Almabtrieb : Ein Festtag für Freunde der alpenländischen Kultur

Alle Jahre wieder putzt sich die Schaumbergstraße in Theley besonders heraus. Frühmorgens beginnt ein ungewohntes Treiben. Die Bürgersteige werden aufgehübscht, schnell noch Unkraut entfernt, die Vorgärten werden mit alpenländischem Dekor geschmückt und mit Tischen und Bänken bestückt.

Ein buntes Treiben entwickelt sich im Laufe des Vormittags. Haus, Hof und Garten werden hergerichtet, die Trachten herausgeholt. Dekorierte Traktoren fahren Richtung Schaumbergplateu und immer mehr mit Dirndl und Lederhosen bekleidete Anwohner bevölkern die Straße. Zusammen warten alle auf den Almabtrieb, der jedes Jahr Anfang September vom Schaumberg aus durch die Schaumbergstraße Richtung Festzelt am Keltenplatz zieht.

Für die Einwohner der Gemeinde Tholey und für viele Freunde der alpenländischen Kultur der Umgebung ist der Almabtrieb ein festerTermin im Jahreskalender. „Für die in unserer Gemeinde lebenden Menschen und für unsere Vereine ist der Almabtrieb wie ein besonderer Feiertag. Alle sind irgendwie beteiligt. Besonders schön ist es zu beobachten, wie in den Straßen, durch die der Umzug sich bewegt, die Nachbarn zusammenkommen und gemeinsam feiern“, so Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt.

Treffpunkt aller Gruppen ist auf dem Schaumbergplateau. Angeführt von dem Bläserensemble Blechhaufen und von Bürgermeister Schmidt sowie den Ortsvorstehern setzt sich der Almabtrieb am Nachmittag pünktlich in Bewegung den Schaumberg hinab durch das Wohngebiet der Schaumbergstraße und über die Hauptstraße durch Theley zum Keltenplatz. 28 Gruppen sind in diesem Jahr dabei. Vereine aus der Gemeinde und andernorts fahren mit ihren Traktor gezogenen, bunt geschmückten Wagen mit. Die größte Delegation stellten wieder die Alten Herren des VfB Theley. 40 Erwachsene und 20 Kinder winken fröhlich von ihrem Wagen den die Straßen säumenden Besuchern zu. Süßigkeiten werden den Kindern zugeworfen, die Erwachsenen werden mit edlen Tröpfchen verwöhnt. Eine wahre Augenweide ist der historische feuerwehrrote Porsche-Traktor, mit dem Jörg Neis aus Theley den Anhänger seiner Almi-Gruppe zieht. Und mittendrin Tom Schneider aus Dörsdorf, der einen kleinen Ableger der großen Traktoren fährt. Souverän lenkt der Schüler seinen kleinen grünen Traktor mit Anhänger, auf dem ein Freund Platz genommen hat.

Wie es sich für einen Almabtrieb gehört, dürfen auch keine Tiere fehlen. Lamas, Ziegen, eine Eselskutsche und Pferde geben dem Almabtrieb die besondere alpenländische Note. „Früher sind auch mal unsere Kühe mitgegangen. Auf der Hälfte der Strecke wollten die aber nicht mehr weitergehen und bogen dann einfach Richtung Stall ab“, verrät Kurt Hoffmann, dessen Bauernhof in der Schaumbergstraße liegt. Prachtvoll und gelassen marschieren 16 Bernhardiner mit kleinen Holzfässern um den Hals mit. Kommt der Zug ins Stocken, weil die Akteure auf den Wagen nicht ohne ein Schwätzchen an dem einen oder anderen in der Nachbarschaft vorbeikommen, legen sich die zum Teil 90 Kilogramm wiegenden Alpenhunde auf der Straße ab und warten geduldig. Als der Festzug nach etwa eineinhalb Stunden am Keltenplatz eintrifft, erwarten die Tiroler Pfundskerle bereits die Festgemeinde. Am Abend spielt die Band ihren in Theley beliebten Alpenrock bis spät in die Nacht.

Am nächsten Tag ging es morgens dann im Festzelt mit über 1200 Besuchern weiter mit einem Festgottesdient mit musikalischer Begleitung der Pfundskerle. Anschließend klang der Almabtrieb 2018 langsam beim Frühschoppen aus. An beiden Tagen sorgten im Festzelt ein Team des VfB Theley sowie der Wanderfreunde Qualmende Socken dafür, dass sich alle Besucher wohl fühlten. Für die Qualmenden Socken war dies der letzte Almabtrieb in federführender Position. „Nach 20 Jahren ist es Zeit, dass wir das Organisations-Zepter weiter reichen. Unser jüngstes Mitglied ist 60 Jahre alt, da müssen jetzt die jüngeren Generationen des VfB ran. Unsere Fußballfreunde, mit denen wir schon lange den Almabtrieb gestemmt haben, werden wir aber beim Almabtrieb 2019 in der zweiten Reihe weiterhin rat- und tatkräftig unterstützten“, erklärte Hugo Paulus mit einer Prise Wehmut zum Abschied.