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"Straßenmusik ist ehrliche Arbeit"

"Straßenmusik ist ehrliche Arbeit"

Herr Kelly, was dürfen die Besucher in Oberlinxweiler erwarten?Jimmy Kelly: Das wird ein Folklore-Abend. Wir bringen die Songs einer Reise, die ich nun schon ein ganzes Leben lang gemacht habe. Meine Frau ist dabei, sie spielt Akkordeon und Mandoline. Außerdem sind Geige, Kontrabass, Gitarre und Banjo vertreten. Das alles ist dann wie eine kleine Familie auf der Bühne

Herr Kelly, was dürfen die Besucher in Oberlinxweiler erwarten?Jimmy Kelly: Das wird ein Folklore-Abend. Wir bringen die Songs einer Reise, die ich nun schon ein ganzes Leben lang gemacht habe. Meine Frau ist dabei, sie spielt Akkordeon und Mandoline. Außerdem sind Geige, Kontrabass, Gitarre und Banjo vertreten. Das alles ist dann wie eine kleine Familie auf der Bühne. Wir spielen unter anderem Evergreens aus Irland und Amerika und auch ein paar eigene Folk-Lieder.

Kommen die gleichen Fans zu Ihren Konzerten wie in den 90er Jahren zur Kelly Family?

Kelly: Früher kamen viele Jugendliche. Aber ich war nie der Haupt-Charakter des Ganzen. Mein Publikum heute ist älter, ab 25. Und es kommen nicht so viele weibliche Fans. Das passt ganz gut.

Wie viel Kelly Family steckt denn noch in Ihren Konzerten?

Kelly: Sie gehört zu meinem Leben. Ich kehre mit meinen jetzigen Projekten wieder zum Ursprung zurück. Zwar haben wir in den 90er Jahre einige poppige Sachen gemacht, aber vorher haben wir 20 Jahre eher Folk gespielt. Ich sehe mich nicht als Anti-Kelly-Fan. Im Gegenteil: Ich führe die Tradition fort. Diese handgemachte Musik gibt einem das Gefühl von "Wir". Ich bin nicht der Star auf der Bühne. Vielmehr schaffen wir ein Ambiente wie bei einer großen Familie, in der sich jeder wohl fühlt.

Heißt das, die poppigen, sehr erfolgreichen Songs in den 90ern waren nicht nach Ihrem Geschmack?

Kelly: Die 90er Jahre waren eine tolle Sache, aber zum Teil auch viel Kommerz. Da waren wir nicht ganz wir selbst. Wenn ich heute sehe, wie viel Kraft ein Akkordeon und eine Gitarre haben, was für ein tolles Ambiente dadurch entsteht, dann denke ich schon: Es gibt einige Sachen, die ich heute nicht mehr machen würde. Die großen Bühnen, die Riesen-Beleuchtung, das war schon übertrieben.

Heißt das, es würde Sie nicht reizen, noch einmal die großen Stadien zu füllen?

Kelly: Wenn ich es hinbekommen würde, in Stadien von 50 000 Leuten trotzdem das Gefühl rüberzubringen, man wäre in Irland in einem Pub, dann würde mich das schon interessieren. Aber das ist schwierig in so großen Hallen. Aber die Stadien haben auch einen Kick; das ist als ob man Achterbahn fährt. Aber das ist auch nicht real. Ich bin nicht die Kelly Family, ich bin Jimmy, und ich habe kleinere Schuhe. Ich kann nicht erwarten, dass 10 000 Leute kommen.

Wie viele Leute kommen denn zu Ihren Konzerten?

Kelly: Das sind zwischen 300 und 500, maximal 700. Viele Konzerte sind ausverkauft. Ich kann heute 80 Konzerte im Jahr machen, ohne im Fernsehen präsent zu sein oder großes Tamtam zu machen. Es gibt eine treue Fangemeinde, was die Kelly Family betrifft, und das schon seit den 70er Jahren. Ich bin dankbar, dass ich die Chance habe, meine Musik zu machen. Es gibt viele Musiker, die besser sind als ich, die aber einen Nebenjob haben müssen. Es ist nicht selbstverständlich, dass man mit sieben Leuten und allem was dazu gehört auf Tour gehen kann.

Wie sieht denn Ihr Leben aus, wenn Sie nicht auf Tour sind?

Kelly: Ich wohne in einem 08/15-Haus, direkt neben meiner Schwester Patricia. Wir teilen uns einen Riesen-Garten, in dem die Kinder spielen und wir grillen können. Aber jeder muss seinen eigenen Rasen mähen. Meine deutsche Frau und ich leben ganz normal in diesem System, in dieser Welt. Früher hatten wir unser eigenes System. Ich will nicht alles wiederholen, was mein Vater gemacht hat, aber ich nehme einiges davon mit.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren Geschwistern?

Kelly: Ja, natürlich. Privat verstehen wir uns sehr gut. Wir leben zwar in verschiedenen Ländern, aber wir sehen uns doch öfters. Gerade ist Angelo zu Besuch.

Gibt es etwas aus Ihrer Kelly-Family-Zeit, an das Sie sich besonders gerne erinnern?

Kelly: An die Straßen. Das war sehr abenteuerlich, wir hatten weniger Druck, es war sehr locker. Aber ich war damals ein Kind, vielleicht habe ich es auch deshalb in so schöner Erinnerung.

Aber auch jetzt singen wieder auf der Straße.

Kelly: Ja, ich bin eben der nostalgische Typ. Deshalb habe ich vor etwa zwei Jahren angefangen, spontan auf der Straße zu singen. Meine Frau macht auch mit. Das ist ein tolles Gefühl, einfach der Wahnsinn. Du musst dich nach dem Wetter und den Regeln der Stadt richten. Und es liegt alles an dir selbst. Singst du nicht gut, hast du auch kein Publikum. Es ist ehrliche Arbeit. Und du kannst ein neues Publikum gewinnen. Denn nicht alle Menschen sind Kelly-freundlich. Vielen gefällt die Musik, und dann sind sie überrascht, dass ich ein Kelly bin. Ich werde aber auch sehr oft erkannt.

Auf einen Blick

 In den 90er Jahren räumte die Kelly Family jede Menge Preise ab. Foto: dpa
In den 90er Jahren räumte die Kelly Family jede Menge Preise ab. Foto: dpa

Die Kelly Family steht seit 1975 im Rampenlicht. Damals wurde das spanische Fernsehen auf sie aufmerksam. 1979 kam die Familie nach Deutschland und erhielt ihren ersten Plattenvertrag. Der ganz große Durchbruch kam im Jahr 1994 mit dem Album "Over the hump", das sich allein in Deutschland mehr als 3,5 Millionen Mal verkaufte. Es war zwischen 1994 und 1996 insgesamt 111 Wochen in den deutschen Charts, davon 52 Wochen in den Top Ten. Der Nummer-eins-Hit "An Angel" war 28 Wochen in den Charts, davon elf Wochen in den Top Ten. Bis 2006 hatte die Kelly Family 48 Gold- und Platin-Auszeichnungen erhalten. Die Straßen und Zelte wurden mit Hallen und Fußballstadien getauscht. In Wien spielte die Kelly Family vor 250 000 Menschen. Seit 2000 standen nur noch einzelne Mitglieder gemeinsam auf der Bühne, einige von ihnen haben Solo-Projekte gestartet. him