Flüchtlings-Hof wird sicherer

Flüchtlings-Hof wird sicherer

Seit Februar gibt es die Vorclearingstelle des Landes in Tholey. Der Schaumberger Hof, ehemals Drogentherapiezentrum, beherbergt unbegleitete minderjährige Ausländer – auf Zeit. Statt überwiegend Syrer kommen jetzt viele Afrikaner. Mädchen sollen künftig besonderer Schutz und besondere Betreuung zu Teil werden.

Als im Juli ein 17-jähriger Afghane zur Axt griff und in Würzburg Menschen in einer Regionalbahn verletzte, herrschte einmal mehr Verunsicherung. Erstmals hatte sich ein junger Mann, der als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen war, radikalisiert. Zu diesem Zeitpunkt waren auf dem Schaumberger Hof in Tholey 32 jugendliche Flüchtlinge untergebracht. Im Februar hatte das Land in dem ehemaligen Drogentherapiezentrum eine Vorclearingstelle eingerichtet. Würde der Anschlag direkte Auswirkungen auf die Unterkunft auf Zeit haben?

Auf SZ-Nachfrage erklärte damals Stephan Kolling (CDU ), Staatssekretär im Sozialministerium, dass es keine verschärften Sicherheitsmaßnahmen geben würde. Mit Beginn der Vorclearingstelle war auch Sicherheitspersonal im Einsatz: drei Kollegen pro Schicht, pro Tag drei Schichten. So sollte es bleiben. Das Sicherheitskonzept sei an die Belegungszahlen angepasst.

Neues Sicherheitskonzept

Jetzt - etwa zweieinhalb Monate nach dem Anschlag in Würzburg und Wochen nach den Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen und Rechtsradikalen in Bautzen - sind 14 Jugendliche auf dem Schaumberger Hof untergebracht und es gilt ein verändertes Sicherheitskonzept. Es gibt weiterhin drei Schichten für das Sicherheitspersonal . Doch patrouilliert jetzt jeweils ein Kollege mehr im Gelände. Es habe des öfteren nächtliche Besuche gegeben, berichtet Kolling. Autos, die dort nichts zu suchen haben, seien vorgefahren. Auch von Auseinandersetzungen zwischen den Jugendlichen ist die Rede.

In Absprache mit der Polizei gibt es seit einigen Tagen eine Videoüberwachung. Das Betreten des Geländes ist nur mit Ausweis oder nach Anmeldung möglich. "Es geht darum, dass nicht jeder reinkommt, rausgehen kann jeder", sagt Sozialministerium Monika Bachmann (CDU ). Wobei die Jugendlichen unter Betreuung beispielsweise auf Feste gehen.

Schutz. Dieses Wort fällt immer wieder, während die Sozialministerin und ihr Staatssekretär am Freitag eine erste Bilanz des Vorclearingzentrums ziehen. Denn während anfangs überwiegend Jungs und größtenteils Syrer oder Afghanen kurzzeitig auf dem Schaumberger Hof untergebracht wurden, sind es inzwischen hauptsächlich minderjährige Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern wie Eritrea oder Äthiopien und auch die Zahl der Mädchen steigt. Ihnen gilt die besondere Sorge Bachmanns. 458 minderjährige Flüchtlinge hat die Vorclearingstelle seit Februar vorläufig in Obhut genommen, darunter 50 Mädchen . Zwei von ihnen waren bei ihrer Ankunft schwanger. Einige sind verheiratet. Zwangsehen, so berichtet Bachmann, seien verbreitet unter Flüchtlingskindern. Eltern verheirateten ihre Töchter in der Hoffnung auf mehr Sicherheit während und nach der Flucht. Stattdessen würden die jungen Frauen oft Gewalt erfahren. 29 Ehen von ausländischen Minderjährigen sind im Saarland gemeldet. Bachmann geht aber davon aus, dass die Dunkelziffer höher ist. Die Sozialministerium weiß von einem Fall aus dem Landkreis St. Wendel: Eine 16-jährige Ehefrau sei vom Jugendamt in Obhut genommen worden. Doch das Gericht entschied auf den Verbleib beim Ehemann.

Diese Ehemänner seien oft deutlich älter. Zwar sei nach deutschen Recht Sex unter einer gewissen Altersgrenze strafrechtlich relevant. Gleichzeitig sind diese Eheschließungen in Deutschland anzuerkennen. Ein Konflikt.

Laut Bachmann arbeite das Ministerium derzeit daran, diese jungen Mädchen künftig in speziellen Einrichtungen unterzubringen. Dabei gehe es um mehr Schutz und die Möglichkeit, Traumata aufzuarbeiten. "Viele erfahren auf der Flucht Gewalt, auch sexuelle Gewalt", so Bachmann. In diesem Konzept spielen auch Gastfamilien eine Rolle. Im März wurde das Programm gestartet. 52 Familien haben sich bislang gemeldet. 16 haben die Vorbereitungsphase abgeschlossen. Diese Phase sei wichtig, um potenzielle Pflegefamilien auf ihre nicht ganz alltägliche Aufgaben vorzubereiten. Und um jene zu erkennen, denen es statt ums Helfen nur ums Geld geht. Denn pro Pflegekind (maximal fünf können aufgenommen werden) gibt es 1000 Euro Pflegegeld im Monat. An oberster Stelle, so betont Bachmann, stehe das Kindeswohl.

Zum Thema:

Auf einen Blick Der Schaumberger Hof bei Tholey ist seit Februar Vorclearingstelle des Landes. 485 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind dort bislang vorläufig in Obhut genommen worden. Aktuell sind 14 Jugendliche aus afrikanischen Ländern dort untergebracht. Platz wäre für 75 bis 100 Jugendliche. Pro Tag kommen momentan im Schnitt ein bis zwei minderjährige Ausländer zu dem Hof. Zwischen neun bis 13 Tage bleiben sie dort, dann werden sie beispielweise in anderen Bundesländern untergebracht. In der Vorclearingstelle werden die Jugendlichen unter anderem von einem Arzt und Sozialpädagogen betreut. evy