Jacko-Hit von 1985 ist das Motto eines Benefizkonzertes am 10. Oktober in Theley

Jacko-Hit von 1985 ist das Motto eines Benefizkonzertes am 10. Oktober in Theley

Reggae, Rap und Popmusik – präsentiert in einer Kirche. Das hat Steffen Jung aus Theley organisiert. Der 24-jährige Musiker bittet am 10. Oktober zum Benefizkonzert in die Kirche St. Peter nach Theley. Der Erlös geht an Hilfe direkt, den Verein Kisoboka und die saarländische Flüchtlingshilfe.

Seine Augen strahlen, wenn er davon erzählt. Er wirkt positiv aufgeregt und sagt: "Ich freue mich total auf das Konzert." Zum ersten Mal organisiert Steffen Jung, Sänger der Band Spirit Wanted, ein Konzert. Und er ist überrascht, wieviel Arbeit dahinter steckt. Als er Anfang des Jahres die Idee dazu hatte, konnte er noch nicht einschätzen, was auf ihn zukommen würde. Aber es macht auch Spaß, wie der Student (katholische Theologie und Musik auf Lehramt) im Gespräch mit der SZ berichtet.

Alles fing mit einem geistlichen Konzert im Gotteshaus in Theley an. "Es wäre doch cool, wenn es in der Kirche auch mal ein modernes Konzert geben könnte", dachte sich Jung. Und sprach Pastor Ulrich Graf von Plettenberg an. Dieser sei sofort bereit gewesen, den sakralen Veranstaltungsort zur Verfügung zu stellen.

Zunächst wollte der Sänger das Programm alleine gestalten. Doch dann hielt er es für interessanter, "wenn mehr Leute dabei sind". Und er ging ab Mai in seinem Umfeld auf Partner-Suche. Oku (Markus Okuesa) aus Homburg war gleich mit von der Partie, was den jungen Organisator besonders freut: "Wenn er die Bühne betritt, scheint die Sonne." Der Reggae-Rocker und seine Band haben in diesem Jahr ihr viertes Album veröffentlicht, die Band war bereits Vorgruppe bei einem Silbermond-Konzert in Saarbrücken.

Auch seinen Vater verpflichtete Steffen Jung kurzerhand. Dieser ist Mitglied der Formation Nimmermüden und wird sowohl mit seinen 13 Band-Kollegen als auch mit seinem Sohn zusammen auftreten. "Wir werden Lieder von früher singen, unter anderem "Father and Son" von Cat Stevens ", verrät Jung.

Außerdem mit von der Partie ist der Rapper Drehmoment aus Saarlouis. Er hat bereits mit Gentleman zusammengearbeitet und wird in Theley - genau wie alle anderen Künstler - ohne Gage auftreten. Unentgeltliches Engagement gibt es auch von anderer Seite. So stellt die Firma Knecht Veranstaltungstechnik aus St. Wendel für den Abend kostenfrei eine Beschallungsanlage zur Verfügung. Die Fun Music School aus St. Wendel liefert sämtliches technisches Equipment.

Vor allem bei Fans des FC Bayern München bekannt sein dürfte ein weiterer Musiker des Konzertes: Christian Stoll. Er war zwei Jahre Stadion-Sänger in der Allianz-Arena - und hatte sich damals gegen 2000 Mitbewerber durchgesetzt.

Lieder von Yvonne Catterfeld oder Sarah Connor hat Anjuli Mendis in ihrem Repertoire. Eher in die Country-Richtung geht die Musik von Tim Krämer, dem Gitarristen der Boogie Balls. Lukas Bleymehl ist Sänger der St. Wendeler Band Searching 25 und präsentiert Pop-Musik.

Moderne Musik in der Kirche, das ist für den Chor Atemzug nichts Ungewöhnliches. Die jungen Männer und Frauen aus der Gemeinde Tholey singen immer mal wieder in Messen. Alle Künstler werden von der gleichen Band begleitet. Zu ihr gehören neben Jung an der Gitarre Dennis Angel am Schlagzeug, Max Kunz am Bass; Max Caspary am Klavier und Jana Scheid an der Geige.

So viele Stilrichtungen - Jung denkt, dass für Abwechslung gesorgt ist. Und hofft, dass die Kirche voll ist. Zumal es sich um ein Benefizkonzert handelt. Eintritt wird nicht erhoben, aber um Spenden gebeten. Der Erlös geht an die Vereine Hilfe direkt, Kisoboka und die saarländische Flüchtlingshilfe . Das Motto am Samstag, 10. Oktober, ab 20 Uhr, lautet: "We are the world." Die Botschaft, die hinter dem Song, den Lionel Richie und Michael Jackson 1985 für das Bandprojekt USA for Africa komponierten, sei heute so aktuell wie vor 30 Jahren, meint Jung. Und hofft darauf, dass auch einige Flüchtlinge miteinstimmen, wenn zum Ende des etwa zweieinhalbstündigen Programms Firmlinge aus der Gemeinde Tholey den Klassiker für den Frieden gemeinsam singen. Reggae und Rap in der Kirche - warum haben Sie spontan zugesagt, als Steffen Jung auf Sie zukam?

Pastor Ulrich Graf von Plettenberg: Das ist einfach: Steffen Jung hat eine begeisternde und zugleich ernsthafte Art, die mich angesteckt hat. Außerdem glaube ich, dass wir als Kirche uns und unsere Kirchengebäude öffnen müssen für das, was die jungen Menschen bewegt. Ich bin sicher, nicht nur wir können ihnen etwas geben, sondern auch umgekehrt: Die Jugend kann uns Gläubigen etwas geben. Und wenn ich mir so manche Texte aus der modernen Musik anschaue, staune ich über die Hintergründigkeit und Tiefe.

Denken Sie, das Konzert wird nachhaltig dafür sorgen, dass die Kirche als moderner angesehen wird?

von Plettenberg: Ein einzelnes Kirchenkonzert verändert nicht das Gesicht der Kirche.

Aber auch hier gilt der weise Satz: "Wo viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, verändert sich das Angesicht der Welt" beziehungsweise in diesem Fall: der Kirche.

Könnten Sie sich vorstellen, die Kirche öfter für solche Veranstaltungen zu öffnen?

von Plettenberg: Ja, das kann ich. Aber ich bin mir auch bewusst, dass dies ein Experiment ist, das zwar bestens vorbereitet ist und mit guten Erfolgschancen. Allerdings wird es sicher auch Widerstände wecken. Ich bin jetzt schon gespannt auf die Reaktionen!

Gibt es da keine Probleme, weil die Kirche geweiht ist?

von Plettenberg: Kirchenräume sind immer schon Orte gewesen, in denen der Kunst Raum gegeben wird. Wir sind bisher darauf fixiert, dass es in den Kirchen alte, klassische Kunst gibt. Aber auch die moderne Kunst verweist den Menschen über sich hinaus und hat damit religiöse Züge. Ob sie dabei auf unseren christlichen Glauben und Gott verweist, ist eine zweite Frage. Ich bin da aber, ehrlich gesagt, lieber mutig und weit als ängstlich und eng.

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