Kostenpflichtiger Inhalt: Neue gestaltete Szene : Royale Gäste im St. Wendeler Zwergenwald

Wenn parallel zum Nikolausmarkt am Donnerstag die Figurenwelt an der Stadtmauer öffnet, gibt es Neues zu entdecken.

Ein stattliches Tor samt Türmen ist auf dem Parkplatz nahe der Stadtmauer errichtet. Gut, das Bauwerk ist lediglich auf eine Stellwand aufgemalt. Dennoch begibt sich der Besucher beim Durchschreiten in eine ganz besondere Welt. In dieser sind die Bewohner gerade einmal um die 30 Zentimeter klein. Ihr Reich, der Zwergenwald, besteht aus 18 Holzhäuschen. Diese gewähren einen Blick ins Wohnzimmer von Familie Wurzelmann, zeigen die Zipfelmützenträger beim Schlittenfahren, in der Klinik oder auch bei einer Hochzeit in der Dorfkirche.

Aber Moment mal, wer sitzt denn da in „Luises Schloss-Café“? Königlicher Besuch hat sich unter das Zwergenvolk gemischt. Queen Elisabeth II. hat an einem der Tische Platz genommen. Sie ist in Begleitung ihres Sohnes, Prinz Charles. Am Kleiderständer daneben hängt eine Ausgabe der St. Wendeler Zeitung. Darin geht es um royale Post, die Bürgermeister Peter Klär (CDU) im Rathaus hatte in Empfang nehmen dürfen. Leider beinhaltete diese damals die Absage der echten englischen Königin, St. Wendel einen Besuch abzustatten. Dafür hat die Mini-Queen nun für länger ihren Tisch im Café bezogen.

Die Idee dazu ist während eines Besuchs des St. Wendeler Bürgermeisters beim Zwergen-Team, das aktuell neun Mitstreiter zählt, entstanden. „Er äußerte den Gedanken, dass es doch schön wäre, königlichen Besuch in den Zwergenwald einziehen zu lassen“, erinnert sich Mechthild Marx. Die Truppe habe damals geschwiegen, aber in den kreativen Köpfen nahm die Idee bereits Formen an. Kurzerhand wurde das bestehende „Café Überzwerg“ renoviert. „Es wurde neu gestrichen, Stuhlbezüge genäht und die beiden Figuren, Queen Elisabeth und Prinz Charles, frisch modelliert“, erläutert Marx. Auch die Küchentheke wurde neu bestückt, Aufsteller mit dem Namen des Cafés auf den Tischen platziert. Ab Donnerstag, 5. Dezember, 10 Uhr, können die Besucher Queen und Co. in Augenschein nehmen. Bis zum Ende des Weihnachtsmarktes am Sonntag, 15. Dezember, öffnet der Zwergenwald täglich seine Pforten.

Danach verschwinden die Häuschen wieder in einer Halle im Industriegebiet. Dort verbringen sie Frühjahr, Sommer und ein Teil des Herbstes. Damit die Holzbuden durchlüften können, werden sie – mit Fliegenschutz versehen – auch mal geöffnet. So sind sie dann wieder frisch für ihren Auftritt in der Adventszeit. „Etwa drei Wochen stehen sie dann der Witterung ausgeliefert im Freien. Regen und Schnee in Verbindung mit Kälte setzen ihnen schon zu“, weiß Marx. Das bedeutet dann zusätzliche Arbeit fürs Zwergenwald-Team, das sich liebevoll um die modellierten Mini-Bewohner kümmert. „In den zurückliegenden Jahren sind wir hauptsächlich mit Renovierungsarbeiten beschäftigt“, sagt Marx und lacht. Das sei wie zuhause: Nach etwa 20 Jahren müsse nach und nach modernisiert werden.

1998 hat sich die Zwergenwelt zum ersten Mal den Weihnachtsmarktbesuchern präsentiert. Ein Waldhaus und eine Schul-Szene zählten zu den ersten Häuschen. Schon damals hatten sich die kleinen Bewohner an der Stadtmauer niedergelassen. Dort sind sie bis heute geblieben, aber ihre Welt ist deutlich gewachsen. „Es ist ein wunderbares Ambiente hier“, schwärmt die Zwergen-Mama. „Das wollen wir nicht hergeben.“ In der Mitte des Platzes steht ein mit Lichterketten geschmückter Tannenbaum. Drum herum sind drei Häuschen platziert. Die übrigen wurden in einem größeren Rund angeordnet. Auch Heizstrahler und Stehtische finden auf dem Areal Platz. Das Zwergen-Team stellt sich auf einer Infotafel vor, daneben wird an die Entstehung des Zwergenwaldes erinnert.

Das St. Wendeler Stadtmarketing war vor mehr als 20 Jahren auf der Suche nach einer besonderen Idee für den Weihnachtsmarkt. Die Inspiration dafür, dass Zwerge eine Hauptrolle spielen sollten, kam von einem anderen Weihnachtsmarkt im Norden. Dort wurden mit Wichteln Berufe dargestellt. „Wir haben uns das angeschaut, aber gleich gesagt: Wir machen das anders.“ Was aber blieb, waren die vermeintlich Kleinen, die groß rauskommen sollten.

Modelliert werden die Figuren übrigens im Hause Marx in Urweiler. Neue Ideen entstünden quasi während des Arbeitens. „Ich lege dann immer Holzplatten auf den Boden in den Maßen der Häuschen, darauf ordnen wir die Figuren probeweise an“, berichtet Marx vom Arbeitsablauf. Sind alle mit der Komposition zufrieden, würden Fotos geschossen, damit die Szenerie leichter in die Holzbuden übertragen werden kann. „Kleinigkeiten werden dann aber immernoch geändert.“

Das ganze Jahr über ist das Team so mit den Zipfelmützenträgern beschäftigt. Richtig los gehe es aber meistens nach Ostern. In den zurückliegenden Jahren seien treue Mitstreiter verstorben, die große Lücken hinterlassen haben. Daher würde sich Mechthild Marx freuen, wenn sich junge Leute dafür interessieren würden, die Welt der Zwerge mitzugestalten. Denn Ideen, das lässt sie durchblicken, gibt es noch viele. Mechthild Marx richtet noch einmal den Tannenbaum in der Stube von Familie Wurzelmann und blickt prüfend auf die Szenerie. „Ich freue mich schon auf die Gesichter der Kinder“, sagt Marx. Die entdeckten immer etwas Neues. Mit Freude beobachtet die Urweilerin auch, dass junge Eltern, die einst selbst mit funkelnden Augen durch den Zwergenwald spazierten, heute mit dem eigenen Nachwuchs vorbeischauen. Und der kann dieses Mal sogar eine Queen grüßen.

Blick auf das neugestaltete „Luises Schloss-Café“, in dem nicht nur Zwerge Platz genommen haben. Foto: Evelyn Schneider

Kontakt: Wer Interesse hat, Teil des Zwergen-Teams zu werden, kann sich bei Mechthild Marx melden,
Tel. (0 68 51) 8 12 07.