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St. Wendeler Landrat regt Diskussion über Quarantänen von Schulklassen an

Kein Lockdown durch Hintertür : Landrat regt Diskussion über Quarantänen von Schulklassen an

St. Wendels Landrat Udo Recktenwald möchte ein Umdenken bei der Quarantäne von ganzen Schulklassen.

Um einen „Lockdown durch die Hintertür“ an Schulen zu vermeiden, hat sich der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald (CDU) dafür ausgesprochen, bei einem infizierten Schüler nicht automatisch die gesamte Schulklasse in Quarantäne zu schicken. Recktenwald plädiert für ein landesweites Umdenken: Sofern im Unterricht ein Mund-Nasen-Schutz getragen und im Klassensaal ausreichend gelüftet wird, sollten die Schüler, die als Kontaktpersonen des infizierten Klassenkameraden gelten, weiterhin zur Schule gehen.

Dies entlaste die Gesundheitsämter, die Eltern und gewährleiste die Aufrechterhaltung des schulischen Bildungsangebotes. Insofern sei zu überlegen, den Mund-Nasen-Schutz auch auf die unteren Klassenstufen der weiterführenden Schulen auszuweiten und den Einsatz mobiler Lüftungsgeräte in unzureichend lüftbaren Räumen sowie CO2-Ampeln zügig umzusetzen. Ebenso könnte das Lüften in jedem Schulraum dokumentiert werden. Der Landrat hofft, dass diese Punkte in den zuständigen Ministerien intensiv diskutiert werden.

Darüber hinaus regt Recktenwald eine landesweite Diskussion über eine Doppelstrategie in der Kontaktnachverfolgung an. „Die bisherige Kontaktnachverfolgung aller Infizierten zum Brechen der Infektionsketten sollte auf jeden Fall beibehalten werden“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung. Dies sei derzeit trotz hoher Fallzahlen – so seine Erkenntnis im Gesundheitsamt St. Wendel – immer noch leistbar. Darüber hinaus sei es aber notwendig, sogenannte Quellcluster aufzuspüren, das heißt die Zurückverfolgung einer neuen Infektion auf ihre möglichen Quellen und Ereignisse.

Alle Mitglieder dieser Quelle werden für fünf Tage isoliert und danach getestet, wer dann negativ ist, darf die kurzzeitige Quarantäne wieder verlassen. „Ohne diese zusätzliche Methode hätten wir das Cluster in der Gemeinde Marpingen nicht so schnell aufgespürt“, betont der Landrat. Insofern reiche es nicht aus, die unmittelbaren Kontakte zu ermitteln, sondern auch die Ereignisse, aus denen die Infektion herrühren kann.