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Festival auf dem Schaumberg: Ein Klassentreffen der Rock’n’Roll-Szene

Festival auf dem Schaumberg : Ein Klassentreffen der Rock’n’Roll-Szene

Leckere Eiscreme, fetzige Musik und alte Autos – beim Festival auf dem Schaumberg reisten die Besucher in die 1950/60er-Jahre zurück.

Rock’n’Roll ist King — und das fast Rock around the clock. Veranstaltet von der Gemeinde Tholey und der Charlotte Eismanufaktur, wurde am Wochenende das erste zweitägige Eiscreme- und Rock’n’Roll-Festival auf dem Schaumbergplateau gefeiert. Wer in den 1950er-Jahren deutsche Schlagermusik hörte, der hatte in einer Halbstarken-Clique nichts verloren, denn Halbstarke begeisterten sich für alles, was aus Amerika kam: Und das war vor allem der Rock’n’Roll. „Einfach rebellisch sein, es ist ein eigenes Lebensgefühl“, beschreibt Christophe Guldner, der Sänger der Band The Alligators aus dem Raum Saarlouis. So wie er im Rockabilly-Stil, mit weiten und an Trägern aufgehängten Hosen und gut gegelten Tollen, begleitet von Damen im Petticoat, tauchten viele Anhänger aus der Rock’n’Roll-Szene zum Klassentreffen der 1950/60er-Jahre auf. „Rock’n’Roll ist für mich die Liebe zur Musik, zum Tanzen und zum Detail“, sagt er.

Wer in Zivil kam, konnte sich im Modezelt Tipps holen, vor Ort selbst retromäßig einkleiden, ja sogar frisieren lassen. „Frisuren wie die Elvis-Tolle und die weibliche Pompadour-Frisur sind wieder total im Kommen“, berichtet Jennifer Roth vom Studio R one in Theley. Für die Pin-up-Frisur von Vorgestern müsse die Dame schon mal 90 Minuten an Zeit aufbringen, danach sei die Frisur absolut tanzfest. Stimmt. Ein Tänzer griff seine Partnerin an den Hüften und drehte sie von links nach rechts, sodass ihr rot-gepunkteter Petticoat hin- und herwirbelte. Ihre Haare hingegen blieben von den rasanten Bewegungen unberührt, als The Alligators mit Sänger Christophe Guldner im Verlauf ihrer Show Hit auf Hit wie aus einer bestens sortierten Wurlitzer-Musikbox präsentierten.

Auf der hölzernen Tanzfläche vor der Bühne war ständig Betrieb. Zuvor zeigten die Cadillac Kings aus Saarlouis und Akteure der St. Wendeler Tanzschule Erbelding Elemente aus verschiedenen Tänzen. Ein leckeres Eis zur Erfrischung kam dann in der Tanzpause gerade recht. Daneben gab es Cocktails und die Verpflegung aus mehreren Straßenküchen. Den Schlusspunkt am gut besuchten Samstag setzte die Band The Gambles.

Da ging Oldtimer-Liebhabern das Herz auf: Vor dem Schaumbergturm parkten historische  Modelle von Autos und Motorrädern.   Foto: Melanie Mai
Wer eine Elvis-Tolle oder eine Pompadour-Frisur wollte, konnte sich auf dem Schaumberg von Jennifer Roth die Haare stylen lassen. Foto: Frank Faber
Lebensgefühl Rock’n’Roll: Sabine (von links), Christophe Guldner und Nicole genießen ihr Eis beim Festival auf dem Schaumberg. Foto: Frank Faber

Die vier Jahrzehnte alte Empfehlung des deutschen Gesangsduos Hoffmann und Hoffmann „Himbeereis zum Frühstück, Rock’n’Roll im Fahrstuhl“ konnten am Sonntag die Besucher des Schaumbergturmes während der Aufwärtsfahrt mit dem Lift gleichermaßen genießen und akustisch wahrnehmen. Am Mittag flanierten Models bei der Rockabilly-Modenschau des Saarbrücker Ateliers Belle Couture über den Laufsteg. „Alle Modelle unserer Kollektion werden in Handarbeit nach persönlichen Maßen gefertigt“, erklärt Modedesignerin und Atelier-Inhaberin Bethina Lellig. Der Petticoat sei ein Evergreen in der Mode, einfach zeitlos, er unterstreiche jede Figur. „Der bauschige Unterrock, ein passender oben getragener Bolero und ein Gürtel gehören zur Grundausstattung“, erklärt die Modedesignerin Lellig. Im Workshop „Swing tanzen lernen“ vermittelte die Tanzschule Euschen-Gebhardt aus Saarbrücken einen Einblick über den Tanz, der zum Rock’n’Roll passt. Die Rolle rückwärts in die 1950/60er-Jahre auf dem Schaumberg endete mit dem Auftritt der Formation Shakin Cats aus Karlsruhe, dazu tanzten die Völklinger „Boogies“.