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SZ-Redakteur Thorsten Grim kritisiert Treffen im Wirtschaftsministerium

Wochenkolume : Argumente blieben ungehört

SZ-Redakteur Thorsten Grim blickt kritisch auf den Runden Tisch im Wirtschaftsministerium in Sachen Einzelhandel.

Na das war ja mal ein großer Wurf im Sinne des saarländischen Einzelhandels, den Saar-Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger unter der Woche am Runden Tisch eingetütet hat. Die kleinen Läden müssen zwar weiterhin geschlossen bleiben und die großen Warenhäuser dürfen nach wie vor alles an den Mann und die Frau bringen, was sie im Regal haben. Aber sie werben nicht mehr dafür. Oder haben zumindest angekündigt, die Absicht zu zu haben, das nicht mehr zu tun. Eventuell. Andernfalls müsse man nochmal reden. Alle noch so guten Argumente für den Einzelhandel blieben somit ungehört. Versteht das jemand, der sich nicht Schwarz, Albrecht oder Bruch schreibt? Ich jedenfalls nicht. Aber ich bin ja auch kein Wirtschaftsweiser. Sondern nur ein kleiner Konsument, der es liebt, durch die St. Wendeler Innenstadt zu bummeln, hier bisschen zu gucken und da mal was zu kaufen. Oder sollte ich die Vergangenheitsform bemühen? Denn es steht zu befürchten, dass nach dem Lockdown mancher Laden nicht mehr öffnen wird. Dabei hat St. Wendel ja sowieso schon mit Leerständen zu kämpfen. Der Hinweis der Ministerin, dass die Einzelhändler sich nun online stärker ins Zeug legen müssen, geht ins Leere. Längst nicht jeder ist so fit im Umgang mit dem Internet, als dass er das selbst hinbekäme. Und einen IT-Spezialisten kann sich erst recht nicht jeder leisten. Und selbst wenn, heißt das noch lange nicht, dass der Internet-Auftritt gut ist, alles funktioniert und die Menschen zum Kaufen animiert werden. Im Gegenteil kann ein schlechte Online-Präsenz auch abschrecken. Was bleibt? Hoffen. Dass wir die Corona-Pandemie bald in den Griff bekommen. Und dass möglichst viele Einzelhändler den Lockdown überstehen. Und dann hängt es von uns ab. Wir entscheiden mit unserem Einkaufsverhalten über die Existenz des Einzelhandels. Und damit über die Zukunft unserer Stadt.