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„Tag der offenen Gartentür“ wurde am Sonntag nachgeholt

Tag der offenen Gartentür : Wenn der Garten zum Paradies wird

„Tag der offenen Gartentür“ im Saarland wurde am Sonntag auch im Landkreis St. Wendel nachgeholt.

Zehn Interessierte fanden sich am Sonntagmorgen im christlich-biblischen Garten bei der Margarethenkirche in Niederkirchen ein, um an einer Führung mit Pfarrer Stefan Werner teilzunehmen. Der Geistliche begann seinen Rundgang am Brunnen auf der anderen Straßenseite bei der Heiligen Margarethe, der Namensgeberin der Kirche. Mit den Worten „Von hier aus gehen wir jetzt ins Paradies“ begleitete er die Gäste in den eigentlichen Garten, an dessen Pforte ein Paradiesapfelbaum steht. Es folgte die Geschichte von Adam und Eva sowie des Garten Edens. Weiter ging es ins Land Israel ans Tote Meer, wo Aloe Vera, Agave und Feigenkaktus gedeihen.

Am See Genezareth lag Moses im Schilfkörbchen, im Schatten von Papyruspflanze und Hopfen, der schon den alten Ägyptern zum Brauen eines Tranks diente. Kurzweilig flocht der protestantische Pfarrer Geschichten vom Turmbau zu Babel, der Arche Noah oder Jona im Bauch des Wales in seine Ausführungen ein und verknüpfte diese immer mit den entsprechenden Pflanzen, die man allesamt im christlich-biblischen Garten in dem Ostertalort bewundern kann.

Um die Kirche windet sich der imposante Garten, der auch vielerlei Obst, Gemüse und Kräuter beheimatet. Er werde, so Stefan Werner, lediglich von ihm und seiner Frau, dem Ehepaar Volz und Küsterin Sigrun Klein betreut und gepflegt: „Dieses Jahr haben wir eigentlich zehnjähriges Bestehen, aber durch Corona waren keine Feierlichkeiten möglich. Sonst gibt es auch ein Turmfest hier auf dem Gelände, das ebenfalls ausfallen musste.“ Er wies darauf  hin, dass der Garten immer geöffnet sei und jederzeit besucht werden könne. Dadurch, dass auch an der Touristinformation und bei Center- Parcs am Bostalsee Prospekte für das Kleinod auslägen, dürfe man auch häufig ausländische Gäste begrüßen. Für die Besichtigung der Kirche genüge eine kurze telefonische Anmeldung, eine dauerhafte Öffnung, wie sie sonst üblich war, sei derzeit coronabedingt nicht möglich.

Auch in Oberthal bei Sabrina Jochum und ihrer Familie durfte der Garten besichtigt werden. Hatte die 39-jährige Oberthalerin zu Beginn der Woche noch viel Arbeit vor sich (wir berichteten), war nun alles eingepflanzt und für die Besucher vorbereitet. Wie Ehemann Klaus Jochum berichtete, hatten am frühen Nachmittag bereits etwa 60 Leute den Weg in die großzügige Außenanlage gefunden. Peter Schreiner aus Urexweiler war durch den Vorbericht in der Saarbrücker Zeitung auf die Jochums aufmerksam geworden und daher mit seiner Ehefrau nach Oberthal gekommen: „Wir haben selbst einen Garten und schauen uns deshalb auch gerne andere Gärten an. Dieser hier ist sehr weitläufig und vielfältig. Schade, dass momentan nicht mehr so vieles blüht. Aber der blühende Phlox ist eine Augenweide.“

Bei Barbara und Berthold Groß in Alsweiler hatte sich ebenfalls Besuch angesagt. Das Ehepaar punktete mit Schwalben- , Sperlings- und Fledermausnestern, herrlich blühenden Geranien und prächtigem Gemüse wie Zucchini, Gurken und Tomaten. Die Gäste konnten Tomaten verkosten und sogar welche mit nach Hause nehmen. Fachkundige Tipps zur Tomatenzucht lieferte Berthold Groß zusätzlich: „Ich säe immer am Josefstag, dem 19. März, und die Auspflanzung findet dann am 16. Mai, nach den Eisheiligen, statt. In die Erde gebe ich kleingeschnittene Brennnesselblätter als Dünger, und ich gieße einmal mit Wasser, in dem Kochsalz aufgelöst wurde. Das verstärkt das Aroma.“ Der Alsweiler Hobbygärtner ergänzte, dass er keinerlei Hybride verwende: „Aus den ersten reifen Tomaten macht meine Frau Barbara Samen für das kommende Jahr.“ Er bedauerte, dass die beiden Felder, die man mit Samen vom Landkreis in eine prachtvolle Blumenwiese verwandelt hatte, nicht mehr in Blüte stünden. Dennoch waren bis zum Nachmittag mehr als 60 Menschen in den Garten der Familie Groß gekommen, einige davon gar Stammgäste: „Wir kommen auch sonst gerne hierher, und es gibt immer eine Tasse Kaffee“, sagte Rosi Recktenwald aus Marpingen. Auch am Sonntag bewirtete das Ehepaar seine Gäste mit Kaffee und anderen Getränken,  coronagerecht versteht sich.

