1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. Tholey

Einblick in die Sanierung der Abteikirche St. Mauritius in Tholey

Kostenpflichtiger Inhalt: Die Abtei zu Tholey : Die Verwandlung der Tholeyer Abteikirche

In Tholey steht das älteste Kloster Deutschlands, seit 2008 laufen dort Renovierungsarbeiten. Das Herzstück, St. Mauritius, war gestern erstmals wieder erlebbar.

Mitunter lassen sich Superlative nicht vermeiden. Und bereits jetzt ist der Moment dafür, lässt sich ein „Großartig!“ in die Welt rufen, obwohl die Baugerüste an der Tholeyer Abteikirche St. Mauritius (1264-1304) weiterhin eine Groß-Baustelle suggerieren. Doch noch bevor sich das eigentliche, das kleine Wunder in der St. Wendeler Provinz ereignet, die drei Fenster des weltbekannten Gerhard Richter im Altarraum eingebaut sind, lässt sich von einem sagenhaften Qualitätssprung berichten. Das bis dato bestenfalls als unscheinbar wahrgenommende Gotteshaus hat sich in ein wahres architektonisches Schmuckstück verwandelt.

Seit 2008 befindet sich das älteste Kloster Deutschlands in einer Metamorphose, wird mit weitgehend privaten Mitteln der Illinger Unternehmerfamilie Meiser rundumsaniert. Das Herzstück dieses für die Denkmalpflege herausfordernden Projektes ist freilich das Kirchengebäude, in dem seit über zweieinhalb Jahren kein Gottesdienst mehr stattfindet. Es befand sich in einem schlimmen Zustand. Es wird noch Monate dauern bis zur Wiedereröffnung. Zwar sollen nach Ostern schon die Richter-Fenster eingebaut werden, aber die Öffentlichkeit wird bis „zur zweiten Jahreshälfte“ warten müssen, um sie zu sehen. Das sagte der Sprecher des Konvents, Bruder Wendelinus gestern bei einem Rundgang. Der für Juni vorgesehene Eröffnungstermin müsse verschoben werden, ebenso die Festwoche, die der Saarbrücker Organist und Chef der Musikfestspiele Saar Bernhard Leonardy geplant hat.

 Verworfen ist damit die Idee einer Teileröffnung, durch die die neun Meter hohen Glaskunstwerke des Kölner Malers schon vor Beendigung der Gesamtmaßnahme an einem vorgezogenen Termin hätten vorgestellt werden können. „Es wäre nicht vermittelbar, nach einer ersten Öffnung das Publikum wieder auszuschließen“, so erklärt das der Medienbeauftrage des Tholeyer Konvents Thorsten Klein.

Die ersten Fotos aus dem renovierten und bis vor wenigen Tagen durch Gerüste „zugemauerten“ Innenraum dürften die Vorfreude steigern. Sichtbar sind nun neun Fenster von insgesamt 34, die die Künstlerin Mahbuba Maqsoodi (München) nach Bibelstellen des Neuen Testamentes entworfen hat. Sieben davon – immerhin drei Meter hoch und 1,60 Meter breit – befinden sich an der Nordfassade in derart großer Höhe und Entfernung, dass man ihren erzählerischen Inhalt nur bei genauem Hinsehen erfasst, die figürlichen Motive verschwimmen. Expressiv wirken sie, mit Farb-Energie aufgeladen. Auch nach außen haben sie angeblich schon glühende Botschaften ausgesandt. Als abends bei Licht gearbeitet wurde, stand laut Bruder Wendelinus „halb Tholey auf der Brücke und machte Handy-Aufnahmen“. Welch eine Freude. Denn für die Mönche ist es ein Hauptanliegen, die Kirche zum Sprechen zu bringen. Man möchte durch die Fenster mit den Menschen ins Gespräch kommen, möchte einladende Freundlichkeit vermitteln. „Das war vorher nur schwer möglich“, sagt Bruder Wendelinus, „die Kirche war für viele ein Unort.“ Düster, zugig, kaputt – tatsächlich hat man St. Mauritius so in Erinnerung, zudem als einen Raum ohne klare historische Architektursprache. Die Wände hatten jahrzehntelang den Heizungs-, Weihrauch- und Kerzen-Staub aufgesogen, bis sie wirkten, als habe man sie in Graphitgrau übermalt.

Heute betritt man einen hellen, lichten, nahezu strahlenden Ort, dank eines neuen ausgeklügelten Lichtkonzeptes. Je nach Anlass lassen sich unterschiedliche Stimmungen erzeugen. Der zentrale Teil der frappierenden Verwandlung lässt sich jedoch auf die neue Wandgestaltung zurückführen, ein lange strittiges Thema zwischen dem Konvent und der Denkmalpflege. Die Experten überzeugten die Mönche davon, auf einen Anstrich zu verzichten und die im 19. Jahrhundert gewählte Steinsichtigkeit wiederherzustellen, sprich den Marpinger Sandstein nochmal sichtbar zu machen. Diese natürliche Ästhetik verstärkt den Eigen-Charakter der Architektur, die, anders als man das vom vertikal aufstrebenden gotischen Stil erwartet, eher die Waagerechte und das Massive betont.

Frater Wendelinus steht im Altarbereich der Tholeyer Abteikirche. Dort werden die Richter-Fenster angebracht. Foto: Oliver Dietze

St. Mauritius hat bereits viele Renovierungen hinter sich, sieben Phasen sind ablesbar – und werden an der Westseite durch Freilegung verschiedener Farbgebungen verdienstvoller Weise sichtbar gemacht. Im Mittelalter war die Kirche Karmesinrot, später imitierte man mit weißen Fugen Steine. Irgendwann taucht eine grünliche Farbe auf, dann Ocker-Weiß, im Barock bevorzugte man Hellrot-Weiß. Alles Geschmackssache in früheren Epochen, heute eine Authentizitäts-Frage. „Wir haben dem Raum seine Würde wieder gegeben“, resümiert Bruder Wendelinus. Sein Stolz ist mehr als angemessen.