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Der Ausdauersportler Sammy Schu aus Tholey schrubbt Rennrad-Kilometer

Wer rastet, rostet : Wenn der Dauerläufer aufs Rad umsteigt

Er gehört zu den besten saarländischen Läufern: Sammy Schu aus Tholey. Kaum ein Wochenende, an dem er nicht irgendwo am Start ist. Normalerweise. Doch Corona bremst auch ihn – allerdings nicht ganz. Zur Not geht’s aufs Rad oder den Berg hinauf.

So wenige Titel, Podestplätze und Medaillen wie selten zuvor: Die Corona-Pandemie hat im vergangenen Jahr auch den ambitionierten Ausdauerläufer Sammy Schu aus Tholey weitgehend ausgebremst. Eine Meisterschaft holte der 27-Jährige dennoch für seinen Verein, die Lauftreff-Freunde (LTF) Marpingen: Im Oktober gewann Schu den Saarlandmeistertitel im Zehn-Kilometer-Straßenlauf.

Doch insgesamt hat Schu 2020 nach Vereinsangaben nur 258 Wettkampfkilometer für die LTF zurücklegen können. „Es waren gerade sechs Wettkämpfe, sonst waren es immer mehr als 25 während der Laufsaison – mit teilweise mehreren Starts an einem Wochenende“, erklärt der Vielstarter.

Im Februar tritt er noch beim Crosslauf in Perl an, ehe Covid-19 weitere Startschüsse von Laufveranstaltungen verhindert. „Der Halbmarathon in Saarbrücken und der Marathonlauf in St. Wendel waren die ersten Läufe, die abgesagt werden mussten“, blickt Schu zurück. Es folgen viele weitere.

Doch der Lockdown im Frühjahr trifft die Individualsportler weniger hart als die Mannschaftssportarten. „Ich bin mehr Fahrrad gefahren als in anderen Jahren und einfach flexibler gewesen“, hat er Alternativen gefunden. Auch was die Arbeit angeht. In seinem Job als Projektmanager für Unternehmensberatung hat er von Tholey aus im Homeoffice arbeiten können. „Da konnte ich die Zeit nach Feierabend nutzen – und im April hatten wir ja nur schönes Wetter“, erinnert sich Schu.

Die aufkommenden virtuellen Läufe sind für ihn allerdings in dieser Zeit kein Ersatz. Gemeinsam mit Kumpel Hendrick Zeiger unternimmt Schu dann lieber im Fahrradsattel eine „Grenzkontrollfahrt“ rund um das Saarland herum. „Wir hatten kaum Autoverkehr.“ Dabei hat das Duo gar einen Grenzübergang zwischen Deutschland und Frankreich entdeckt, der nicht abgeriegelt gewesen sei.

Zudem unterstützte Schu mit eingereichten Kilometern die Benefiz-Radveranstaltung „Die lange Nacht, egal wo“ der Mountainbiker von der Grünen Hölle Freisen. Höhepunkt des Jahres sei dann die Teilnahme beim 33. Dolomitenmann-Teamwettbewerb im österreichischen Lienz im September gewesen. Der Wettkampf besteht aus den Disziplinen Berglauf, Paragleiten, Mountainbikefahren und der Fahrt mit dem Wildwasserkanu. Unter 100 Teams wurde Schu mit seinen drei Kollegen „beim härtesten Teamwettbewerb der Welt“ (Eigenwerbung des Veranstalters) respektabler 20. „Zudem war es schön mit einem Kurzurlaub zu verbinden“, sagt er.

Da im Spätsommer im Saarland nichts ging, hatten sich Schu und Zeiger, um wieder Wettkampfluft einzuatmen, zu Veranstaltungen in Rheinland-Pfalz angemeldet. Mit Platz vier schrammte das Duo beim Kusel-Duathlon nur knapp am Podest vorbei. Auf Platz zwei beendete der für den Schützenverein Hubertus Hofeld startende Schu, deutscher Meister 2018 in der Herrenklasse I, den Sommer-Biathlon in Steinwenden. Im Laufschritt erkundet er zudem mit Vereinskamerad Markus Wagner die Premiumwanderwege in der Region. „Wir haben doch alles vor der Haustür – und da trifft man den einen oder anderen, den man sonst bei einem Wettkampf sieht“, erzählt der Ausdauersportler.

Zumindest bis Ostern sieht Schu in diesem Jahr noch keine Chance für Laufveranstaltungen. „Wie soll das beispielsweise bei einem Lauf mit 200 Teilnehmern gehen, wenn alle hinterher duschen wollen?“, fragt sich Schu. Zudem stünden viele gesundheitliche Bedenken im Raum. „Bei einer Laufveranstaltung sollen doch alle Altersklassen vertreten sein. Da gibt es doch viele ältere Läufer, die eigentlich zur Risikogruppe zählen.“

Kommt Zeit, kommt Rad: Da während der Corona-Pandemie die Läufe fehlten, trat Sammy Schu wieder verstärkt in die Pedalen und umrundete dabei auch das Saarland. Foto: Thomas Wieck Foto: Wieck/Thomas Wieck

Bei Läufen, bei denen die Teilnehmer zeitversetzt auf die Strecke gehen, würde erstens der Reiz des Laufs verloren gehen, zudem dauere eine Veranstaltung über mehrere Distanzen und mit vielen Teilnehmern unendlich lang. „Es ist absehbar, dass wir noch eine lange Zeit mit dem Problem leben müssen – und das betrifft Läufer und Veranstalter gemeinsam“, meint Schu. Er gehe daher abwartend, aber dennoch optimistisch in das neue Jahr und werde sich weiter fit halten, bis irgendwo in der Region der erste Startschuss fällt.