Sigrune Essenpreis und Thomas Nickels betreiben in siebter Generation den Landgasthof Paulus in Sitzerath. Zudem bewirtschaften sie den „Paradiesgarten“, der am Sonntag ebenfalls seine Pforten für Besucher öffnete. Werner Berwian war mit seiner Ehefrau aus dem benachbarten Bierfeld nach Sitzerath gekommen: „Wir sind öfter hier in der Gegend unterwegs und haben den Garten gesehen. Als wir gehört haben, dass er an diesem Sonntag besucht werden kann, sind wir hergekommen.“ Besagten Garten bezeichnete er als schöne Symbiose aus Nutzen und Naturbelassenheit. Sigrune Essenpreis erklärte das Konzept der Grünanlage: „In Anlehnung an den Ringwall in Otzenhausen haben wir das Paradies keltisch interpretiert. Wie schon den Kelten ist es auch uns wichtig, im Einklang mit der Natur zu leben.“

Wie es zum Namen „Paradiesgarten“ kam, erläuterte sie ebenfalls: „Als wir den Garten im April 2013 gekauft haben, gab es bereits neun Apfelbäume, und da das keltische Avalon als Apfelgarten übersetzt wird, fanden wir die Bezeichnung passend.“ Um diese Idee herum habe man das Konzept dann fortgeführt. Wichtige Figuren seien dabei die Erddrachin als Inkarnation der Erdgöttin oder Frau Holle als Hüterin des Hollenreiches. Besonders am Herzen liegt den beiden Gastronomen ein geschlossener Kreislauf: „Bei uns gibt es keine Abfälle, wir betreiben Permakultur, bei der alles wieder in den Kreislauf zurückgebracht wird. Wir stellen aus Abfällen Terra Preta her, die wir dann wiederum zur Aussaat von Obst, Gemüse, essbaren Blumen und Kräutern verwenden. Unser Fokus liegt auf besonderen Pflanzen, die sonst kaum erhältlich sind, wie etwa Saubohnen oder Erdbeerspinat.“

 Berthold Groß gab in seinem Garten in Alsweiler  fachkundige Tipps zur Tomatenzucht.
Berthold Groß gab in seinem Garten in Alsweiler  fachkundige Tipps zur Tomatenzucht. Foto: Jennifer Fell
 Der Paradiesgarten des Landgasthofs Paulus bietet auch so Einiges für die Küche.
Der Paradiesgarten des Landgasthofs Paulus bietet auch so Einiges für die Küche. Foto: Jennifer Fell
 Sabrina Jochums idyllischer Garten in Oberthal war ebenfalls am Sonntag für Besucher geöffnet.
Sabrina Jochums idyllischer Garten in Oberthal war ebenfalls am Sonntag für Besucher geöffnet. Foto: Jennifer Fell

Selbst gebrauchte Servietten dienten, ins Wachs der eigenen Bienen getaucht, als Dach für die Komposttoilette. Bei der Bepflanzung der einzelnen Beete achte man darauf, dass sich die Pflanzen ideal ergänzten, sodass Düngen überflüssig werde, Hügelbeete würden aus Jäte- und Strauchmaterial aufgeschichtet. Auch die Restaurantbesucher bekommen Kostproben aus dem eigenen Garten. Die Küchenchefin nennt ein Beispiel: „Eine unserer Vorspeisen ist in Beinwellblätter eingewickelter Münsterkäse, der im Viez-Tempurateig ausgebacken und mit Paprika-Chutney sowie Schüttel-Gurkensalat mit Borretsch serviert wird.“ Essenpreis bezeichnet sich selbst als ethische Hedonistin und erklärt dies so: „Alle Lebensmittel werden nach unseren eigenen, sehr hohen Qualitätskriterien ausgewählt. Wir brauchen keine Bio-Zertifizierung.“