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Die Gemeinde Tholey organisiert einen Kurs für Kunst-Erkunder

Reise durch die Kunstgeschichte : Die Kunst-Erkunder vom Schaumberg

Interessierte begeben sich in Tholey regelmäßig mit Elaine Neumann auf eine Entdeckungsreise in die Welt von Picasso und Co.

Warum lächelt Mona Lisa? Was wollen uns die Impressionisten mit ihren Bildern sagen? Mit diesen und vielen anderen Fragen rund um bekannte Gemälde setzen sich Kunstinteressierte seit vergangenen November in der Schaumberg-Gemeinde Tholey auseinander. Mit Elaine Neumann begeben sie sich auf eine Entdeckungsreise in die Welt der Kunstgeschichte. Seit dem Auftakt mit sieben Teilnehmern bringt die Generationenbeauftragte jeden dritten Donnerstag im Monat die großen Meister der Malerei ins Generationenbüro in der Tholeyer Grundschule. Das Motto der von ihr ins Leben gerufenen Veranstaltung lautet „Kunsterkunder: Entdeckungstouren durch die Kunstwelt“.

Das neue Kursangebot basiert auf einem Buch mit dem Titel „Museum zum Mitnehmen“. „Dahinter steckt die Idee, älteren Menschen ohne Führerschein die kulturelle Teilhabe zu ermöglichen“, erklärt Elaine Neumann das neue Format. Vor allem viele Senioren seien vom Kunstbetrieb abgeschnitten. Wenn diese Zielgruppe also nicht ins Museum kommt, kommen die Kunstwerke nun zu den Menschen vor Ort. „Bei unserem ersten Treffen haben die Teilnehmer auch gleich Wunschthemen artikuliert, die ich dann in den folgenden Terminen in mein Programm einbinde.“

Für den Auftakt hatte sich Elaine Neumann ein Werk der Renaissance vorgenommen und machte dann auf Wunsch der Teilnehmer am zweiten Termin einen großen Sprung in die Zeit der Impressionisten. Das Kursformat soll keine akademische Runde von Experten sein, sondern ein lockerer Austausch. Die Teilnehmer sollen sich in gemütlicher Atmosphäre der Kunst annähern. Jeder kann unvoreingenommen und ohne Vorkenntnisse seinen Gedanken freien Lauf lassen und ungezwungen äußern, was er auf den Gemälden sieht.

Elaine Neumann selbst sieht jede Menge in den Bildern und weiß auch viel zu erzählen: „Ich habe mich schon immer für Kunst interessiert und finde es spannend, was die Bilder für Geschichten transportieren.“ Sie möchte nicht nur mit Senioren sondern auch mit Kindern ihre Leidenschaft für die Kunst teilen. Ihr Konzept ist familienfreundlich und spricht alle Generationen an.

Das erlebt beim zweiten Termin Waltraud Hahn aus Tholey. Sie ist mit ihren Enkelkindern Melanie und Tino gekommen, um mehr über die impressionistischen Künstler zu erfahren. Für jede Sitzung überlegt sich Elaine Neumann einen anderen Einstieg und Zugang zu den Werken. Dabei nutzt sie verschiedene Medien.

Bücher, Broschüren und Kopien liegen bereit und auch ein Notebook, um während des Kurses gemeinsam mit den Teilnehmern zu recherchieren. Gerne spielt sie auch für die Epochen typische Musik ein. Über einen Projektor projiziert sie ein ausgewähltes Gemälde an die Wand und liefert in ihrer lebhaften Art Hintergrundinformationen zu Epoche, Künstler und zur Entstehungsgeschichte des Bildes. Für das impressionistische Thema hat sie vor der Leinwand eine große Agave platziert: „So kann ich gut veranschaulichen, wie die Impressionisten mit Licht gearbeitet haben.“

Zum Einstieg hat Elaine das Gemälde „Le déjeuner“ von Claude Monet gewählt, ein Werk aus der frühen Phase des Impressionismus. Melanie und Tino springt auf dem Bild eine Dame ins Auge, die Handschuhe trägt. „Früher haben die Damen Handschuhe getragen, wenn sie ausgingen“, erklärt sie den Kindern. „Wenn ich früher zum Tanzen ging, habe ich auch immer Handschuhe getragen“, erzählt Waltraud Hahn ihren Enkeln.

Als nächstes erscheint ein Gemälde von Paul Signac, das für den im späten Impressionismus typischen Pünktchenstil, bekannt als Pointilismus, steht. Elaine regt Melanie und Tino an, sich das Bild einmal aus nächster Nähe zu betrachten. „Von weiter weg sieht das Bild ganz normal aus. Wenn ich davor stehe, sieht es ulkig aus“, meint der siebenjährige Tino. „Das sieht wie ein verpixeltes Bild aus“, ergänzt seine elfjährige Schwester Melanie. Elaine Neumann erklärt den Geschwistern und ihrer Großmutter den Unterschied der beiden Stilrichtungen Impressionismus und Pointilismus und weiß auch einiges über die Techniken und die Farblehre zu erzählen. Dann darf jeder selbst zum Künstler werden.

Auf dem großen Tisch liegen Malblätter, Acrylfarben und Pinsel bereit, und jeder soll nach impressionistischer Art ein Bild malen. Die Kinder malen direkt drauf los, während ihre Großmutter noch zögert. „Ich habe eine Schwester in Amerika, die gut malen kann. Sie sagt immer zu mir, mal doch einfach drauf los, was Dir in den Sinn kommt“, verrät Waltraud Hahn. „In der Schule hatte ich mal von meiner Schwester ein Bild geklaut und es meinem Lehrer vorgelegt. Der merkte aber schnell, dass es von meiner Schwester war“, erinnert sie sich. Mit ihren eigenen Kindern habe sie früher oft die Stuttgarter Gemäldegalerie besucht. Waltraud Hahn hat an diesem Tag viel Spaß dabei, gemeinsam mit ihren Enkelkindern einen kreativen Ausflug in die Welt der Kunstgeschichte zu unternehmen.