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So trifft die Corona-Krise die Vereine im Landkreis St. Wendel

Kostenpflichtiger Inhalt: In Zeiten Coronas : Vereine ohne geselliges Leben und Einnahmen

Sportheime zu, keine Heimspiele: Die Corona-Krise trifft auch die zahlreichen Vereine im Landkreis St. Wendel.

Nirgendwo werden mehr Fußballweisheiten geboren und hitzige Diskussionen geführt als in den Sportheimen. Weil ein Virus die Weltsportart Nummer eins abgepfiffen hat, steht derzeit alles still. Die Treffs der Vereinsmitglieder sind wegen der Corona-Pandemie nun schon seit mehr als einem Monat dicht. Das stellt die Fußballklubs vor große Probleme – inklusive finanzieller Einbußen.

Fast ein Jahr hat der VfB Theley sein Vereinsheim energetisch saniert. „Jetzt sind wir fertig, aber haben es selbst nicht nutzen und zur Verpachtung ausschreiben können“, berichtet Vorstandsmitglied Mario Loncár. Eine Eigenleistung in Höhe von 40 000 Euro hat der Verbandsligist laut seiner Internetseite zur Komplettsanierung beisteuern müssen. Aber derzeit steht das Gebäude leer, Einnahmen sind nicht zu generieren. „Da fehlen uns die Heimspiele, und zusätzlich sind alle Veranstaltungen im Schaumbergstadion abgesagt. Allerdings müssen wir bei allen Problemen immer die Gesundheit der Menschen im Blick haben“, sagt Loncár. Dem Verein fehle im Augenblick eine klare Perspektive, wie es mit der unterbrochenen Fußballsaison weitergeht. „Alles ist völlig ungewiss, wir können nur abwarten und sind bereit, sobald es wieder losgeht“, meint das Vorstandsmitglied.

Vor einem Jahr hat das Ehepaar Tanja und Knut Eisenhut als Pächter das Sportheim des FC Freisen im Bruchwaldstadion übernommen. „Seit Mitte März haben wir keine Einnahmen, drei Geburtstagsfeiern absagen müssen, es ist eine Katastrophe“, bezeichnet Knut Eisenhut das Dilemma. Da seine Frau den Pachtvertrag unterzeichnet hat und noch im Altenheim arbeite, könne kein Zuschuss beantragt werden. „Dafür sind wir vom Verein unterstützt worden, der momentan kulanterweise auf die Pachtzahlung verzichtet. Das ist sehr human“, betont Knut Eisenhut. Ein Abbruch der aktuell ausgesetzten Saison würde den Betreibern das Loch in der Kasse noch größer werden lassen. „Denn wie sollen wir über eine lange Zeit ohne Heimspiele über die Runden kommen?“, fragt er sich. Deshalb sei es für ihn umso unverständlicher, dass die Öffnung einer Außengastronomie mit Bestuhlung unter Auflagen nicht genehmigt werde.

Am 11. März war das Sportheim des Saarlandligisten VfL Primstal letztmals geöffnet. „Es ist eine große Flaute, und das Geld geht flöten, aber die Gesundheit aller ist wichtiger“, meint Pächterin Sabrina Feit. Da sie und ihr Ehemann Toni noch berufstätig seien, könnten die finanziellen Einbußen verschmerzt werden. „Es fehlt einfach das gesellige Leben und die Kommunikation“, sagt sie allerdings. Alle geplanten Veranstaltungen im Sportheim und auf dem Kunstrasen des Allerswaldstadions sind gestrichen worden.

„Im dritten und vierten Quartal wird es für uns happig werden“, befürchtet Dirk Cullmann, Vorstandsmitglied des FC Niederkirchen. Aktuell habe der A-Ligist aufgrund von Rücklagen noch ein finanzielles Polster. „Weil wir in den zurückliegenden 18 Monaten unser Sportheim in Eigenregie geführt haben“, erläutert Cullmann. Doch nun seien dem Verein die Hände gebunden. „Mit Sportfest und dem Stand beim St. Wendeler Stadtfest fehlen uns ganz wichtige Veranstaltungen. Und wir müssen die Zeit ohne Einnahmen überbrücken“, weiß er. Mit Sicherheit, so Cullmann weiter, werden ganz neue Auflagen für das Sportheim auf den Verein zukommen, wenn der Ball wieder auf dem Platz rollt. „Aber keine Ahnung, wann das ist“, sagt Cullmann.

Der Ball ruht. Nicht nur in der Bundesliga, sondern auch bei den Vereinen im St. Wendeler Land. Foto: dpa/Tobias Hase

Auch die SF Winterbach verbuchen einen Großteil ihrer Einnahmen aus dem Erlös des Sportheimes. „Trotz der Schließung laufen einige Kosten doch weiter“, erklärt Vereinswirt und Kassierer Peter Wagner. Die Zwangssperrung habe generationsübergreifend das gesellige Leben im St. Wendeler Stadtteil nahezu lahmgelegt. „Von der Jugend bis zu den Alten Herren treffen sich die Fußballer auf dem Feld und anschließend im Sportheim“, so Wagner. Er hofft, dass so schnell wie möglich wieder gekickt wird, allerdings nicht mit Geisterspielen. „Amateurfußball ohne Zuschauer, das geht überhaupt nicht. Ohne Zuschauer ist die ganze Stimmung weg und das Sportheim genauso leer wie jetzt“, meint Wagner. Derzeit diskutieren die Verantwortlichen des Saarländischen Fußballverbandes mit den Vereinen, wie die Spielzeit beendet werden kann.