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Gemeinsam die Region voranbringen

Gemeinsam die Region voranbringen

Im Landkreis geboren und sich in die weite Welt aufgemacht: Viele Menschen haben fernab ihres Geburtsorts Karriere gemacht. Das „Netzwerk St. Wendeler Land“ will die Ausgewanderten mit Hiergebliebenen zusammen bringen – zum beiderseitigen Vorteil.

Stippvisite in der Benediktinerabtei St. Mauritius. Historiker und Neu-Ordensbruder Johannes Naumann führt ein paar Dutzend Besucher durchs altehrwürdige Gemäuer. Das Kloster hat etwas aus sich gemacht in den vergangenen Jahren. Ebenso diejenigen, die am Rundgang teilnehmen. Unter ihnen sind Doktoren, Forscher und erfolgreiche Geschäftsleute. Die Hälfte von ihnen ist im Landkreis St. Wendel geboren und hat hinter dessen Grenzen Karriere gemacht.

Sie ein Stück weit zurückholen, zeigen was hier vor sich geht und was die Region alles bieten kann, das ist das Ansinnen hinter dem "Netzwerk St. Wendeler Land", das unter dem Dach der Wendelinus-Stiftung sein Zuhause gefunden hat. "Jedes Jahr haben wir rund 200 Abiturienten im Landkreis. Die Hälfte davon beginnt außerhalb eine Ausbildung oder ein Studium", berichtet Stiftungsvorstand Josef Alles. Andere haben bereits Karriere gemacht. "Wir versuchen, mit ihnen gemeinsam die Region voranzubringen."

Die Idee stoße auf gute Resonanz bei den Auswärtigen. 300 wurden angeschrieben; ein Drittel habe sich bereit erklärt, am Netzwerk teilzunehmen. "Prinzipiell finde ich die Idee sehr gut", meint Dr. Bernd Siemes, der in St. Wendel aufgewachsen ist. Er studierte Elektrotechnik, wollte nach der Schule raus aus der Heimat und lebt nun in Ratingen bei Düsseldorf. "Der Erfolg des Netzwerks ist natürlich davon abhängig, dass sich die Teilnehmer nachhaltig und aktiv engagieren."

Anne Spang wollte mit 18 Jahren raus aus Türkismühle. Sie studierte chemische Technologie und Biochemie in Darmstadt und Paris. Heute ist sie Professorin am Biozentrum der Baseler Universität und ist regelmäßig zu Besuch bei der Familie in der alten Heimat. "Es ist schön, eingebunden zu werden und zu sehen, was andere machen." Sie kann sich vorstellen, im wirtschaftlichen sowie im Bildungsbereich innerhalb des Netzwerks aktiv zu werden, beispielsweise mit Vorträgen für die Bevölkerung.

Insgesamt hatten sich 57 Personen für das erste Treffen angemeldet. Von der Tholeyer Abtei ging es weiter zum Bostalsee, wo Landrat Udo Recktenwald das Tourismuskonzept des Landkreises vorstellte. Abschließend hielt der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Professor Thomas Kleist, einen Vortrag zum Thema "Think global, act local - Von einem der auszog, um hier zu bleiben" an der Europäischen Akademie in Otzenhausen.

Die Idee für des Netzwerk St. Wendeler Land entstand schon vor einigen Jahren. Der ehemalige Nohfeldener Bürgermeister Hermann Scheid plante ein Netzwerk aus Ausgezogenen und Ansässigen seiner Gemeinde. Gemeinsam mit Josef Alles von der Wendelinus-Stiftung weiteten sie das Projekt auf den gesamten Landkreis aus. Mit im Boot sitzen Ex-Landrat Franz-Josef Schumann sowie der Warschau-Korrespondent Klaus Brill.