Schnell wie der Blitz

Marpingen. David Scherer scheint mit seinem Renn-Rollstuhl zu verschmelzen. Er senkt den Oberkörper, um dem Wind möglichst wenig Widerstand zu bieten. Auf bis zu 39 Stundenkilometer beschleunigt der 14-Jährige, bei diesem Tempo kann auch die oft ein bis zwei Jahre ältere Konkurrenz nicht mehr mithalten

Marpingen. David Scherer scheint mit seinem Renn-Rollstuhl zu verschmelzen. Er senkt den Oberkörper, um dem Wind möglichst wenig Widerstand zu bieten. Auf bis zu 39 Stundenkilometer beschleunigt der 14-Jährige, bei diesem Tempo kann auch die oft ein bis zwei Jahre ältere Konkurrenz nicht mehr mithalten. Bereits in seinem zweiten Wettkampf-Jahr ist dem Talent etwas gelungen, von dem andere lange träumen: Er fährt zur Junioren-Weltmeisterschaft der Rollstuhlfahrer- und Amputierten-Sportförderation (IWAS) nach Olomouc in Tschechien. "Sensationell, ein absolutes Jahrtausend-Talent", schwärmt Trainer Wolfgang Blöchle vom Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband-Saarland (BRS) über Scherer. "In ganz Deutschland gibt es keinen in seinem Alter, der so schnell ist." Vor zwei Jahren kam David das erste Mal ins Training zum Olympiastützpunkt in Saarbrücken. Und schon beim zweiten Treffen habe Blöchle gewusst, dass etwas Besonderes in dem Jungen steckt. Seit seiner Geburt ist David Scherer im Lendenwirbelbereich querschnittsgelähmt und kann dadurch nur sehr kurze Strecken gehen. Mit seinem Rennrollstuhl könne David die gleichen Bewegungen wie ein Läufer ausführen, nur eben mit den Armen. "So wie der Läufer mit den Füßen Druck auf den Boden ausübt, überträgt David den Druck durch seine Daumen auf das Rad", erklärt Blöchle. Um das Rad anzutreiben, schlägt David mit Daumen oder Handballen auf die Greifringe, die am Rad befestigt sind und es in Bewegung bringen. So genannte Schlaghandschuhe, schützen dabei seine Hände vor Verletzungen. "Die Technik ist wichtiger als die Kraft", erklärt David. Dass er sie so schnell drauf hatte, überraschte seinen Trainer: "Viele seiner Gegner trainieren schon, seit sie sieben sind. David hat erst mit zwölf angefangen." Neben seiner schnellen Auffassungsgabe und seiner tollen muskulären Ausstattung zeichne David aus, dass er es schaffe, "cool" zu bleiben, erzählt Blöchle. "Bei Lang- und Mittelstrecken ist er besonders stark. Er hängt sich erst mal an die anderen ran, und wenn die ihm dann zu langsam werden, zieht er vorbei." Er nehme es so locker, dass er manchmal während den Rennen sogar anfange, seinen Gegnern Geschichten zu erzählen. Auf der anderen Seite sei er aber auch furchtbar faul, "manchmal braucht er einfach einen, der ihn tritt", scherzt Blöchle. Gewohnt "cool" sieht David auch der WM entgegen. Noch, denn die Nervosität sei immer dann am größten, wenn er zum ersten Mal das Stadion sehe, erzählt David. Konkrete Ziele hat er sich für die WM nicht gesetzt. "Es gibt keinen Erfolgsdruck", meint der 14-Jährige. Sieben Starts stehen für ihn zwischen dem 22. und dem 25. August auf dem Plan.Die besten Medaillenchancen sieht sein Trainer über 1500 und über 5000 Meter, wobei die Medaillen nicht das wichtigste seien: "Wenn er bei der WM Bestzeit fährt, ist das ein riesiger Erfolg, egal ob dabei eine Medaille rauskommt. Es geht darum, über sich selbst hinauszuwachsen", meint Blöchle. Nominiert für die WM wurde David auf Grund seiner guten Leistungen bei den deutschen Meisterschaften der Behinderten im Juli dieses Jahres in Bottrop. Gleich dreimal über 400, 800 und 1500 Meter holte er dort den Meistertitel. "Sensationell, ein absolutes Jahrtausend-Talent."Wolfgang Blöchle, Trainer des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbands