Almabtrieb und Alpenrock trotzten dem Wetter

Kostenpflichtiger Inhalt: Almabtrieb am Schaumberg : Altbekannt und doch eine Premiere

Zum ersten Mal organisierte der VfB Theley den Alpenrock nach dem Almabtrieb am Schaumberg.

Das launische Wetter hielt am Samstag den neunten Almabtrieb der Gemeinde Tholey nicht auf. Als gegen 14 Uhr das alpenländische Treiben rund um die Schaumbergalm Fahrt aufnahm, zeigte sich zeitweilig über dem Berg die Sonne. Nach und nach kamen die Traktoren, Trachten- und Fußgruppen mit und ohne Tiere an und verbreiteten Alpenflair auf dem Schaumberg. Die Hasborner Alphornbläser und der Musikverein Concordia Theley spielten im Wechsel die passenden Melodien. Der plötzlich einsetzende Regenguss vermochte es nicht, die Feierlaune der Besucher zu trüben. Unter dem schützenden Veranda-Dach der neuen Schaumbergalm wurde munter weiter gefeiert und geschunkelt.

Bei strömenden Regen musste Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU) dann alle Gruppen zur Aufstellung aufrufen. Kurz nach 16 Uhr setzte sich dann der Festzug des Almabtriebs in Bewegung, musikalisch angeführt von der Bläsergruppe Blechhaufen. Die ersten Zaungäste warteten unter dem  Dach des Bücherturms am Herzweg auf die Gruppen. Hier hatten sich die Bubacher Almdudler mit ihren langen Alphörnern aufgestellt.

Die Hasborner Alphornbläser spielten zum Auftakt des Almabtriebs auf dem Schaumbergplateau. Foto: Marion Schmidt

In bester Partystimmung ging es singend, schunkelnd und tanzend bergab. Farbenfroh geschmückte Traktoren verschiedener Vereine aus der Gemeinde Tholey, gefolgt von den trachtengekleideten Fußgruppen zogen talwärts Richtung Theley. Zwischendrin marschierten gelassen verschiedene Tiere. „Wir haben gezielt Pferderassen ausgewählt, die zum Alpen-Thema passen wie die Schwarzwälder Füchse, die Haflinger oder das Gebirgspferd Noriker“, erzählte Anja Müller-Martin vom Akazienhof in Scheuern. Sie und ihr Mann Michael begleiten mit ihren Tieren den Almabtrieb von der ersten Stunde an. In diesem Jahr hatten sie acht Pferde mitgebracht.

Eine bunt gemischte Tierschar hatte Arnulf Staap aus Völklingen-Ludweiler mitgebracht. Mit seiner Eselskutsche, quirligen Ziegen und einem Lama war er mit von der Partie und lud vor dem Almabtrieb die Kinder zu einer Kutschfahrt ein. „Esel sind sehr sensible Wesen. Sie sind es gewohnt, im Familienverbund zu gehen. Und da unser Esel Anton heute fehlt, sind die Tiere etwas irritiert und bleiben dann schon mal stehen. Das ist kein Zeichen von Sturheit, sondern von besonnenem Analysieren der Umgebung. Esel machen normalerweise nichts, was ihnen nicht in den Kram passt. Daher kann man sie auch nicht dressieren wie Pferde“, berichtete der Waldpädagoge.

Trotz wechselhafter Wetterlage setzte sich der Almabtrieb mit farbenfroh geschmückten Traktoren in Bewegung talwärts Richtung Theley. Foto: Marion Schmidt

Etwas weiter hinten im Festzug bewegte sich eine Gruppe mit prächtigen Bernhardiner-Hunden, die den Klang der Alpenmusik schon mal mit ihrem kräftigen Gebell übertönten. In der Schaumbergstraße begrüßten die Bewohner den Almabtrieb mit einem großen Hallo. Hier mit blauweiß-rautierten Tischdecken dekorierte Bierzeltgarnituren, dort Wimpel und Fahnen. Und überall trachtengekleidete Bewohner.

Ziel des Almabtriebs war das Festzelt am Keltenplatz in Theley. Dort stieg im Anschluss die große Alpenrock-Party mit der Tiroler Band Pfundskerle. Eine Premiere feierte hier der VfB Theley. Denn die Vereinstruppe ist in die Fußstapfen der Wanderfreunde „Qualmende Socken“ getreten, die den Alpenrock ins Leben gerufen haben. „Für uns war es an der Zeit, in die zweite Reihe zu treten und den Jüngeren das Zepter zu übergeben. Der VfB hat uns ja die vergangenen Jahre immer schon tatkräftig unterstützt und ist bestens vertraut mit dem Alpenrock“, verriet Klaus Linnenbach von den „Qualmenden Socken“.

Pfundskerl Paul Köhle im Festzelt am Keltenplatz. Foto: Marion Schmidt

Ein halbes Jahr vor dem Termin haben sich der Vereinsvorsitzende Mario Loncar und sein Stellvertreter Miguel Tilmann mit ihrem Team getroffen. „Fünf Tage vor dem Alpenrock haben wir täglich hier gearbeitet bis zu fünf Stunden mit etwa 50 Helfern“, erzählte Mario Loncar. „Da wir parallel unser 100-jähriges Vereinsjubiläum vorbereiten müssen und an unserem Vereinsheim arbeiten, war das ein strammes Pensum“, ergänzte Miguel Tilmann.

Bis Mitternacht spielten die Pfundskerle ihren Alpenrock und machten jede Menge Stimmung im ausgebuchten Festzelt. Die Energie der Alpenrockband reichte dann auch noch, um am nächsten Morgen die Zeltmesse und den Gaudi-Frühschoppen bis in die Nachmittagsstunden zu begleiten. Mit geschätzten 3000 Besuchern an beiden Tagen waren Mario Loncar und Miguel Tilmann mit ihrer Premiere des Alprenrocks zufrieden und mächtig stolz auf ihr Vereinsteam und die helfenden Hände aus anderen Vereinen der Gemeinde Tholey.

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