Dorfleben in Zeiten des Krieges

Dorfleben in Zeiten des Krieges

Vor 100 Jahren brach der Erste Weltkrieg aus. Der Historische Verein Hasborn-Dautweiler veröffentliche zu diesem Anlass eine Broschüre, die das Leben im Dorf vor und während des Krieges beschreibt.

"Viele Einzelfakten fügen sich zur Ursache des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges zusammen", sagte Bernhard W. Planz. Die Auffassung der Historiker über die Schuld Deutschlands habe sich gewandelt. Planz gab keine konkrete Antwort auf die Schuldfrage, aber anhand des komplexen Bündnissystems, und der strategischen Lage Deutschlands, zeigte er Gründe für die fatale Entwicklung auf, die dem Kriegsausbruch vorangegangen waren.

Doch wie erlebten die Menschen vor Ort den Krieg? Der Historische Verein Hasborn-Dautweiler trug Aufzeichnungen und Dokumente aus der Zeit vor und während des Ersten Weltkrieges zusammen. Die Schulchronik des damaligen Hauptlehrers Mathias Warken (1854-1921) und das Kriegstagebuch Johann Scholls (1882-1956) waren die wichtigsten Quellen. Auszüge der in einer Sonderausgabe gebündelten Informationen las Herbert Jäckel, Vorsitzender des Historischen Vereins, im historischen Rathaus von Hasborn vor.

Aus Mathias Warkens Schulchronik geht hervor, dass Hasborn und Dautweiler in den 25 Jahren vor Beginn des Ersten Weltkriegs eine rasante Entwicklung hingelegt haben: 59 neue Häuser, eine Zentralwasserleitung und sechs neue Brücken. Es gab für beide Ortsteile einen Telefonanschluss - in dieser Zeit etwas völlig Neues. Die meisten Männer arbeiteten 1913 im Bergbau. Obwohl der Wohlstand stieg berichtete Warken: "[Es] herrschten trotz der goldenen Zeiten überall Unzufriedenheit und Klagen. Oft hörte ich von alten Leuten sagen: Die Jugend weiß heute nicht, wie die armen Leute früher gelebt haben."

Doch die goldene Zeit war bald vorbei, am 1. August 1914 erklärte Deutschland Russland den Krieg. Am Vorabend wurden die ersten Reservisten einberufen. Auf den Schlachtfeldern ließen 54 Männer aus Hasborn und Dautweiler ihr Leben. Die 56-seitige Broschüre war nach der ersten Lesung bereits vergriffen. Neue Ausgaben sind nun wieder für fünf Euro bei Anne Lermen erhältlich. Info: Anne Lermen, Telefon (0 68 53) 67 72.

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