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Als hier noch Römer und Kelten lebten

Als hier noch Römer und Kelten lebten

Reges Markttreiben herrschte im Vicus Wareswald. Handwerker und Krieger sorgten mit ihren Vorführungen für Staunen bei den Zuschauern. Bei einer Schnuppergrabung konnten sich die kleinen Besucher als Archäologen versuchen.

Etwa 400 Besucher entführte das Grabungsfest am Sonntag im Wareswald in Tholey in die Zeit der Römer. Im Wareswald wird seit Jahren eine gallo-römische Siedlung ausgegraben, deren Ursprung auf das 1. Jahrhundert nach Christi zurückgeht. Am Kreuzungspunkt der zu römischer Zeit überregional bedeutsamen Straßen zwischen Metz und Mainz einerseits und Straßburg und Trier andererseits entstand der Vicus im Wareswald. Der Begriff Vicus beschreibt einen Marktflecken, der entlang der großen Verbindungsrouten im römischen Weltreich angelegt wurde. Viele Reisende und Händler benutzten die meist vom Militär angelegten Wege. Die Nachfrage nach Unterkunft und Verpflegung, aber auch nach Gütern des täglichen Bedarfs veranlasste Händler und Handwerker , sich an der Stelle des heutigen Wareswaldes niederzulassen.

Beim Grabungsfest herrschte wieder reges Markttreiben auf dem Vicus. Mitglieder des Vereins "Milites Bedenses" aus dem Bitburger Land stellten römische Handwerkstechniken wie die Schmiedekunst vor. Die Römer waren aber beim Grabungsfest nicht unter sich. Zu ihnen gesellte sich die Keltengruppe des Vereins Treveromagos. Der Verein für experimentelle Archäologie im Saarland vermittelt keltisches Handwerk und Leben. Die Besucher löcherten beim Grabungsfest die Vereinsmitglieder mit ihren Fragen rund um die Keltenzeit . So erhielten sie Einblicke in die Lebensweise der Kelten . "Ein Höhepunkt waren in diesem Jahr sicherlich die Kampfdarbietungen der Keltenkrieger", so Klaus-Peter Henz, Projektleiter römischer Vicus Wareswald. Reges Treiben herrschte bei einem Stand, der sich mit der Herstellung von Schmuck und Gebrauchsgegenständen wie bronzenen Gewandnadeln, so genannten Fibeln, beschäftigte. Thorsten Badiou aus Sötern brachte den Besuchern sehr anschaulich das Bronzehandwerk näher. Seit seiner Kindheit beschäftigt er sich mit der Keltenzeit . "Als Kind hat mich diese Zeit schon fasziniert. Als ich mit der Grundschule am Keltenring in Otzenhausen war, wurde mein Interesse für die Geschichte geweckt", erzählt Badiou. Später erlernte er das Handwerk des Goldschmiedes und konnte so Beruf und Hobby miteinander verbinden.

"Zu den Bewohnern unserer Siedlung gehörten in römischer Zeit der Okkupation auch die Kelten . Sie nahmen nach und nach römische Lebensweisen an. Italiker gab es in unserer Region kaum. Daher präsentieren wir auf dem Fest auch die Kelten ", so Projektleiter Henz.

Aber auch der Einsatz moderner Medientechnik bei Grabungsprojekten stand auf dem Programm. Christoph Schaufert aus Neunkirchen informierte über die Möglichkeiten der digitalen Präsentation von Grabungsergebnissen mit einem 3D-Scanner.

Großer Andrang herrschte bei der digitalen Führung. Die digitale Unterstützung von Führungen lockte viele Besucher an, mit einer sogenannten Cardboard, einer Art 3D-Brille, zu einem dreidimensionalen Spaziergang in einem Tempel des Grabungsfeldes aufzubrechen. Für die Kinder gab es Mitmachaktionen. Bei einer Schnuppergrabung zeigten Archäologen , wie man mit Fingerspitzengefühl alte Fundstücke freilegt. Außerdem gab es eine Theateraufführung der Kita Schlaumäuse.

terrexggmbh.de

treveromagos.de

Zum Thema:

Auf einen Blick Die nächste öffentliche Führung durch das Grabungsgelände im Wareswald steht am Sonntag, 3. Juli, auf dem Programm. Treffpunkt ist um 11 Uhr am neuen Parkplatz. Projektleiter Klaus-Peter Henz von der Terrex gGmbH, die die Grabungen leitet, wird die neuesten Forschungsergebnisse vorstellen. Die Führung ist kostenlos. red