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Stimmen aus dem Landkreis St. Wendel zur geplanten Reform des ÖPNV

Busverkehr : Tarifreform weist den richtigen Weg

Positiv fallen Reaktionen im St. Wendeler Land auf die geplante Tarifreform des ÖPNV aus. Eine flexible und kostengünstige Anbindung sei gerade für den ländlichen Raum wichtig.

Als großen und wichtigen Schritt in die richtige Richtung zur Schaffung eines attraktiven, einfachen, bedarfsgerechten und bezahlbaren Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) bewertet der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald (CDU) die zwischen den Aufgabenträgern im Zweckverband Personennahverkehr (ZPS) diskutierten Maßnahmen für eine Tarifreform (SZ berichtete, siehe Info).

Seit Jahren bohre der Landkreis St. Wendel in dieser Hinsicht dicke Bretter. Er sei froh, dass dies nun erste Früchte trage. Udo Recktenwald betont in einer Pressemitteilung: „Mobilität ist Daseinsvorsorge, gerade im ländlichen Raum. Vor dem Hintergrund wegbrechender Infrastruktur in kleinen Dörfern ist es wichtig, den Menschen eine bezahlbare und flexible Anbindung an die größeren Orte zu bieten, damit sie die notwendigen Dienstleistungen in Anspruch nehmen und am Gesellschafsleben teilhaben können.“

Der Landkreis St. Wendel habe mit seinem ÖPNV-Team bereits in den vergangenen Jahren auf eigene Faust versucht, Anreize zu setzen, etwa beim Seniorenticket. Dennoch blieben viele, auf der ungerechten Wabenstruktur basierende Ungereimtheiten, etwa im landkreisübergreifenden Schülerverkehr.

Udo Recktenwald betont, man dürfe an diese grundlegende Reform nicht mit der Schere im Kopf herangehen und zuerst fragen, was das alles kostet: „Es entstehen Mehrkosten. Das ist es aber auch wert, um Menschen Mobilität zu sichern und gleichzeitig durch den Umstieg vom Auto auf den ÖPNV auch ökologisch Sinnvolles zu tun.“ Die durch diese Reform entstehenden Mehrkosten müssten alle Aufgabenträger gemeinsam tragen, also Land und Landkreise. Er sei froh, so Recktenwald, dass alle Aufgabenträger grundsätzliche Zustimmung zu dieser Reform signalisiert hätten.

Der Landrat: „Die Reformvorschläge folgen dem, was wir als Landkreis uns auch vorstellen, um den ÖPNV bedarfsgerechter und bezahlbarer zu machen, gleichzeitig einfacher und flexibler. Ziel ist es, mit einem pauschalen und kostengünstigen landesweiten Schülerticket inklusive Geschwisterrabatt und Schülerfreizeit-Ticket die Benachteiligung von Schülern über Landkreisgrenzen hinweg zu überwinden und gleichzeitig den Geldbeutel der Eltern zu schonen.“ Ziel sei es, das in St. Wendel bereits gültige Seniorenticket landesweit pauschal anzubieten. Außerdem sollen mit einem Sozialticket die Kosten für sozial Bedürftige auf den Hartz-IV-Satz reduziert werden, um keine Zusatzkosten für die Betroffenen zu verursachen. Es ist angedacht, mit nur noch zwei unterschiedlichen Tageskarten familienfreundliche Preise für zwei Erwachsene mit Kindern und für bis zu fünf Personen mit Kindern anzubieten. Darüber hinaus soll mit dem Jobticket und einem Angebot für Auszubildende die Nutzung für Berufstätige verbessert werden.

Mit einer solchen Tarifreform könnten das Land und die Regionen einen deutlichen Schritt nach vorne machen. „Natürlich ist die Tarifreform nur einer, wenn auch ein zentraler Baustein zur Verbesserung des ÖPNV und seiner Nutzung im Land.“ In der weiteren Folge werde man  auch über die Strukturen mit vielen Aufgabenträgern und unterschiedlichen Systemen, die generelle Finanzierung, attraktivere Bedingungen für Busfahrer sowie über die weitere Digitalisierung im ÖPNV zu reden haben.

Lob kommt auch von der SPD im Landkreis. Sie begrüßt den aktuellen Vorstoß der Verkehrsministerin Anke Rehlinger, das Wabensystem überwinden und eine neue Tarifstruktur einführen zu wollen. Der Marpinger Bürgermeister Volker Weber, Kommissionsvorsitzender für den ÖPNV im SPD-Kreisverband, unterstreicht: „Der erste wichtige Schritt ist mit dem vorgestellten Konzept gemacht. Er bildet eine gute Grundlage zur weiteren Debatte über einen modernen und zukunftsfähigen ÖPNV im Saarland.“ Für den Landkreis St. Wendel müsse in den nächsten Wochen genau betrachtet werden, welche Dörfer wie über den Öffentlichen Nahverkehr angebunden werden könnten. Ebenso müsse die Häufigkeit der Busverbindungen auf den Prüfstand. Weber: „Es kann nicht sein, dass manche Orte in unserem Landkreis nur vormittags angefahren werden und abends kein Zurückkommen oder Wegkommen mehr möglich ist.“ Und weiter: „Die SPD ist sich bewusst, dass dies auch Geld kosten wird und solche Angebote eben nicht zum Nulltarif zu bekommen sind.“ Für den SPD-Kreisverband sei ein ordentlicher ÖPNV wichtige Daseinsvorsorge, die sich ein modernes Bundesland leisten müsse.

Weber: „Sehr zu begrüßen sind die sozialen Aspekte in der jetzt vorgeschlagenen Tarifstruktur. Nicht nur Auszubildende sollen von den neuen Tarifen profitieren, sondern auch die Schüler. Somit werden Familien und junge Menschen entlastet und der ÖPNV für sie bezahlbarer.“ Öffentlicher Nahverkehr sei auch Sozialpolitik, weshalb die SPD auch die Einführung eines Sozialtickets für gut befindet. Der SPD-Politiker: „Hier wird es Menschen ermöglicht, besser am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.“

Es müsse auch gelingen, die städtischen Zentren gut an den ländlichen Raum anzubinden, so Volker Weber. Es sei wichtig, dass die Verkehrswege der Menschen betrachtet würden und eine sinnvolle Linienführung angeboten werde. Damit dies gelinge, müssten die Kommunen in diesen Dialog mit eingebunden werden.