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Ehepaar aus Theley baut eine bespielbare Holzlokomotive nach

Ein Corona-Bauprojekt : Der Bahnhof im Theleyer Enzianweg

Während des coronabedingten Lockdowns kam Georg Kunrath auf die Idee zu dem Bauprojekt. Die Lok ist nicht nur zum Bestaunen gedacht, sie soll von Kindern bespielt werden.

Wer in diesen Tagen durch den Enzianweg in Theley spaziert, wird nicht schlecht staunen. In einer Einfahrt scheinen Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer, ihre Dampflok Emma geparkt zu haben. Eine prächtige, massiv gebaute Holzlokomotive parkt vor der Garage von Familie Kunrath. Quasi ein Corona-Projekt. Denn Georg Kunrath hat den Ausnahmezustand genutzt, um aus heimischen Hölzern die schmucke Lok zu bauen.

„Ich erinnere mich sehr gerne an meine Kindheit, in der noch ein paar Jahre Dampflokomotiven ab dem Tholeyer Bahnhof gefahren sind“, blickt Kunrath zurück. Er weiß noch genau, wie er und seine Schwester Mariette mit dem Tholer Opa Peter mit der Bahn in den Neunkircher Zoo gefahren sind. „Mit Schichteschmiere und Limo vom Sano-Schneider in der Schafftasch“, berichtet Kunrath. In Neunkirchen seien sie dann in die Straßenbahn umgestiegen, bis zur Haltestelle Scheib. Von dort ging es weiter zum Zoo. „Später sind wir noch ein paar Jahre mit dem roten Schienenbus bis Oberthal ins Schwimmbad gefahren. Das war eine schöne und ruhige Zeit, bei weitem nicht so hektisch und schnelllebig wie heute“, erinnert sich Georg Kunrath an seine Kindheit.

Vor acht Jahren hatten ihn diese Erinnerungen bereits motiviert, für Enkel Lenny eine Spielplatzlok zu bauen: „Die handwerkliche Herausforderung hatte mich gereizt. Lennys Lok ist das Vorgängermodell meines neuesten Bauprojektes.“ In der frühen Phase der Corona-Pandemie juckte es Georg Kunrath wieder in den Fingern: „Ich dachte mir, bleib am besten zuhause und bau was Schönes. Ich wollte in dieser Zeit etwas Sinnvolles machen und so entstand die Idee zum Bau einer weiteren Holzlok.“

Mit tatkräftiger Unterstützung von Ehefrau Renate hat Georg Kunrath die Lokomotive in einer Bauzeit von drei Wochen aus vorbereitetem Holz vom Schaumberg gefertigt. Entstanden ist eine monumentale Spielzeug-Lokomotive. Mit knapp zwei Metern Höhe, einer Länge von 3,20 Metern und einer Breite von 1,50 Metern kann die Lok von allen Seiten nach Herzenslust bespielt werden. Mit einem Gewicht von 540 kg steht das Gefährt stabil und sicher am Boden.

„Unsere Nachbarn haben uns geholfen, die Lok mit drei fahrbaren Wagenhebern in die Einfahrt zu schieben“, erinnert sich Georg Kunrath. Denn gebaut wurde in der Garage. Erfahrungen im monumentalen Bau von Holzobjekten hat Kunrath schon reichlich gesammelt. Denn auch seinen großen Marktwagen, vor dem sich bei zahlreichen Veranstaltungen rund um den Schaumberg immer lange Schlangen bilden, hat der gelernte Werkzeugmacher-Meister selbst gebaut und höchst funktionell konzipiert. Hier verkauft er bei Festen wie Bergweihnacht oder Mühlenfest seine Schaumbergstriezel. „Das Holz für die Lokomotive stammt aus einem früheren Brennholz-Los von unserem Förster nahe der Tholeyer Wassertretanlage“, erklärt der Baumeister. Die Holzart Robinie, auch als Akazie bekannt, sei aufgrund ihrer besonders harten und witterungsbeständigen Eigenschaft ideal für ein solches Bauprojekt.

„Vor Jahren habe ich mir eine Vorrichtung für die Kettensäge gebaut. Mit dieser habe ich die Stämme zu Brettern gesägt“, verrät Kunrath. Und diese hat er nun in der Coronazeit zu einer stattlichen Lokomotive verbaut, die mit dem typisch goldbraun-mattseidigen Farbschimmer eine wahre Augenweide ist. Alles, was kleine Lokomotivführer erwarten, ist vorhanden. „Ich habe diese Lok speziell für den Spielplatzgebrauch gebaut. Mir war es wichtig, dass sie von allen Seiten komplett bespielbar ist“, beschreibt Kunrath sein Konzept.

Mittelpunkt der auf acht kleinen hölzernen Rädern stehenden Lok ist das Führerhaus mit einer kleinen seitlich angelegten Sitzbank und blauem Lenkrad. Von hier aus kann auch über eine Seilvorrichtung die  Bronzeglocke betätigt werden, die neben dem Schornstein auf der großen Trommel des Dampfkessels angebracht ist. Auch die für Bahngefährte typischen Puffer hat Georg Kunrath detailgetreu aus Holz gearbeitet. Wohl durchdacht ist die Gestaltung des großen Dampfkessels. Dieser öffnet sich im Führerhaus über eine unter dem Lenkrad eingebaute Schiebetür. So können die Kinder einmal quer durch die Lokomotive klettern. „Wir haben darauf Wert gelegt, dass es keine Ecken und Kanten gibt, damit keine Verletzungsgefahr besteht“, erklärt Renate Kunrath und deutet auf die abgerundeten Kanten der Hölzer.

So wie die Lok nun im Enzianweg dasteht, könnte der Betrachter meinen, jeden Moment schaue Lukas der Lokomotivführer aus dem kleinen Fenster des Führerhauses und winke ihm zu. Georg Kunrath würde es gefallen, wenn seine Lokomotive in Tholey bliebe und zum Beispiel auf einem Spielplatz eines Kindergartens oder gar auf dem Schaumberg selbst einen dauerhaften Standort fände: „Die Lokomotive ist durch und durch ein regionales Produkt. Aus heimischen Hölzern vom Schaumberg gebaut, könnte sie wie ein kleines Wahrzeichen an vergangene Zeiten erinnern, als vom Tholeyer Bahnhof aus noch eine dampflokbetriebene Eisenbahn fuhr.“ Mit zwei massiven Bodenankern hat er auch an eine sichere Montage im öffentlichen Raum gedacht. Nun ist Kunrath verhandlungsbereit und gewillt seine hölzerne „Emma“ zu einem günstigen Preis abzugeben. Hauptsache sie bleibt in der Gemeinde.

Georg Kunraths Holz-Lokomotive kann von allen Seiten nach Herzenslust bespielt werden. Foto: Marion Schmidt

Kontakt für Interessenten: Georg Kunrath, Tel. (01 76) 34 54 85 35 oder georgkunrath@gmail.com