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In Tholey helfen Bürger vor allem älteren Mitmenschen im Alltag

Corona-Krise : Die Lieferhelden aus dem Bohnental

Vorbild für ganz Tholey: Nachbarschaftshilfe „Muske(l)tiere“ erwächst in Zeiten der Krise eine besondere Bedeutung zu.

Was im Bohnental schon seit Jahren tagaus tagein praktiziert wird, macht nun im ganzen Landkreis St. Wendel Schule. Die Aktionsgemeinschaft Bohnental hatte seinerzeit in den Gemeinden Tholey und Schmelz eine zentral organisierte Nachbarschaftshilfe ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Einer für alle, alle für einen“ engagieren sich ehrenamtliche Helfer schnell und unbürokratisch in der Taskforce „Bohnentaler Muske(l)tiere“. Die Ehrenamtler unterstützten – und tun das noch heute – vor allem ältere Menschen, unter anderem, indem sie für sie Einkäufe erledigen.

Was ursprünglich als Antwort auf den demografischen Wandel entstand, gewinnt vor dem Hintergrund des sich raschen ausbreitenden Coronavirus eine ganz neue Dimension. Plötzlich sind es nicht nur die in ihrer Mobilität eingeschränkten Senioren, für die so ein Service ein Segen ist. Jetzt sind es auch neu definierte Risikogruppen, die tunlichst vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Erreger geschützt werden müssen.

Älteren Menschen – vor allem, wenn sie durch Vorerkrankungen belastet sind – wird davon abgeraten, in Supermärkte zu gehen. Doch wie sollen sie an wichtige Nahrungsmittel wie Butter, Milch oder Brot kommen? „Mein Ortsvorsteher-Kollege aus Orscholz hatte zuvor die schöne Aktion Lieferhelden ins Leben gerufen. Dort werden Einkaufshilfen für jene gesucht, die verängstigt oder vorbelastet sind. Diese Aktion passt wunderbar zu unserem Sozialen Dorf Hasborn-Dautweiler und wir suchen auch Lieferhelden, um den aktuell besonders gefährdeten Menschen in unserer Mitte zu helfen“, sagt Martin Backes, Ortsvorsteher von Hasborn.

Mittlerweile haben sich alle neun Ortsteile der Gemeinde Tholey der Aktion angeschlossen und bekunden damit ihre Solidarität gegenüber den Hilfsbedürftigen. Eine Lieferheldin ist Sonja Fuchs aus Hasborn: „Für mich war das eine spontane und direkte Entscheidung, mitzumachen, weil ich die Idee einfach klasse finde. Ich habe keine Sekunde gezögert, mich als hoffentlich weiterhin gesunder Mensch zu engagieren“, erklärt Fuchs. „Als Soziales Dorf Hasborn ist es einfach nur richtig, dass wir uns für diese wunderbare Sache einsetzten und den Schwachen und Kranken in unserem Dorf helfen. Gemeinsam bewältigen wir diese außergewöhnliche Situation ganz bestimmt.“

Auch für Katja Seubert war schnell motiviert, Lieferheldin zu werden. „Ich bin der Meinung, dass in dieser schwierigen Zeit nicht jeder nur an sich denken sollte“, sagt sie. „Jetzt sind Zivilcourage und Miteinander gefordert. Die älteren Leute oder die zur Risikogruppe zählenden Menschen sollten Zuhause bleiben und von uns unterstützt werden“, bekräftigt Seubert. „Ich gehe ohnehin einkaufen, und ob ich noch für jemanden anderes mit einkaufe, das macht keinen Unterschied. Wir stehen diese Zeit nur durch, wenn wir zusammenhalten.“

Bei anderen hat die Aktion aber auch Kreativität geweckt und Überlegungen in Gang gesetzt, mit welchem Service noch Hilfe geleistet werden könnte. So hatte Marion Lambert aus Theley die Idee, neben den Einkäufen von Lebensmitteln einen Bücher-Bring-Service anzubieten. Denn nicht nur, dass jeder in dieser Krisensituation sein Konsum- und Einkaufsverhalten anpassen muss. Auch gilt es die vor uns liegende Zeit in den eigenen vier Wänden sinnvoll zu gestalten. „Das ist doch selbstverständlich, dass wir den Menschen, die sich schützen müssen, mit Lebensmitteleinkäufen helfen“, sagt Lambert. „Was ich außerdem verteile und was ich auch ganz wichtig finde, sind Bücher. Wenn jetzt keine Bücher mehr ausgeliehen werden können, weil zum einen unsere Pfarrbücherei schließt und zum anderen die Leute nicht raus können, dann kommt das Buch eben zu den Leuten nach Hause.“ Deswegen verteile sie nicht nur Lebensmittel, sondern biete auch gleichzeitig diese mobile Buchausleihe an, erklärt die Theleyrin, die sich ehrenamtlich auch in der Pfarrbücherei engagiert.

„Das ist eine großartige Hilfsbereitschaft, die gerade unsere Gemeinde durchzieht. Viele Menschen bieten sich an, ehrenamtlich den von unseren Ortsvorstehern mit viel Leidenschaft organisierten Einkaufsservice tatkräftig zu unterstützen. Diese Solidarität für die zu schützenden Risikogruppen ist einfach fantastisch und verdient ein dickes Lob“, betont Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU). Mittlerweile haben sich alleine in Hasborn-Dautweiler schon 45 ehrenamtliche Helfer gemeldet und ihren ehrenamtlichen Dienst angeboten. Über die sozialen Medien, das Amtsblatt und über Flugblätter werben die Ortsvorsteher der Gemeinde Tholey für die Lieferhelden-Aktion und informieren über die Ansprechpartner in den Ortsteilen.