Irmina Naumann feiert ihren 100. Geburtstag.

Wir gratulieren : Sie wusste den Schutzengel stets an ihrer Seite

Für Irmina Naumann aus dem Seniorenhaus Hasborn ist heute ein besonderer Tag. Die Frohnatur feiert ihren 100. Geburtstag.

() Im Seniorenhaus in Hasborn wird heute kräftig gefeiert. Denn Heimbewohnerin Irmina Naumann feiert ihren 100. Geburtstag. Seit Tagen schon ist sie voller Vorfreude und steckte auch Heimleiterin Vera Schmidt an. „Das ist heute ein großer Tag für Frau Naumann. Da sie viele Gäste erwartet, haben wir unseren großen Saal festlich hergerichtet“, so Vera Schmidt.

Am 31. Januar 1919 in Bildstock geboren, gehört Irmina Naumann noch zu einer Generation, die Geschichte erlebt hat. In selbst geschriebenen Gedichten und Geschichten, die sie in einer Sammelmappe sorgsam aufbewahrt, lässt die Seniorin Stationen ihres Lebens Revue passieren. Die Kindheit verbrachte sie in Thalexweiler. Als Älteste von acht Kindern musste sie im elterlichen Haushalt viel mithelfen. In ihren Aufzeichnungen erinnert sie sich an die NS-Zeit und schreibt von der Einweihung des Staatstheaters: „Im Jahre 1938 war ich als kaufmännische Angestellte in Saarbrücken beschäftigt. Hitler kam, um das Theater einzuweihen. Es regnete in Strömen. Keiner durfte den Schirm aufmachen, sonst hätte er die Sicht versperrt.“ Nach Kriegsausbruch arbeitete Irmina Naumann zunächst in Bous und dann in Lothringen in der Lohnbuchhaltung eines Bauunternehmens. „Ich fuhr mit einem Herrenfahrrad das Lohngeld auf die Baustellen. Mit den Bauarbeitern konnte man reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist.“ 1943 trat sie eine Stelle in der Buchhaltung eines Alpenkurhotels im Kleinwalsertal an. „Als das Hotel in ein Reservelazarett umfunktioniert wurde, hat man uns dienstverpflichtet. Ich wurde Rechnungsführerin. Ich sollte als Nachrichtenhelferin nach Russland. Unser Stabsarzt setzte seine eigene Stellung aufs Spiel und erklärte mich für untauglich. So bewahrte er mich vor diesem Einsatz“, erinnert sich die Jubilarin. Nach Kriegsende 1945 kehrte sie in ihr Heimatdorf Aschbach zurück. „Ich kenne fast jeden Einwohner und sein Schicksal. Damals war es eine fröhliche Zeit. Die Leute trafen sich und hielten in Freud und Leid zusammen. Abends saß man vor den Häusern zusammen. Und heute: Ich gehe mit meinem Rollator oft durch die Straßen, aber ich treffe selten Leute. [...] Die Zeit der kleinen Geschäfte, in denen sich die Menschen trafen und plauderten, ist vorbei“, schreibt sie in ihren Aufzeichnungen. Sie selbst führte 52 Jahre lang ein Haushaltswarengeschäft. „Ich habe immer viel gearbeitet, das hat mich fit gehalten. Zuletzt habe ich noch den jungen Burschen einen Torfsack auf den Karren gehoben, weil sie diesen wegen Rückbeschwerden nicht heben konnten, auf den Karren gelegt“, verrät die Seniorin mit einem Augenzwinkern. Den Laden gab sie mit 82 Jahren auf: „Dann begann meine dritte Lebensphase. Ich ging viel Spazieren und beschäftigte mich viel mit meinen acht Enkeln.“ Ihren Ehemann hatte sie schon früh in der Gastwirtschaft kennengelernt: „Ich war damals 27, er zehn Jahre älter. Er flirtete mit mir und ich dachte, was ist das denn für ein alter Junggeselle, benimmt sich wie ein 18-Jähriger.“ Das Paar bekam drei Töchter und einen Sohn.

Irmina Naumann ist noch heute eine Frohnatur. Legendär sind ihre Auftritte als Eisbrecher zum Auftakt der Kappensitzungen in Aschbach: „Einmal trat ich in einem Negligé als Engel auf. Die Leute sagten immer, wer’s Mina nicht kennt, kennt Aschbach nicht. Eigentlich sei sie nie wirklich krank gewesen. Aber einmal habe sie sogar schon die letzte Ölung erhalten, als es ihr nicht gut ging: „Im Film hatte ich mal gesehen, dass die Herrschaften beim Sterben den Kopf auf eine Seite legen und die Augen schließen. Das machte ich dann auch, aber es klappte nicht. Naja, die Ölung habe ich dann jetzt schon.“ In ihrem Leben habe sie viel Glück und stets einen guten Schutzengel gehabt.

Seit einem Jahr lebt Irina Naumann nun im Seniorenhaus in Hasborn und fühlt sich wohl: „Ich bekomme hier täglich von allen so viele Komplimente, mehr als zu früheren Zeiten.“ Die Seniorin ist zufrieden und mit sich im Reinen. Im Alter von 94 Jahren schrieb sie: „Ich wollte immer etwas größer sein, nun bin ich fünf Zentimeter kleiner geworden, was mir nicht gefällt. Aber sonst ist alles einigermaßen in Ordnung und dafür muss ich in meinem Alter dankbar sein.“ Zur Geburtstagsfeier kommen sie heute alle: ihre Kinder, Enkelkinder und viele Freunde vom Karnevalsverein und aus ihrem Heimatdorf.

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