Zwischen Fondue und Blumenkohl an der Lippe - Wie SZ-Kollegen den Jahreswechsel verbringen

Zwischen Fondue und Blumenkohl an der Lippe - Wie SZ-Kollegen den Jahreswechsel verbringen

Vorsätze, zuprosten, mit Freunden feiern – viele begehen den Jahreswechsel in froher Runde. Dabei läuft nicht immer alles so wie geplant. Und jeder nimmt das Fest anders wahr. Vor allem den Tag danach: verkatert oder putzmunter.

Prost auf ein erfolgreiches neues Jahr. Archivfoto: Ole Spata/dpa.

Vorsätze, zuprosten, mit Freunden feiern - viele begehen den Jahreswechsel in froher Runde. Dabei läuft nicht immer alles so wie geplant. Und jeder nimmt das Fest anders wahr. Vor allem den Tag danach: verkatert oder putzmunter. Silvester - der Name klingt schon außergewöhnlich. Der Tag ist nach römisch-katholischem Kalender Papst Silvester gewidmet. Ob an ihn noch viele Zeitgenossen denken, wenn der Jahreswechsel bevorsteht? Interessanter und wichtiger für viele: Wo feiere ich die Nacht der Nächte? Welcher Sekt soll's sein? Was kommt auf den Tisch? Und wie viel geben wir für Böller aus? Auch die Kollegen der St. Wendeler SZ-Redaktion machen sich dazu ihre Gedanken - mit Blick auf vergangene Feiern ins neue Jahr.

Volker Fuchs: Im Vergleich zu Heiligabend und Weihnachten spielt für mich Silvester keine so große Rolle. An Weihnachten trifft sich die ganze Familie, sitzt zusammen, feiert und genießt. Das Top-Ereignis im Dezember. Silvester feiern wir mal zu zweit, mal im Freundeskreis . Früher, als die Kinder noch klein und im Haus waren, natürlich mit diesen. Immer gemütlich, immer ohne Stress. Auch schön, aber lange nicht so bedeutsam wie Weihnachten .

Den Silvestertag lassen wir geruhsam angehen. Im wahrsten Sinne des Wortes bei einem Spaziergang. Oder im übertragenen bei einem Besuch in einer Sauna. Abends schmilzt dann das Fett im Topf: Fondue ist angesagt. Ein Genuss. Fleischstückchen für Fleischstückchen brutzelt im Fett, wird dann in leckere Soßen getunkt und gegessen. Dazu ein Stück Weißbrot. Was braucht der Mensch mehr? Das Essen kann sich lang hinziehen. Stundenlang. Schon ist es kurz vor zwölf. Sekt aufgemacht, und pünktlich zum neuen Jahr wird angestoßen.

Dann geht es raus vor die Tür. Ein paar Raketen werden in die Luft gejagt. Nicht viele. Aber ein bisschen Knallerei muss sein. Dann wird geguckt, welcher Nachbar zuhause ist und mit diesem aufs neue Jahr angestoßen. Das kann dann schon mal zu einer spontanen Feier bis in den frühen Morgen werden. Kann, muss aber nicht.

Übrigens: Gute Vorsätze habe ich jedes Jahr. Immer: Abnehmen und mehr Sport treiben. Alle Jahre wieder.

Melanie Mai: Als Kind habe ich Silvester genossen. Gespannt wartete ich, bis es endlich Abend war. Dann durfte ich einen Schluck Sekt trinken, und um kurz vor Mitternacht gingen meine Schwester und ich mit meinem Vater nach draußen. Mein Vater liebte es, mit uns ein Feuerwerk zu starten. Da war er mehr Kind als meine Schwester und ich zusammen. Meine Liebe zu Silvester flachte in der Jugendzeit schlagartig ab. Mein Jugendfreund hatte selbst schlechte Erinnerungen an den Jahreswechsel - und war genau an diesem Tag, wenn alle anderen feierten, schlecht gelaunt. So schlecht, dass ich nur hoffte, den Tag und die Nacht halbwegs harmonisch zu überstehen. Daran hat sich übrigens bis heute nicht viel verändert. Für mich ist Silvester ein Tag, an dem man krampfhaft auf die Uhr schaut und sich wach hält, egal wie müde man ist. Es muss gefeiert werden! Symptomatisch für mich: Am Mega-Jahrtausendwechsel war ich krank.

