Wallfahrtswoche: Zwei Stunden Zeit zum Innehalten

Wallfahrtswoche : Zwei Stunden Zeit zum Innehalten

Beim Festkonzert der Wallfahrtswoche stand Bachs „h-Moll-Messe“ auf dem Programm. Basilika in St. Wendel war prall gefüllt.

Klangdom Wendelinus-Basilika: Welch anspruchsvolle Aufführung von Johann Sebastian Bachs „h-Moll-Messe“ beim Festkonzert in der Wallfahrtswoche. Das vom Kammerchor Gaudeamus und dem Kammerorchester als gleichwertige musikalische Partner vorgetragene Monumentalwerk gilt als eine der bedeutendsten geistlichen Kompositionen. Bei der Messe handelt es sich um Bachs letztes großes Vokalwerk und seine einzige Komposition, der das vollständige Ordinarium des lateinischen Messtextes zugrunde liegt. Die Kirchenbänke waren prall mit Zuhörern besetzt, als sich zum Beginn des Festkonzerts dreimal der Aufruf „Kyrie“ bis hoch auf die Empore versendete. Dies wirkte in Bildern gesprochen wie ein öffnender Vorhang für eine klangvolle Glaubensmeditation. Dies zog den Konzertbesucher unwiderstehlich an, ließ ihn lange nicht los, wenn auch der erste Teil wegen gewisser Längen den Hörer einiges an Kondition und Konzentration kostete.

Wie bei einem wechselnden Gebet antworteten Sopran und Mezzosopran „Christe eleison“. Strahlend intonierten die Trompeten „Gloria in excelsis Deo“ im Wechsel mit der Bitte des Kammerchores um Friede auf Erden. Dazu verbündete sich Chorklang mit dem Spiel des Orchesters. Groß war der Anbetungsgesang „Gratias agimus tibi“, der mit voller Pracht endete. Sabine von Blohn (Sopran), Manuel Horras (Tenor), Angela Lösch (Alt) und Michael Marz (Bass) beeindruckten mit Soli wie aus einem Guss. Untermalt von temperamentvoller Flötenbegleitung bei „Cum Sancto Spiritu“ lief der erste Chorsatz, die „Missa“ aus.

Der mit dem „Credo in unum deum“ beginnende zweite Teil beinhaltete sehr viel an Formen- und Farbenreichtum: Kreuzigung, Auferstehung und Passion, ausgedrückt von den unglaublichen wie vielseitigen Stilmitteln der Kirchenmusiker. Großartig die Bass-Arie „Et in Spiritum Sanctum“ von Michael Marz. Schön, gar speziell klang „Et resurrexit“, die Auferstehungsmusik, welche exemplarisch Kraft und Helligkeit ausdrückte. Das vom musikalischen Leiter Stefan Klemm angestrebte Klanggemälde strahlte, der Fluss passte.

„Es ist uns gelungen. Für alle war die Umsetzung des Werks ein hoher Anspruch und eine große Herausforderung“, betonte Klemm hinterher, dass die Aufführung mit der Vorbereitung allen Mitwirkenden Außergewöhnliches abverlangt hätte. Gleich mit einem wunderschönen Flötensolo setzte der vierte Chorsatz ein, kraftvoll rahmte Tenor Horras „Benedictus“ gesanglich ein. Begleitet von zart skizzierenden Streichern intonierte Angela Löschs Altstimme „Agnus Dei“. Und selbstredend stand „Dona nobis pacem“, die Bitte um Frieden, am Ende des mehr als zweistündigen Festkonzerts. Nach einer langen Zeit des Innehaltens, des Schweigens und wohl auch der inneren Ergriffenheit dankten die Zuhörer den Musikern und Sängern mit reichlich Applaus.

Die Komposition der „h-Moll-Messe“ erstreckte sich über Jahrzehnte. 1733 komponierte Bach zunächst die „Missa brevis“ aus „Kyrie“ und „Gloria“. 1748/49 erweiterte er sein Werk durch vereinzelte Neukompositionen, größtenteils aber durch Umarbeitungen vorhandener Sätze aus seinen Kantaten. Die Festmesse besteht aus 18 Chorsätzen und neun Arien.

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