Das Saarland als Vorbild

In der französischen Hauptstadt soll zum ersten Mal eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge öffnen. Um sich darüber zu informieren, wie eine solche Einrichtung erfolgreich läuft, besuchte gestern eine Delegation aus Paris die saarländischen Standorte in Lebach und Tholey.

Dominique Versini, stellvertretende Bürgermeisterin von Paris, steht in einem Zimmer mit Etagenbetten in der Minderjährigenunterkunft Schaumberger Hof und schaut durch das Fenster. "Was gucken Sie?", fragt Staatssekretär Stephan Kolling. "Die Schafe, in Paris sieht man keine", so die Antwort, und es geht gleich weiter. Die Delegation aus der französischen Hauptstadt absolvierte gestern einen durchgetakteten Tag im Saarland.

Ziel des Besuchs: sich von unserem Bundesland inspirieren lassen, was die Erstaufnahmestellen von Flüchtlingen angeht. Der Kontakt zum Saarland hatte sich durch die Zusammenarbeit von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) und dem französischen Außenminister Jean-Marc Ayrault (PS) in der Frage der Integration von Flüchtlingen ergeben. "Es ist durchaus bekannt, dass wir im Saarland in den vergangenen Monaten die Situation sehr gut gestemmt haben. Als Paris auch Probleme mit Flüchtlingen meldete und sich in Deutschland umschauen wollte, war klar, eine der ersten Adressen ist hier das Saarland", sagte Kramp-Karrenbauer beim Empfang der französischen Delegation am Vormittag in der Staatskanzlei.

Von dort aus ging es für Dominique Versini nach Lebach. Die französische Hauptstadt will in den nächsten Monaten selbst eine solche Erstaufnahmestelle errichten. Da ging es um ganz einfache, konkrete Fragen: Wie lange bleiben die Flüchtlinge im Durchschnitt? Welche Räumlichkeiten gibt es? Wieviel Personal braucht man, damit eine solche Einrichtung gut läuft?

Danach ging es zum Schaumberger Hof, wo unbegleitete minderjährige Ausländer bei ihrer Ankunft im Saarland untergebracht werden. Besonders beeindruckt zeigte sich Versini davon, dass dort ein Arzt rund um die Uhr für die Kinder und Jugendlichen zur Verfügung steht. Eine ähnliche effiziente Zusammenarbeit mit den Justizbehörden wie im Saarland wünscht sich die Pariserin auch. "Wenn ich höre, dass die richterliche Entscheidung über die weitere Unterbringung im Saarland innerhalb eines Monats fällt… davon können wir nur träumen", sagte Versini. "Wir haben zwar in Paris auch Aufnahmestellen für minderjährige Flüchtlinge . Doch leider werden diese Unterkünfte, die als Übergangslösung gedacht sind, viel zu oft zur Dauerlösung", sagte Versini.

Europaminister Stephan Toscani und Sozial-Staatssekretär Stephan Kolling (beide CDU ), die Versini bei ihrer Stippvisite begleiteten, freuten sich über den Besuch. "Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie eng das Saarland mit Frankreich zusammenarbeitet. Wir können und sollten voneinander lernen", sagte Toscani. Tatsächlich unterscheidet sich aber die Situation zwischen beiden Partnern. Während die meisten Flüchtlinge im Saarland Syrer sind, kommen nach Frankreich vor allem Nord- und Zentralafrikaner. "Dennoch ist es für uns sehr nützlich, uns die Gegebenheiten hier anzuschauen. Zum Beispiel, wie hier in Tholey die verschiedenen Rückzugsräume gestaltet sind, damit keine Spannungen zwischen verschiedenen Flüchtlingsgruppen aufkommen", gab Versini ein Beispiel. "Ich finde es toll, dass so viele Flüchtlinge hier im Saarland aufgenommen werden, und trotz ihrer hohen Anzahl werden sie unter guten Bedingungen empfangen."

Nach einer Besichtigung der Wohnräume hatte Versini noch Zeit, einen Blick in die Sporthalle zu werfen. "Es gibt auch ein Schwimmbad und einen Bolzplatz. Sport spielt eine sehr wichtige Rolle in der Therapie von traumatisierten unbegleiteten Minderjährigen", erklärte Kolling. Danach musste Versini schon wieder Richtung Saarbrücken fahren, um den Zug nach Paris nicht zu verpassen. Doch den Austausch wollen beide Seiten auch in der Zukunft weiterführen.