen einen einmaligen Panoramablick auf die Landmarke genießen. Aber auch alle, die von Winterbach kommend über die Kuppe der Heide nach Alsweiler fahren - und das sind einige, zählt die B 269 doch zu den am stärksten befahrenen Straßen im Land -, sollten den Lichtschlauchchristbaum bei guter Sicht prima sehen können.

Sebastian Niehren (hinten) und Dirk Knecht seilen sich an der Südseite des Schaumbergturms ab.

Schmücken gewöhnlich Bauhof-Mitarbeiter den gemeinen öffentlichen Weihnachtsbaum, müssen in Tholey wahre Spezialisten ran. Techniker mit Kletterausbildung. Profis. Die kommen seit vier Jahren mit der in Trier-Föhren ansässigen Firma Triacs nach Tholey zum Schmücken. Der Leiter des Projekts Weihnachtsbaumturm heißt Volker Lauck. Doch die Kletterausrüstung am vergangenen Donnerstagmittag müssen Sebastian Niehren und Dirk Knecht anlegen. "Das sind echte Fachleute", erklärt Lauck, der seine Augen gegen das Sonnenlicht abschirmt. Mit verkniffenem Gesicht schaut er nach oben, wo Knecht dem im Gurtgeschirr hängenden Niehren ein Seil zuwirft. In schwindelerregender Höhe - zumindest für Betrachter, die unter Höhenangst leiden. "Das ist erst die dritte Ebene", erklärt Hülsberg lächelnd. Hier ist der untere Saum des Baums. Elf Ebenen hat der Turm, die obere Aussichtsplattform ist 37,5 Meter über dem Boden. Dort hängt die sternförmige Christbaumspitze. Noch mal gute fünf oder sechs Meter höher haben sich Knecht und Niehren eingeklinkt, sind über die Brüstung und dann die Außenhaut heruntergeklettert. "Zum ersten Mal bei Sonnenschein", sagt Lauck, "vergangenes Jahr hat es horizontal geschneit." Im Jahr davor hatte es so starken Wind, "dass wir abbrechen mussten. Wenn man 20 Meter neben dem Turm hängt, bringt das ja nix". Und gefährlich ist es obendrein. In diesem Jahr geht aber alles glatt, was auch auf die Erfahrungen der ersten Jahre zurückzuführen ist. "Im ersten Jahr wollten wir die Lichtschläuche von oben hochziehen", erzählt Lauck, "was natürlich nicht ging, das war viel zu schwer." Loslassen oder kopfüber hinabstürzen seien zur Hälfte der Strecke die zwei Möglichkeiten gewesen. "Wir haben losgelassen." Nun wird mit mehr Erfolg von unten gezogen. 1000 Euro hat laut Gemeindesprecher Eric Hülsberg die Beleuchtung gekostet, die Aktion am Donnerstag weitere 365. Dazu kommen die Betriebskosten. "Die bewegen sich am Tag im Centb ereich", sagt Lauck. "Dafür strahlt Tholey über die Gemeindegrenze hinaus", lautet Hülsbergs Fazit.