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Kardinal Eusebio Scheid aus Brasilien, mit Sotzweiler Vorfahren, tot

Kardinal war Sotzweiler stets verbunden : Eusebio Scheid ist an Corona gestorben

Kardinal wurde 88 Jahre alt. Vorfahren des Alterzbischofs von Rio de Janeiro stammen aus Sotzweiler.

Eine traurige Nachricht hat die Gemeinde Tholey erreicht: Kardinal Eusebio Oscar Scheid (1932 bis 2021), Alt-Erzbischof von Rio de Janeiro, ist im Alter von 88 Jahren in Brasilien an Corona gestorben. Von 1955 bis 2012 war er ein häufiger Gast in der Heimat seiner Vorfahren in Sotzweiler, wo er 1960 seine Primiz feierte und viele Verwandte und Freunde hatte.

Der in Santa Catarina geborene Deutsch-Brasilianer Scheid, dessen Vorfahren im 19. Jahrhundert aus der Gegend von Tholey nach Brasilien ausgewandert waren, war Mitglied der Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester (SCJ). Er studierte an der Päpstlichen Universität Gregoriana und wurde 1960 in Rom zum Priester geweiht. Zu Beginn seiner Karriere als Theologieprofessor lehrte Scheid von 1964 bis 1965 für kurze Zeit unter dem berühmten Bischof Helder Camara (1909 bis 1999) am Seminar in Recife, später war er Professor in Taubaté, dem Seminar der Herz Jesu Priester in Brasilien.

Von 2001 bis 2009 leitete Scheid die Erzdiözese Rio, die mit rund fünf Millionen Katholiken zu den größten der Welt zählt. Zuvor, von 1981 bis 1991, war er bereits erster Bischof der neu gegründeten Diözese Sao José dos Campos und von 1991 bis 2001 Erzbischof von Florianópolis, der Hauptstadt des Bundesstaates Santa Catarina. Papst Franziskus würdigte den Kardinal als eifrigen und großzügigen Seelsorger. Er habe den Gläubigen etwas von der Güte Gottes geben wollen, heißt es in einem Beileidstelegramm aus dem Vatikan.

1955 als 22-jähriger Theologiestudent begab sich Eusebius Oskar Scheid, der eigentlich als Oscar Francisco Scheid geboren worden war, auf Spurensuche nach seinen Vorfahren am Schaumberg. Der damals in Sotzweiler tätige Pfarrer, Johann Wilhelm Gerhartz, vermittelte den jungen Theologen aus Brasilien an eine sichere Adresse, was die Sotzweiler Verwandtschaft des Brasilianers betraf: an den aus Sotzweiler stammenden Priester Johann Peter Schmitt aus Kardehaus, damals Pfarrer von Niedaltdorf. In Pfarrer Schmitt fand der junge Eusebio Scheid nicht nur einen priesterlichen Freund, sondern auch geistigen Begleiter und ein Vorbild, wie der spätere Bischof und Kardinal immer wieder betonte. Nicht nur seine Primiz, auch sein silbernes Priesterjubiläum 1985 und seine 40 Jahre im Priesteamt im Jahre 2000 hat er in Sotzweiler gefeiert. Dazwischen verging kaum ein Jahr, ohne dass zunächst der Pater, dann der Bischof, dann der Erzbischof Eusebius, wie er in Sotzweiler liebevoll genannt wird, in seinem Heimatort war.

Zur Einführung als Bischof von São José flogen zum ersten Mal drei Sotzweiler Ehepaare in Begleitung des damaligen Sotzweiler Pastors Albert Paul nach Brasilien. Es folgten weitere Besuche zu besonderen Anlässen. Zwei Mal kam Eusebio Scheid als Kardinal in die Heimat seiner Vorfahren. Das erste Mal 2008, als er in einer Woche drei Pontifikalämter in Theley, Sotzweiler und Oberkirchen feierte. Im Anschluss daran fanden in allen Orten Empfänge statt. Zum letzten Mal kam der bereits emeritierte Kardinal 2012 gemeinsam mit seinem Bruder Lucas Scheid, ebenfalls ein Herz Jesu Priester, ins Saarland, um in Sotzweiler sein Goldenes Priesterjubiläum nachzufeiern.

Eusébio Kardinal Scheid kam immer wieder in die Heimat seiner Vorfahren, so auch 2008. Foto: Franz Rudolf Klos Foto-Design- K/Franz Rudolf Klos

Die letzten Jahre, als der Kardinal Scheid zurückgezogen in seinem ehemaligen Bischofshaus in Sao José dos Campos lebte, hielt er telefonisch Kontakt zur Verwandtschaft. Dort verstarb er in einem Krankenhaus am 13. Januar an den Folgen einer Covid-19-Infektion.