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Auf der Sitzung der Spätzünder Scheuern ging es wieder hoch her

Scheuerner Narren feiern Kappensitzung : Putzfrau Bertha räumt mit Gerüchten auf

Volles Haus, kostümierte Gäste, fröhliche Feierlaune und lustige Bühnenvorträge: Die 38. Kappensitzung der Vereinsgemeinschaft Spätzünder Scheuern bescherte etwa 300 Besuchern einen stimmungsvollen Abend.

150 Akteure gestalteten das Programm. „Als unser Vorverkauf startete, waren die Tickets für den Abend innerhalb von einer Stunde weg“, sagt Dietmar Lauck, Vorsitzender der Vereinsgemeinschaft. Zu den Stammgästen zählt der Karnevalsverein Überroth. Die Vereinsdelegation hatte sich an einer Tafel niedergelassen und gleich die eigene Dekoration in Form von flammenden Kronleuchtern mitgebracht. „Über die Jahre ist zwischen unseren Vereinen eine nette Lokalrivalität entstanden“, verriet Roman Warken, der zu späterer Stunde mit dem Männerballett seinen Auftritt hatte. Wie es sich für Karnevalisten gehört, sollte das Bühnenprogramm pünktlich um 19.11 Uhr starten, was durch eine technische Panne jedoch verzögert wurde. Das närrische Publikum ließ sich nicht davon abhalten, sich schon einmal zu den Klängen des Musikvereins Harmonie Scheuern warmzuschunkeln.

„Lasst uns eintauchen in die Welt der Narretei. Ist nicht die ganze Welt irgendwie ein Zirkuszelt?“, verkündete Sitzungspräsidentin Aline Hornetz dann kurz darauf und gab den Startschuss zur Kappensitzung. Traditionell eröffnete die Aktivengarde die Schau mit einem schwungvollen Tanz, gefolgt von Funkenmariechen Johanna Haupert. Die Schülerin glänzte nicht nur mit ihrer Ausstrahlung, sondern präsentierte einen temperamentvollen Tanz gespickt mit akrobatischen und turnerischen Elementen. Ein Sprung in den Spagat war ihr Schluss-Akkord. Das närrische Volk spendete anerkennenden Applaus.

Und schon ging es weiter mit der Showtanzgruppe Phönix, die eine ausgefeilte Choreografie mit Hebefiguren zeigte. „Mir hann im Amtsblättche versucht, eini neu Putze zu finne“, kündigte die Sitzungspräsidentin den ersten Büttenvortrag an. Wie jedes Jahr mimte Ulli Meiser die Putzfrau Berta, die mit viel Witz und Charme aus dem Nähkästchen zu plaudern wusste. Dabei gab Berta nicht nur Tratsch aus dem Dorfgeschehen, sondern auch aus dem Showbiz und von der Politbühne zum Besten. „Mei Kollegin, das Gretel, die hats von der Putze zur Verteidigungsminischderin gebracht. Was will man mehr?“ Aber auch die Politprominenz aus dem Ort nahm Berta auf die Schippe: „Unsere First-Lady im Ort heißt jetzt Timo, das is dem Gaby sei Mann. Und die First Lady tanzt sogar im Männerballett.“ Aber auch das Ereignis des Jahres 2019 durfte nicht fehlen: „De Didi is im letschen Johr Opa genn, zusammen mim Heiner Lauterbach. Unn bei der Promihochzeit in Scheuern, als dem Didi sei Mäde dem Heiner sei Bub geheirat hat, do hat das Katja Flint sich newwer misch gestellt. Geht doch. Hunde und Kinnerwähnsche gabs zu verleihe, um sich dann in der Schulstroß einzureihen, für e Blick uff de Heiner zu erhasche.“ Seit 27 Jahren geht es für Ulli Meiser als Erstes in die Bütt. „Auch nach so langer Zeit fühle ich mich immer noch pudelwohl in meiner Rolle und auf der Bühne. Ideen für meinen Dorftratsch sammele ich das ganze Jahr über. Mein Motto: Nach der Kappensitzung ist vor der Kappensitzung“, verriet Ulli Meiser nach dem Auftritt.

Nach einem Geburtstagsständchen für den Ortsvorsteher von Dorf im Bohnental, Manfred Buchheit, und dem Showtanz mit den Dancing Beans stieg Marvin Dostert in die Bütt: „Meine Mama sagt, der Besuch in deinem Zimmer ist wie ein Besuch bei Ikea. Ich komme mit Tassen, Gläsern und anderen Dingen raus.“ Mit dem Büttenvortrag „Päckelches Supp“ von Klaus Dieter Herrmann und Clemens Bach als „Der En on der Anner“ wurden vor der Pause die Lachmuskeln der Besucher nochmals auf das Äußerste strapaziert. „Mir sinn de ähn unn de anner unn mir mache Päckelches-Supp unn mir sinn die Suppemacher“, sang das urkomische Duo immer wieder im selben Singsang zwischen den gesalzenen Pointen.

Nach der Pause übernahm Ulli Meiser die Sitzungsführung und konnte auch gleich einen weiteren Knaller der Kappensitzung ankündigen. Denn jetzt war Party angesagt mit den Ritzelberger Schnitzeljägern. Die fünfköpfige Partyband brachte die Scheuerner Narrhalla mit ihrer Stimmungsmusik zum Beben. Waren bei den Büttenvorträgen die Lachmuskeln gefordert, blieb jetzt kein Muskel in Armen und Beinen mehr ruhig. Ausgelassen tanzte das närrische Publikum vor und auf den Tischen. Nach weiteren Büttenvorträgen, Showtänzen und Schunkelparaden mit dem Musikverein feuerten die Balletteusen des Männerballetts mit ihrem Auftritt die Stimmung noch mal so richtig an. Unter dem Motto „Die beste Narrenschau der Welt – Faasend im Scheuerner Zirkuszelt“ haben alle Akteure ein mitreißendes Bühnenprogramm abgebrannt. Kurz nach Mitternacht endete die Kappensitzung. Bis in die frühen Morgenstunden wurde noch ein rauschendes Fest gefeiert.