Bruder Wendelinus legt die feierliche Profess in Tholey ab

Freierliche Profess im Klostergarten Tholey : Der Eifer für Gottes Haus ließ ihn Mönch werden

Bruder Wendelinus legt an Maria Himmelfahrt die feierliche Profess im Tholeyer Klostergarten ab. Somit entscheidet er sich dauerhaft für das Leben als Benediktiner.

Die Probezeit ist zu Ende, jetzt gilt es, das Bündnis für die Ewigkeit zu schließen. Noch einmal Ja zu sagen zu dem Leben als Benediktiner. Frater Wendelinus Naumann möchte am Donnerstag, 15. August, seine ewige Profess ablegen. Das Gelübde ist eingebunden in einen feierlichen Gottesdienst. Wegen der Bauarbeiten an und in der Abteikirche wird dieser in einem Zelt im Klostergarten zelebriert. Für den Mönch geht das in Ordnung, war er doch selbst von Anfang an in die umfangreiche Sanierung der Tholeyer Benediktinerabtei St. Mauritius eingebunden. Anfangs noch als Johannes Naumann, Vorsitzender des Fördervereines der Benediktinerabtei, später als Bruder Wendelinus. Kein Wunder also, dass der Spruch, den sich Mönche anlässlich der feierlichen Profess aussuchen dürfen, in seinem Fall etwas mit diesen prägenden Veränderungen zu tun hat. „Der Eifer für dein Haus wird mich verzehren“ (Joh 2,17) hat sich der studierte Historiker als Bibelvers ausgesucht. Während des Priesterstudiums habe er sich zuletzt mit dem Johannes-Evangelium beschäftigt. Als er diesen Satz gelesen habe, wusste er: Das passt. „Die erwählte Bibelstelle soll einen persönlichen Bezug haben“, erläutert der Mönch. Ihm gefällt auch die Zukunftsform. Denn zum einen habe er viel mit der Sanierung des Klosters zu tun gehabt, zum anderen werde die Sorge um das Haus und dessen Entwicklung nie enden.

Eigentlich hätte Frater Wendelinus sein Gelübde schon am 11. Juli, genau drei Jahre nach der zeitlichen Profess, ablegen können. „Doch der Termin fiel in die Hauptprüfungsphase, daher wurde ein Ausweichtermin gesucht“, erläutert der Benediktiner. Der 15. August habe sich als Feiertag angeboten. „Außerdem fand ich es schön, die feierliche Profess unter den Schutz Mariens zu stellen.“ Zumal er auch ein Praktikum in Marpingen, wo es eine Marienverehrungsstätte gibt,  absolviert habe. Auch das passt.

Während sich Frater Wendelinus dieser Tage auf die ewige Profess vorbereitete, musste er auch an sein zeitliches Gelübde im Juli 2016 zurückdenken. Damals war Bruder Ambrosius-Maria an seiner Seite. „Wir hatten uns entschieden, zusammen die zeitliche Profess abzulegen. Auch die weiteren Schritte wollten wir zusammen gehen.“ Doch dann ist Bruder Ambrosius-Maria überraschend am 31. August 2016 verstorben. „Wir haben uns sehr gut verstanden. Es gab eine Seelenverwandtschaft. Das macht es so schwer“, gesteht Wendelinus. Der Tod des Weggefährten sei eine Prüfung und eine Bestätigung zugleich gewesen. Regelmäßig besuche er sein Grab. Während Wendelinus’ zeitlicher Verpflichtung dem Orden gegenüber traf ihn ein zweiter Schicksalsschlag. Im November 2017 starb sein Vater. „Ich hatte ihn während der Krankheit begleitet.“ Beide Verluste hätten nie zu Glaubenszweifeln geführt. Ihn vielmehr darin bestärkt, immer alles gleich zu erledigen und nichts aufzuschieben.

Schon viele Jahre vor Bruder Wendelinus’ Eintritt in den Orden war er nah dran an der Gemeinschaft der Mönche. Doch tatsächlich im Konvent zu leben, sei etwas ganz anderes, gesteht er. „Man hat eine Vorstellung, wie es werden wird. Aber, was man denkt, ordnet sich schnell nach hinten, wenn der liebe Gott etwas anderes mit einem vorhat.“ Es war in den Jahren des Umbruchs 2008/2009, als die Zukunft der Tholeyer Abtei ungewiss war, strukturelle Veränderungen anstanden, als sich Bruder Wendelinus die Frage stellte, ob er selbst ein Benediktiner werden sollte. Irgendwann, als das Kloster gerettet war, fand er die Antwort. Sie lautete Ja. 2015 trat er dem Orden bei.

Im zweiten Schritt startete er ein Jahr später das Priesterstudium. „Das war zunächst nicht geplant“, verrät Wendelinus. Und das, obwohl er schon als Jugendlicher die Idee gehabt habe, Priester zu werden. Da er aber andere für geeigneter hielt, verwarf er den Gedanken. Viele Jahre später schien das Studium plötzlich als konsequenter weiterer Schritt. Die Liebe zur Geschichte, die Wendelinus ebenfalls schon seit früher Jugend begleitete, führte zu dem Beruf als Historiker in seinem früheren Leben. Nun besann er sich zurück auf einen anderen frühen Wunsch und wird Priester.

Wenn ihn Menschen um Rat fragen, ob sie für ein geistliches Leben geeignet seien, so nennt Bruder Wendelinus als eine wichtige Grundvoraussetzung: „offen sein“. Bei dem Programm „Kloster auf Zeit“ haben Interessierte die Gelegenheit, Zeit im Konvent zu verbringen und dies auf sich wirken zu lassen. Es gebe verschiedene Gemeinschaften und jeder müsse die richtige für sich finden. „Jeder sollte sich bewusst sein, dass er sich auf ein Abenteuer einlässt“, sagt Wendelinus.

Dieses Abenteuer lebt der Historiker jetzt. Es ist ein Leben zwischen der Gemeinschaft tagsüber und dem Alleinsein am Abend. Die Mönche besuchten sich nicht gegenseitig in ihren Unterkünften. Dieser Raum bleibe einem selbst vorbehalten. „Ich lese und meditiere viel“, sagt Frater Wendelinus. „Es gibt einen Spruch, wonach Wände und Decken in der eigenen Zelle zu den großen Lehrmeistern würden.“

In der Stille hat sich Bruder Wendelinus auch auf seine ewige Profess vorbereitet. Er freut sich darauf, das ist ihm deutlich anzuhören. Zwei Lieder („Selig, wem Christus auf dem Weg begegnet“ und zum Abschluss ein Marienlied) habe er sich für den feierlichen Gottesdienst aussuchen dürfen. Alles ist vorbereitet: Auf dass Gott ihn „in die Ewigkeit aufnimmt.“

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