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Ältere Generation startet in virtuelle Welt

Ältere Generation startet in virtuelle Welt

Für junge Menschen ist die Kommunikation via Smartphone und Tablet selbstverständlich. Für die ältere Generation meist noch nicht. Genau da setzt ein neues Projekt mit Namen „virtuelles Mehrgenerationenhaus“ an.

Schachteln mit Tablets stapeln sich auf einem Tisch, Beamer und Leinwand stehen bereit, der Sitzungssaal füllt sich mit Gästen. Uwe Conradt , Direktor der Landesmedienanstalt Saarland, vergleicht den Termin im Tholeyer Rathaus mit der Einweihung eines Hauses. Nur, dass das "virtuelle Mehrgenerationenhaus", das am Freitag vorgestellt worden ist, weder Wände hat noch an einen festen Ort gebunden ist. Es soll die Kommunikation zwischen Jung und Alt fördern, ganz gleich, wo sich die Gesprächspartner aufhalten.

Familienministerin Monika Bachmann (CDU ) macht es an einem Beispiel deutlich. Sie hat eine Frau getroffen, deren Sohn in Amerika wohnt. Dank moderner Technik kann sie nicht nur mit ihrem Jungen telefonieren, sondern ihn auch via Internettelefonie Skype sehen. Zur virtuellen Kommunikation kommt bei dem Projekt ein weiterer Aspekt hinzu: Die Teilnehmer treffen sich regelmäßig zum "Tablet-Kaffeekränzchen" wie die Ministerin es nennt. So können neue Kontakte im näheren Umfeld entstehen.

60 Menschen in vier Modellkommunen saarlandweit wagen sich in die Welt von E-Mails, Online-Banking oder Internet-Shopping. Ins Tholeyer Rathaus sind elf Männer und Frauen zum Workshop-Auftakt gekommen. Auch wenn das Projekt "virtuelles Mehrgenerationenhaus" heißt, bringen die Teilnehmer allesamt eine größere Lebenserfahrung mit - nur eben nicht im Umgang mit dem Tablet.

Genau das soll sich ändern. "Wir leben in einer Zeit des schnellen Wandels", sagt Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU ). Wir müssten uns mit den technischen Neuerungen auseinandersetzen. "Denn wer nicht dabei ist, der verliert." In Tholey hat die ältere Generation nun Gelegenheit, gemeinsam ins virtuelle Leben aufzubrechen. Bei den regelmäßigen Treffen solle auch die Angst vorm Internet genommen werden, erläutert Gerd Bauer. Er ist der Vorsitzende des Medien-Netzwerkes Saar-Lor-Lux, welches das Projekt umsetzt. "Das Internet kann auch das Leben leichter machen. Zum Beispiel beim Einkaufen oder beim Buchen einer Reise", so Bauer. Ehe die Teilnehmer in die virtuelle Welt eintauchen können, braucht es die richtige Ausstattung: Jeder, der mitmacht, bekommt für die Dauer des Projektes (bis Ende 2017) ein Tablet kostenlos zur Verfügung gestellt. Vorsichtig packen die Ersten die neuen Geräte aus. Kursleiter Wolf-Dieter Scheid erklärt die verschiedenen Knöpfe am Gehäuse. Dann kommen schon die ersten wichtigen Fach-Begriffe: WLAN, Router, Passwort. Unter den Teilnehmern wird getuschelt, gegenseitig hilft man sich. Die reale Kommunikation funktioniert schon mal, die virtuelle soll folgen.

Zum Thema:

Auf einen Blick Das Projekt "virtuelles Mehrgenerationenhaus" ist ein neues Modul der Kampagne Onlinerland Saar der Landesmedienanstalt Saarland. Diese Kampagne gibt es seit elf Jahren. In dieser Zeit nahmen mehr als 70 000 Menschen an Kursen rund ums Internet teil. In der Gemeinde Tholey , Püttlingen, Merzig und dem Landkreis Neunkirchen startet das "virtuelle Mehrgenerationenhaus" mit insgesamt 60 Teilnehmern zunächst als Modelllauf bis Ende 2017. Vom Familienministerium gibt es für 2016 und 2017 je eine Förderung in Höhe von 25 000 Euro. evy