Katja Göbel neue Leiterin katholisches Büro Saarland

Kirche : „Die Kirche sollte politisch agieren“

Katja Göbel leitet seit über einem Monat das Katholische Büro Saarland. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten.

Seit dem 1. August hat das Katholische Büro Saarland in Saarbrücken eine neue Leiterin. Katja Göbel aus Sotzweiler ist die erste Frau auf dem Posten, der bislang Priestern vorbehalten war. Göbel fungiert quasi als Botschafterin der Bistümer Trier und Speyer bei der saarländischen Landesregierung, dem Landtag, den Gewerkschaften, Verbänden und gesellschaftlichen Gruppierungen.

Einen Termin bei Katja Göbel zu bekommen ist derzeit nicht einfach. „Mein Terminkalender ist voll“, sagt die 47-Jährige. „Auch an den Wochenenden.“ Kein Wunder. Schließlich ist die Diplom-Verwaltungswirtin und bisherige Beamtin bei der Knappschaft gerade dabei sich intensiv in ihren neuen Job einzuarbeiten. Und das heißt neben Akten wälzen vor allem sich an vielen Stellen vorzustellen und bekanntzumachen – oder kurz: Klinken zu putzen.

Die Ordinariatsdirektorin – so ihr offizieller Titel – hält für die Bischöfe von Trier und Speyer, Stephan Ackermann und Karl-Heinz Wiesemann, den Kontakt zu den politischen und gesellschaftlichen Akteuren des Saarlandes. Sie agiert als „Lobbyistin“, sozusagen im Dienste des Herrn und der Kirche. „Ich knüpfe Kontakte, bringe die Kirche ins Gespräch und versuche sie im Gespräch zu halten“, umschreibt Katja Göbel selbst ihre Aufgabe.

Auf dem Themen-Tableau stehen dabei Fragen rund um Schul- und Hochschulpolitik sowie Kindertagesstätten. Es geht um Krankenhäuser, Altenheime, Hospize sowie weitere soziale Einrichtungen und Dienste – eben jene Felder, auf denen sich die katholische Kirche engagiert. Aber auch darüber hinaus. Über das katholische Büro wird die Institution Kirche zudem bei Gesetzesentscheidungen gehört und bringt christliche Positionen bei schwierigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen wie etwa dem Umgang mit Flüchtlingen, der Armutsbekämpfung mit all ihren Facetten, Bewahrung der Schöpfung oder der gerade angefachten Diskussion zur Organspende ein. Göbel: „Ich möchte dazu beitragen, dass mehr Menschlichkeit ins Leben gelassen wird.“ Denn die Gesellschaft entwickele sich gerade egoistischer, meint die Mutter zweier Söhne. Deshalb müsse die Kirche gerade jetzt deutlich hörbar sein.

Darf Kirche dazu auch politisch agieren? Auf diese Frage gibt Katja Göbel eine klare Antwort: „Ja, sie darf!“ Sie solle es sogar. Aufgabe der Kirche im politischen Prozess sei es, den Aspekt der Nächstenliebe im Fokus zu halten und immer wieder zu betonen, so Göbel.

Der Arbeitsplatz der gebürtigen Frau aus Sotzweiler befindet sich im vierten Stock des Johannes-Foyers in der Saarbrücker Ursulinenstraße. Katja Göbel teilt es mit einem Justiziar, einer Mitarbeiterin und einer Sekretärin. Ihr Kommissariat der Bischöfe von Speyer und Trier ist eine Dienststelle, die mehr im Stillen im Stile einer Botschaft arbeitet, weniger mit einem Megaphon.

Als Frau und Verwaltungs-Expertin ist Katja Göbel unter ihren Kollegen, meist Geistliche, auf Bundesebene eine Ausnahme. Auf jeden Fall ist sie die erste Frau auf diesem Posten im Saarland. Dies rief bisher ein breites Spektrum unterschiedlichster Reaktionen hervor. „Es gibt viele, die sich freuen“, sagt Göbel. Aber sie höre und lese zwischen den Zeilen auch Kritik – eben weil sie eine Frau sei und auch keine studierte Theologin. „Die Entscheidung mich als Frau und Nicht-Theologin einzustellen, haben die beiden Bistümer getroffen“, sagt Göbel. „Und ich könnte mir vorstellen, dass sie dafür auch gute Gründe hatten.“ Zumal: Unerfahren in Sachen Politik und Kirche ist Göbel keineswegs. So war sie eine der ersten Messdienerinnen in Sotzweiler, hat in ihrer Jugend aktiv in der Katholischen Jugend und im Pfarrgemeinderat mitgearbeitet.

Darüber hinaus ist sie im Familiengottesdienstkreis ihrer Pfarrgemeinde aktiv und hat in der Pfarreiengemeinschaft am Schaumberg ein neues Konzept zur Erstkommunionvorbereitung mitentwickelt. Kommunalpolitisch war sie unter anderem als stellvertretende Ortsvorsteherin in Sotzweiler tätig. Mit Beginn ihres Amtsantritts habe sie aber alle politischen Ämter abgegeben, sagt Göbel. Trotz des vollen Terminkalenders und der vielen neuen Aufgaben: Bereut hat Katja Göbel, die seit 21 Jahren mit ihrem Mann Michael verheiratet ist, den Schritt aus der Verwaltung in eine quasi-diplomatische Tätigkeit nicht. Im Gegenteil: Aktuell sei es eine aufregende Zeit für die Kirche, betont Göbel Und: „Ich bin dankbar für die Chance für meine Kirche etwas zu tun, etwas nach vorne zu bringen und für meinen Glauben einstehen zu können.“

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