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Theatervereine im Kreis St. Wendel lassen wegen Corona den Vorhang zu

In der Corona-Krise : Den zweiten Weihnachtstag im Blick

Bei vielen Theatervereinen im Kreis hebt sich wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr kein Vorhang. Allerdings beabsichtigen die Laiendarsteller in Alsweiler und Hasborn ihr Publikum noch zum Lachen zu bringen.

Das Coronavirus ist ein Erreger, der das Engagement der Laiendarsteller vielerorts lange kaltgestellt hat. Seit Juni können Theater unter Beachtung der Abstandsregeln ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen. 2020 droht dennoch ein tristes Jahr in der Kultur-Landschaft im St. Wendeler Land zu werden. Aufgrund der Pandemie und der strengen Auflagen werden die meisten Vereine wohl nicht auftreten. Einige aber schon, wie Klaus Backes, Vorsitzender des Theatervereins Edelweiß Hasborn-Dautweiler, zu berichten weiß: „Momentan stellen wir uns so auf, als hätten wir, wie geplant, am zweiten Weihnachtstag unseren Auftritt. Geht es dann doch nicht, verlegen wir den Termin nach hinten“, erklärt er, ist aber voller Optimismus, dass es klappt. Sollte die Situation dann allerdings doch nicht zulassen, dass ein Bühnenstück vor Publikum aufgeführt wird, werde die Theatergruppe mit digitalen Medien neue Wege bestreiten, kündigt er als Alternative an. „Wir werden sehen, ob wir dann ein großes Stück oder einen Einakter aufführen und die Besetzung festlegen. Alle sind heiß und wollen spielen“, sagt Backes.

Die Auswahl des Bühnenhappens erfolge demnächst, alsbald soll dann auch der Probenbetrieb anlaufen. „Zeitlich passt noch alles. Wichtig ist, dass sich alle wieder sehen und nicht nur schreiben“, sagt der Vereinschef. Auch die Jugendgruppe soll in die Aufführung integriert werden. „Der Nachwuchs arbeitet bereits an einem eigenen Stück“, freut sich Backes.

Auch der Theater- und Karnevalverein Alsweiler hat das Spieljahr 2020 noch nicht abgeschrieben. „Wir treffen uns jetzt zu einer Sitzung, um zu sehen, was gehen kann. Den normalen Termin der Aufführung Ende Oktober können wir auch nach hinten schieben“, meint der Vorsitzende Gregor Hoffmann. Bei der Zusammenkunft werde darüber beraten, wie eine Vorstellung im Alsweiler Pfarrsaal unter den momentanen Vorschriften und Auflagen zu realisieren sei. „Wie viele Personen dürfen auf die Bühne? Wie kann das mit der Bewirtung umgesetzt werden? Diese Fragen müssen wir zunächst klären“, weiß Hoffmann. Parallel dazu hat die Spielleitung mit dem Probelesen verschiedener Bühnenstücke begonnen. „Mit der Umsetzung der Hygieneregeln kommen wir schon klar“, erklärt Hoffmann.

Bereits im Mai ist beim Theaterverein 1931 Theley die Klappe gefallen. „Wir haben entschieden, dass wir in diesem Jahr nicht spielen“, teilt der Vorsitzende Benno Wittler mit. Keine Planungssicherheit, die Kosten für den Aufbau der Bühne und nur wenige Besucher haben dabei die Hauptrolle eingenommen. „Wir müssen eine große Halle bespielen, da ist der Aufwand um einiges umfangreicher als in einem Dorfgemeinschaftshaus“, erläutert Wittler. Klar, so ergänzt er, wolle jeder Darsteller proben und seine Figur spielen. „Wir sparen jetzt Energie für das nächste Jahr und gehen dann mit neuem Elan wieder an den Start“, ist der Vereinschef überzeugt.

Regelrecht ausgebremst hat das Coronavirus den fünften Geburtstag der Theaterfreunde in Gonnesweiler. „Den Auftritt der Jugendgruppe haben wir absagen müssen, und das ist im Dorf sehr bedauert worden“, beklagt die Vorsitzende Tanja Jung. Den Schwank „Einer spinnt immer“ hat die Erwachsenengruppe im Oktober zum Besten geben wollen. „Für dieses Jahr hatten wir uns extra ein großes Stück ausgesucht“, berichtet Jung. Dessen Absage habe der Verein lange hinausgezögert. „Als im Mai noch nichts Richtiges laufen konnte, ist uns nicht anderes übrig geblieben“, berichtet die Vereinschefin. In der Mehrzweckhalle mache ohnehin eine Aufführung keinen Sinn, wenn nur jeder dritte Platz besetzt werden dürfe. „Wir sind sehr, sehr traurig, dass alles ausfällt, denn wir waren sehr euphorisch“, meint Jung.

Der Theaterverein Sötern ist von einem Ausfall in dieser Saison nicht dramatisch betroffen. „Wir wollten eh eine künstlerische Auszeit von der Bühne nehmen, uns dafür mit einem Filmprojekt beschäftigen, was dann aber nicht geklappt hat“, sagt der Vorsitzende Christian Barth. Dennoch sei die eingelegte schöpferische Pause gut, um neue kreative Ideen zu sammeln. „Von einer Vorstellung hätten wir wenig gehabt“, betont er. Eine Theaterveranstaltung in der Halle, die nicht zu einhundert Prozent mit Zuschauern besetzt werden könne, sei für Verein wie Darsteller nicht interessant. „Da kann doch keine Stimmung aufkommen“, sagt er. Im Herbst werde sich der Verein zusammensetzen und anschließend auf ein neues Bühnenwerk hinarbeiten. „Es bleibt dann die Frage: Wie reagiert das Publikum, wenn es wieder losgeht? Kommen die Leute auch wieder?“, sorgt sich Barth. Bis es so weit ist, sei für ihn jedenfalls wichtig, das Vereinsleben so gut wie möglich aufrechtzuerhalten.

 Jahr für Jarh präsentieren die Laien-Darsteller der Bühne 74 Primstal ein Stück. In diesem Jahr sieht die Situation aber anders aus.
Jahr für Jarh präsentieren die Laien-Darsteller der Bühne 74 Primstal ein Stück. In diesem Jahr sieht die Situation aber anders aus. Foto: Erich Brücker

„Wir haben unsere Aufführung früh abgesagt. Im Moment ist alles schwierig wegen der Auflagen und Hygieneregeln“, mäkelt Wolfgang Hargarter, Spielleiter der Bühne 74 aus Primstal. Mit 40 Besuchern im Saal und ein Stück mit drei Darstellern auf der Bühne, skizziert er die Situation, mit der die Primstaler im Pfarrsaal klarkommen müssten. „Momentan ist es nur möglich, wenn man ein spezielles Stück angeht. Theater ohne Abstand geht nicht, und zudem sind die Vorschriften während der Proben zu teuer“, findet Hargarter, dass bei den aktuell geltenden Auflagen in diesem Jahr eine Veranstaltung für den Verein nicht zu realisieren ist.