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Bezaubernde eisige Stallweihnacht

Bezaubernde eisige Stallweihnacht

Theley. Dick eingemummt und in Decken gehüllten blickten die durchgefrorenen Zuschauer im Eisschrank Maschinenhalle vor Beginn des Laienspiels in die Richtung des Bühnenbildes. Der Strich auf der Quecksilbersäüle stand bei minus 15 Grad

Theley. Dick eingemummt und in Decken gehüllten blickten die durchgefrorenen Zuschauer im Eisschrank Maschinenhalle vor Beginn des Laienspiels in die Richtung des Bühnenbildes. Der Strich auf der Quecksilbersäüle stand bei minus 15 Grad. "Wir bemühen uns jedes Jahr das Wetter drumherum so kalt wie möglich zu machen - wie in der Nacht vor 2000 Jahren", scherzte Bürgermeister Hermann Josef Schmidt dazu. Hinter den Kulissen war bis kurz vor der samstäglichen Aufführung noch fieberhaft gearbeitet worden. Die arktischen Temperaturen hatten das im ungeheizten Stall gelagerte technische Equipment vorübergehend lahm gelegt. "Die Elektronik ist uns eingefroren. Eine Firma hat das wieder hingekriegt", berichtete Arno Jos Graf, der im Bühnenstück als Regisseur, Darsteller und Erzähler in Personalunion fungierte. Während der Vorstellung froren dem Musikverein Sotzweiler-Bergweiler teilweise die Ventile an ihren Blasinstrumenten zu. "So kalt war es bislang hier drin noch nicht. Wir hatten es diesmal schon mit extremen Bedingungen zu tun", so Graf. Das weihnachtliche Krippenspiel litt darunter in keinster Weise, sondern bot wie gewohnt ein einmaliges telegenes Schauspiel mit gleichzeitigem Hörgenuss. "In diesem Jahr wurde auf ein Vorspiel verzichtet. Das war wesentlich besser.", meinte Heidi Lermen aus Theley. Einfühlsam strichen die Cellistinnen Susanne Richter und Theresia Rosendörfer einleitend über die Saiten ihrer Instrumente, abgelöst von Grafs prägnanter Stimme, der als Erzähler durch das Krippenspiel führte. In einer neu eingebauten Szene wies er als unbarmherziger Schankwirt den Unterschlupf suchenden Zimmermann Josef aus Nazareth und seine hochschwangere Frau Maria rabiat ab. "Solche Leute haben doch kein Geld", brüstete er sich dafür noch vor seinen Gästen. Lebendige TiereDen Hirten und ihren Tieren war es so vorbehalten, den Herren der Welt, den Maria als Gnade Gottes in eine mit Heu und Stroh gepolsterte Krippe geboren hatte, zuerst zu begrüßen. "Zusammen mit den lebendigen Tiere ist das unheimlich schön", freute sich die siebenjährige Antonia Scharding aus St. Wendel. Die Aufführung versteht sich eigentlich als bäuerlich-ländliches Theater, wagte zwischendrin aber den Sprung in anspruchsvolle klassische Sphären. Himmlisch intonierte die Sopranistin Claudia Weinsberg im weißen Engelsgewand das "Ave Maria" von Bach/Gounod. "Wir haben ein paar Klangfarben zusätzlich eingestreut", erklärte Graf. Insgesamt lief das Ensemble aus Musikern, Sängern und Schauspielern unter seiner Leitung zur Höchstleistung auf. "Man darf nie vergessen das die Leute das aus purer Begeisterung heraus machen", zollte der Regisseur allen Mitwirkenden riesigen Respekt.. "Wir wollen jedes Jahr immer etwas innerhalb der Geschichte verändern, ohne dabei den regionalen Bezug zu verlieren", teilte Graf mit. Die modifizierte Version wurde vom Publikum begeisternd angenommen.

Auf einen BlickDie Imsbacher Stallweihnacht wird veranstaltet von der Gemeinde Tholey gemeinsam mit dem Arbeiter Samariter Bund, der Naturlandstiftung Saar und der Ökoflächenmanagement GmbH. Die Mitwirkenden: Sängerchor 1875 Theley, Musikverein Stern Sotzweiler-Bergweiler und das Bläserensemble des Musivereins Stern Sotzweiler-Bergweiler, Theaterverein 1931 Theley, Schauspieler aus dem Bohnental: Edwin Scherer, Roland Hero, Benedikt Groß, Moritz Hess. Cellistinnen: Susanne Schäfer und Theresia Rosendörfer. Sopranistin: Claudia Weinsberg. Regie: Arno Jos Graf. frf