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So geht es in der Corona-Krise den Reisebüros im Landkreis St. Wendel

In Zeiten der Corona-Krise : So steht es um die Reisebüros im St. Wendeler Land

Die Pleite des Tourismus-Konzerns Thomas Cook im vergangenen September hat der Branche erheblich zugesetzt. Noch heftiger schlägt nun die Corona-Pandemie bei den Reisebüros ins Kontor: Geschlossene Grenzen, reduzierte Flüge, Kreuzfahrtunternehmen, die ihre Reisen komplett eingestellt haben und ihre Schiffe im Hafen liegen lassen, angedrohte Quarantäne, wenn man in viele Länder einreisen will.

Aktuell haben eine Vielzahl von Ländern ein Einreiseverbot für Deutsche verhängt und die Grenzen abgeriegelt. Seit Mittwoch sind nun die Reisebüros vorerst bis 30. März dicht und die Zukunft ist völlig ungewiss.

„Das hat die Regierung beschlossen, aber von oberster Stelle fehlen uns jegliche Informationen, und die Kosten laufen weiter, ohne dass wir geöffnet haben“, klagt Annette Weber, Geschäftsführerin des St. Wendeler City-Reisebüros. Seit Tagen sei sie ständig mit neuen Gegebenheiten konfrontiert und mit Stornierungen und Umbuchungen beschäftigt. „Wir haben drei Mal die gleiche Arbeit gemacht und dann die Provisionen wieder zurückgezahlt“, sagt Weber. Die Lage habe sich zugespitzt, ihr Personal habe sie nach Hause schicken müssen. „Wir überlegen jetzt, wie es weitergehen kann. Kurzarbeit beantragen? Aber über Monate ist das nicht zu schaffen“, ist Weber überzeugt.

Nina Holzer, Geschäftsführerin des TUI-Reisecenters in St. Wendel meint: „Durch die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für nicht touristische Reisen in den nächsten 30 Tagen kommt nichts rein.“ Ob sich die Situation in 14 Tagen verbessert werde, sei nicht absehbar. „Erst wenn wir wieder das Go zum Öffnen bekommen, dann sind wir wieder für unsere Kunden da“, sagt Holzer. Ab 27. März will die Fluggesellschaft TUI fly wieder Passagiere nach Spanien, Madeira und zu den Kanarischen Inseln befördern.

„Am 28. März soll es auch wieder nach Ägypten gehen. Die Flüge sollten storniert werden, in der momentanen Lage ist das alles zu kurzfristig“, meint Stefan Würtz, Inhaber des St. Wendeler Best Reisebüros. Deshalb sei es für ihn schwierig zu verstehen, warum Außenminister Heiko Maas (SPD) für 50 Millionen Euro die Touristen auch aus Ägypten und von den Kanaren ausfliegen lässt. „Von Tag zu Tag haben wir in den Zielgebieten eine andere Regelung. Wenn zum Beispiel bis zum 30. April alles dicht wäre, dann würde mal Ruhe einkehren“, findet Würtz.

Wichtig für ihn sei, dass die Verantwortlichen Klarheit und Rechtssicherheit schaffen, auch wenn dies zum Shutdown führe. Durch die wieder an die Veranstalter zurückgezahlten Vergütungen, sei derzeit an Umsatz nicht zu denken. Mit „Negativumsatz“ betitelt Würtz sein aktuelles betriebswirtschaftliches Ergebnis. Für zu dünn hält er das Zehn-Millionen-Euro-Kreditprogramm der saarländischen Regierung, um Unternehmen über Corona-bedingte Schwierigkeiten hinwegzuhelfen. Das Wirtschaftsministerium müsse bessere Konditionen für die Betriebsmittelkredite schaffen. Seine Prognose für das Jahr 2020: „Auch wenn die Nachfrage da ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass Kunden die Reisebüros stürmen werden.“

Mehr Ruhe und Besonnenheit überhaupt wünscht sich Sabine Ost im Augenblick. „Die Hysterie, die unter den Menschen ist, ist nicht nötig. Sie werden durch die Medien richtig aufgepeitscht“, beobachtet die Geschäftsführerin des Reisebüros Ost in Oberthal. Und dadurch sei die Unsicherheit bei Reisebürokunden sehr groß. „Die Leute bekommen ja überhaupt Angst, noch einmal wegzufliegen, weil sie dann erkranken könnten“, beschreibt Ost das Szenario. Wie lange das jetzt mit der Corona-Krise nach andauere, könne niemand voraussagen. „Ich habe auch keine Glaskugel“, sagt sie. An der Thomas-Cook-Pleite habe sie noch jetzt zu knabbern und alle Provisionen bei den zuletzt stornierten Flugreisen zurückzahlen müssen. „Bei gebuchten Kreuzfahrten ist das anders, da steht die gleiche Reise auch im nächsten Jahr wieder auf dem Programm“, erklärt sie. In die Luft schickt Ost ohnehin in der nächsten Zeit niemand. Dafür findet sie nun die Zeit, unentgeltlich mitorganisieren zu können, dass Urlauber aus Südafrika und von den Malediven wieder in die Heimat zurückkehren können.