Meine schönsten Silvestertage verbrachte ich übrigens in den Bergen. Als mein Mann und ich uns entschlossen, über den Jahreswechsel in Ski-Urlaub nach Tirol zu fahren, war das die beste Entscheidung überhaupt. Den ganzen Tag auf der Piste, abends in der Ferienwohnung ein Bierchen trinken, dann in Ruhe in den erleuchteten Nachthimmel blicken - und so richtig gut schlafen. Es war traumhaft. Und ich freue mich schon drauf, wenn ich das zum ersten Mal mit meiner jetzt dreijährigen Tochter erleben kann. In diesem Jahr ist sie noch zu klein, aber vielleicht klappt's zum Wechsel 2016/17.

Evelyn Schneider: Nein, es ist keine einfache Beziehung: Silvester und ich. Was als aufregende Freundschaft begann, ist heute eher eine Pflichtbekanntschaft. Die letzte Nacht im Jahr war als Kind total spannend für mich: leckeres Fondue, lange aufbleiben. Das alleine gefiel schon. Und dann war da noch das Farbenspiel am Himmel. Schlag Mitternacht stiegen Raketen auf, die funkelnde Bilder zeichneten. Die versuchte ich, mit dem Fotoapparat einzufangen. Meist mit mäßigem Erfolg, dafür aber mit umso größerer Leidenschaft. So war sie, diese unschuldige Freundschaft.

Mit den Jahren wuchsen die Erwartungen. Plötzlich umgab ein Hauch Glamour diese Nacht. Es ist wohl dieser Hype um Silvester , diese Marketing-Offensiven, die die Beziehung zwischen Silvester und mir belasten. So habe ich feiertechnisch dann auch alles mal ausprobiert: die schicke Gala im Abendkleid, die coole Party in einer Szenelocation, die gemütliche Feier im Freundeskreis . Perfekt war keine dieser Varianten. Und so lasse ich Silvester inzwischen einfach Silvester sein. Ohne Masterplan, ohne besonderen Anspruch. Wer weiß, vielleicht werden wir eines Tages doch nochmal Freunde. Zumindest habe ich selten dem 31. Dezember so entgegengefiebert wie in diesem Jahr …

Matthias Zimmermann: Körperliche Infekte und psychische Belastung - na ob das die rechten Vorboten für einen gelungenen Start ins neue Jahr sind? War auch so nicht vorgesehen. Eher unbeschwertes Feiern mit Freunden. Viele Jahre auf gleiche Art und Weise.

Zuerst zum Vorglühen die Wohnung eines Bekannten gruppendynamisch belagern, was wie der Einfall einer Heuschreckenplage anmutete. Denn auf einmal waren immens viele Kurzentschlossene von der Partie, die urplötzlich, wie aus heiterem Himmel am Stichtag 31. Dezember von Feierlustigkeit überrascht worden waren. Dann gemeinsam schmackofatzen, zumeist Raclette. Weil zum einem es niemals allen recht zu machen war, was in den Topf und anschließend von dort auf den Tellern landen sollte. Zum anderen wegen rudimentärer Kochkünste unsereins, die schon zu Beginn derbst auf den Magen geschlagen wären und somit höchstwahrscheinlich dem Feste ein jähes Ende noch weit vor Mitternacht bereitet hätten.

Kurz vor der Raketenknallerei rannte die Horde dann ins Freie. Hinaus in die Kälte. Mit Leuchtmunition ausstaffiert. Aus schier endloser Panik vor abgerissenen Gliedmaßen mit Wunderkerzen. Mein Gott, wirkten wir mit den sprühenden Leuchtstäben, mit denen wir juchzend herumwinkten, wie die Ausgeburt purer Männlichkeit. Dazu hielten wir diverse verkorkte Glasgefäße mit Perlwein in Händen.

Und damit setzte das unvermeintliche Unglück mangels genügend Trinkbecher ein. Wie leichtsinnig, wenn zum feucht-fröhlichen Zuprosten die nie mehr leer werden wollende Flasche mit fabrikgekeltertem Schampus von Mund zu Mund weitergereicht wurde. Schon am Neujahrsmorgen wachte ich sodann mit leicht prickelnder Oberlippe auf, was jedoch nicht an Überbleibseln des schaumigen Weines der Vornacht lag. Nein, eine Bläschenplantage wuchs dank Platz schaffendem Herpesvirus heran, die sich in den kommenden Tagen zu einem schmerzhaften, andauernden Blumenkohl entwickeln sollte.

So lautete immer wieder aufs Neue mein Vorsatz für kommende Silvester , auf das gemeinschaftliche Trinkgebahren zu verzichten. Doch dieser verlief ungeachtet im Sand. Ebenso wie jahrelang mein stetes Bemühen, Punkt Mitternacht das Rauchen aufzugeben. Wie töricht, im angeheiterten Zustand völlig willensschwach solche Ideen zielführend umsetzen zu wollen. Na denn Prost aufs nächste Neue!

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