Insolvenz: Geschäft der insolventen Bäckerei Backes läuft weiter

Insolvenz : Geschäft der insolventen Bäckerei Backes läuft weiter

Insolvenzverwalter sucht nach Interessenten für Theleyer Traditionsbetrieb. Die 38 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.

Für Außenstehende kam es vielleicht überraschend: Mit Beschluss des Sulzbacher Insolvenzgerichts von Anfang April wurde gegen die Theleyer Traditionsbäckerei Backes das Insolvenzverfahren eröffnet. Das hat die Rechtsanwaltskanzlei Schiebe und Collegen mitgeteilt. Rechtsanwalt Robert Schiebe wurde demnach vom Gericht zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Beantragt hatte die Insolvenz der geschäftsführende Gesellschafter der Bäckerei, Christoph Entzminger.

Seit 1984 ist der Theleyer Backwarenhersteller im St. Wendeler-Land etabliert. Rund 90 Prozent der verkauften Waren stellt der Betrieb nach eigenen Angaben selbst her. Neben dem Stammhaus in Theley betreibt Backes Filialen in Primstal, Oberthal, Selbach und Marpingen. Vor wenigen Monaten noch eröffnete Backes in Winterbach eine weitere Filiale. Die hatte das Unternehmen von einer St. Wendeler Großbäckerei übernommen. Doch mittlerweile ist diese Niederlassung wieder geschlossen. Umgedreht wurde der Schlüssel noch vor dem Insolvenzantrag und dem Tätigwerden des Insolvenzverwalters. „Die Gründe der Schließung der Filiale in Winterbach sind komplex. Durch den Absprung mehrerer Großkunden entstand eine Umsatzlücke, die nicht mehr aufgefangen werden konnte“, erklärt auf Nachfrage der Saarbrücker Zeitung Vaniti A. Paul, die bei Schiebe und Collegen für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. „Erfreulicherweise konnten Kündigungen ausbleiben. Die Mitarbeiter wurden intern umbesetzt.“

Der jetzige geschäftsführende Gesellschafter Christoph Entzminger führt die Albert Backes GmbH seit 1. Juli 2016. Aufgrund strategischer Versäumnisse in der Vergangenheit habe das Unternehmen in den vergangenen Jahren nach und nach an Wettbewerbsfähigkeit verloren. „Wir würden gerne eine gute Lösung für die Bäckerei und ihre Mitarbeiter finden“, erklärt Geschäftsführer Entzminger.

Welcher Art die Versäumnisse waren, dazu sagt Vaniti A. Paul: „Der Markt hat sich stark gewandelt und Bäcker kämpfen heute mit anderen Herausforderungen als noch vor zehn Jahren.“ Geändert habe sich beispielsweise, dass Supermärkte und Discounter ihr Backsortiment stetig ausbauen und Waren zu Preisen anbieten können, „bei denen ein Handwerksbetrieb nicht mithalten kann“. Bisher sei es versäumt worden, angesichts dessen „eine neue strategische Marktausrichtung zu entwickeln und umzusetzen. Mit dem vorläufigen Verfahren erhält die Bäckerei die Chance, sich wieder profitabel aufzustellen“.

Die Backes-Filiale in Winterbach schloss kurz nach der Eröffnung. Foto: Thorsten Grim

Nun solle schnellstmöglich eine tragfähige Lösung für die Backes GmbH und ihre 38 Mitarbeiter gefunden werden. Dafür würden aktuell vom vorläufigen Insolvenzverwalter potenzielle Interessenten angesprochen. Die Kanzlei sucht also Investoren oder Übernahme-Willige. In der Fachsprache heißt das: Zur Sicherung einer neuen Basis sei das M&A-Verfahren hausintern bei Schiebe und Collegen angesiedelt. „Primäres Ziel ist der Erhalt der vorhandenen Arbeitsplätze“, erklärt Paul. „Auch erste Gespräche mit Investoren werden geführt.“ Wer diese sind und auf welche Höhe sich die Verbindlichkeiten der Backes GmbH beziffern lassen, darüber „besteht Stillschweigen“.

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