Hexenwanderung um den Schaumberg.

Hexenwanderung : Von Goethes Faust bis Feuerzangenbowle

Peter Schneider führte die Hexenwanderung rund um den Schaumberg. Er hatte so manche Überraschung für die Teilnehmer parat.

Wer in der Hexennacht in den Abendstunden auf Schusters Rappen auf dem Herzweg unterwegs war, staunte nicht schlecht, als plötzlich mittelalterlich gekleidete Gestalten entgegenkamen, angeführt von einem stattlichen Mann in Schwarz mit teufelsartig geschminktem Haupt. Peter Schneider war wieder mit seiner Tour des Culture unterwegs. Etwa 30 Teilnehmer begaben sich mit dem historisch bewanderten Förster aus Bergweiler auf eine Hexentour rund um den Schaumberg. Wer nicht schon in passender Verkleidung erschien, für den zauberte Schneider flugs aus seinem Fundus das passende Gewand oder den passenden Hut. Nachdem er sich aus der Besucherschar noch einen Junker als Gehilfen ausgewählt hatte, startete das Programm auf dem Schaumbergplateau mit lauten Böllerschüssen.

„Ich bin der Geist, der stets verneint und das mit Recht. Denn alles was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht“ – mit den Mephisto-Worten aus Goethes Faust und weiteren Zitaten begrüßte Schneider sein Gefolge. Er verkündete seine teuflischen Spielregeln: Wer unschicklich während der Wanderung auffalle, dem verpasse er ein weißes Büßergewand. Begleitet von mystischen Klängen machten sich die Hexenwanderer dann auf den Weg. Querfeldein über verwunschene schmale Pfade und dann wieder ein Stück über den Herzweg pilgerte die Gruppe knapp zwei Stunden umher, in der zunehmenden Dunkelheit von Fackelträgern begleitet. Unterwegs hielt Schneider immer wieder inne, postierte sich effektvoll auf einer Bank oder vor Stelen der Gipfelkunst und gab mit dramatischem Tonfall historische Geschichten aus der Zeit der Hexenverbrennungen zum Besten. In seinen Vorträgen ging es um Geständnisse vermeintlicher Hexen oder um das Schicksal der Sousanne Schoullers aus Exviller, dem heutigen Thalexweiler. Zwischendurch durfte bei kurzen Anekdoten aber auch gelacht werden. Wer zu laut oder an falscher Stelle lachte, der wurde in ein Büßerkostüm gesteckt.

Ein besonderes Klangerlebnis hatte sich Peter Schneider für die Afrikakapelle ausgedacht, die an diesem Abend in mystischen Kerzenschein getaucht war. Nachdem die Hexenwanderer auf den Holzbänken Platz genommen hatten, ertönte aus einem kleinen Lautsprecher das „Ave Maria“. Gebannt und mucksmäuschenstill lauschten alle der sonoren Stimme des Sängers. Zurück auf dem Schaumbergplateau, überraschte Schneider sein Gefolge mit einer Feuerzangenbowle, die er am Fuße des Schaumbergturms in einem großen Kupferkessel zubereitete. Das heiße Getränk war ein willkommener Wärmespender gegen die aufkommende Kälte der Nachtstunden.

Etwa 30 Teilnehmer waren bei der Hexenwanderung rund um den Schaumberg mit von der Partie. Foto: Marion Schmidt

Schneider, der sich selbst als Geschichten-Erzähler beschreibt, war hochzufrieden mit seiner Tour: „Ich freue mich immer über das Staunen der Leute, wenn ich die Geschichten erzähle. Viele sind überrascht zu hören, was in unserer Region schon alles stattgefunden hat.“ Seine erste Hexenwanderung 2017 sei so gut angekommen, dass die Gemeinde Tholey ihm quasi den Dauerauftrag erteilte. „Ich recherchiere meine Touren immer gründlich, so dass auch oft neueste Forschungskenntnisse in meine Informationen eingebaut sind“, so Schneider zu seinem Konzept. Er will seinen Zuhörern unterschiedliche Zugänge zu Historie und Landschaft präsentieren und mit seinen Geschichten mehr Aufmerksamkeit für die Heimat schaffen. Ideen für die Hexenwanderung 2020 hat der geschichtsinteressierte Förster auch schon: „Goethes Faust muss einfach sein. Der Text ist genial. Den realen Bezug will ich nächstes Jahr vielleicht vertiefen.“

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