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St. Martin reitet auch in der Corona-Krise im Kreis St. Wendel

St. Martin reitet auch in Corona-Zeiten : Wie immer, nur anders: Musik, Lichter, Reiter

Corona hielt St. Martin nicht auf. Ein Blick nach Steinberg-Deckenhardt und nach Gronig.

Dass am Martinstag die Laternenumzüge mit anschließendem Feuer ausfallen mussten, ist sicher bedauerlich. Denn Menschenansammlungen, zudem noch mit Gesang, sind in diesen Corona-Tagen nicht angesagt. Aber es gab Alternativen – und die hätten dem heiligen Martin gewiss gefallen.

Um den Kindern in Steinberg-Deckenhardt eine Freude zu bereiten, stieg die 13-jährige Leonie Schmidt am Mittwochnachmittag in den Sattel des Islandpferdes Socke. Gekleidet wie ein römischer Soldat ritt sie durch das Dorf. Dahinter rollte ein Bollerwagen, aus dem Ortsvorsteherin Inken Ruppenthal die Martinsbrezeln für die Kinder entnahm und sie vor den Haustüren ablegte. „Wir haben 80 Kinder im Alter bis zwölf Jahre, denen wir Brezeln bringen. Die Übergabe ist kontaktlos, das ist notwendig“, betonte die Ortsvorsteherin. Und die St.-Martin-Darstellerin hoch zu Ross staunte nicht schlecht, wie sie von der Bevölkerung des 800-Einwohner-Ortes empfangen wurde. Kinder schauten aus dem Fenster, die Fassaden der Häuser waren mit Laternen oder Teelichtern dekoriert. Der kleine Moritz und seine Schwester Emilia winkten dem heiligen Mann mit schaukelnden Laternen zu. Ortschefin Ruppenthal schwärmte: „Toll, weil auch die älteren Menschen richtig gut mitmachen. Sie sehen jetzt mal einen Martinsumzug im Dorf, sonst machen wir den gemeinsam mit dem Nachbarort in Güdesweiler“, berichtete Ruppenthal.

 Mit leuchtenden Laternen haben Moritz (links) und Emily den heiligen Martin in Steinberg-Deckenhardt begrüßt.
Mit leuchtenden Laternen haben Moritz (links) und Emily den heiligen Martin in Steinberg-Deckenhardt begrüßt. Foto: Frank Faber

Locker trabte St. Martin auf Socke durch Steinberg-Deckenhardt. Jeder Haushalt mit Nachwuchs bis zwölf Jahre wurde abgeklappert. „Ich habe ein paar Möhrchen als Bestechung dabei, die bekommt er, wenn er keine Lust mehr zum Weiterlaufen hat“, erläuterte Bettina Schmidt, die ihre Tochter Leonie begleitete. Für Ruppenthal war ebenso wichtig, das Brauchtum eines Martinsumzuges aufrechtzuerhalten. „Im Kindergarten und in der Grundschule werden von den Kindern die Laternen gebastelt, dann sollen sie auch von St. Martin besucht werden“, meinte sie. Denn was bleibt ihnen sonst an so einem tristen Novembertag im Lockdown?

 Auf der Flöte am Fenster spielte Rüdiger Federkeil die Hymne des heiligen Martin.
Auf der Flöte am Fenster spielte Rüdiger Federkeil die Hymne des heiligen Martin. Foto: Frank Faber

Mit einer kreativen Idee hatte der Ortsrat in Gronig die Kinder auf den Martinstag vorbereitet. „Wir haben alle Kinder animiert, Bilder zum Thema St. Martin zu malen“, sagte Ortsvorsteher Björn Gebauer. Da die Brezeln im Kindergarten und in der Schule bereits verteilt worden waren, hatte Gebauer den Bollerwagen mit Geschichtsheftchen über St. Martin und Sankt-Martin-Bio-Schokoriegeln als Geschenke für die Kinder beladen. „Wir besuchen 153 Kinder im Alter bis 14 Jahre.“ Dafür musste Gebauer einen ordentlichen Fußweg im 1300-Einwohner-Dorf zurücklegen.

Vorneweg trabte Ida Noss in der Rolle des heiligen Martin mit dem Islandpferd Skioni. Ihre Mama Kim Noss führte dahinter die neunjährige Stute Adelheid an der Leine. „Das Schöne ist, man merkt, dass den Leuten was fehlt, und mit den vielen leuchtenden Laternen in den Fenstern bringen sie Leben in die Straßen“, freute sich Gebauer.

Und die Groniger unterstützen den kleinen Martinsumzug riesig. Die Kinder schwenkten bunt leuchtende Laternen von der Fensterbank, und in mehreren Straßen erklang Livemusik aus den Häusern. In der Straße Vor der Kipp blies Frank Schön, der Vorsitzende des Musikvereins Harmonie Gronig, das St.-Martin-Kinderlied mit einem Blasinstrument in den nebligen Abendhimmel. Ein Klarinettist löste ihn um die Ecke Im Wieschen ab. In der Theleyer Straße stimmte Rüdiger Federkeil den musikalischen Klassiker mit der Flöte an, und die Familie im Nachbarhaus sang mit. „Großartig danke, ganz große Klasse“, rief Gebauer nicht nur seinen musikalischen Mitbürgern zu.

Zwischendrin hatte er ja noch alle Hände voll zu tun. Vor den Häusern sammelte der Ortschef die gemalten Bilder ein. „Daraus werden wir eine Collage anfertigen, die dann in der Kirche ausgestellt wird“, sagte Gebauer, damit der Martinstag auch einen nachhaltigen Mehrwert bekommen soll. Gute zwei Stunden war er mit Kim und Ida Noss am Namenstag des Heiligen unterwegs.