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Gottesdienst: Zum Thema Homosexualität und Kirche

Gottesdienst : Zum Thema Homosexualität und Kirche

In der Stadtkirche St. Wendel gab es erstmals einen Gottesdienst im Zeichen gleichgeschlechtlicher Liebe.

Erstmals ist am Sonntag in der evangelischen Stadtkirche in St. Wendel ein Gottesdienst zur gleichgeschlechtlichen Liebe gefeiert worden. „Ist es ein großer Widerspruch Christ und homosexuell zu sein? Doch wir gehören doch alle unter einem Kreuz zusammen“, sagt Pfarrerin Christine Unrath.

Die Sängerin Kira Bronder und Gitarrist Noah Bronder intonieren dazu passend Chris Isaaks Welthit „Wicked Game“ (zu deutsch: Böses Spiel). Über ein ganz böses Spiel, die Bekämpfung der Homosexualität in Armenien, berichtet Rudi Braun von der Amnesty-International-Ortsgruppe St. Wendel. „Gegen eine Lesbe, die eine Bar betrieben hat, ist ein Anschlag verübt worden“, so Braun. Kein Einzelfall. Im September hat EU-Menschenrechtskommissarin Dunja Mijatović gar die armenische Regierung aufgefordert, überfällige Antidiskriminierungsgesetze auf den Weg zu bringen und sich gegen Homophobie auszusprechen.

Für Schwule und Lesben seien Länder wie Guatemala, El Salvador, Honduras und Mexiko kein sicherer Platz, so Braun weiter. „In Guatemala soll ein Gesetz verabschiedet werden, das gleichgeschlechtliche Ehen untersagt und verschärfte Strafen bei Schwangerschaftsabbrüchen einführt“, verurteilt Braun die Vorgehensweise der dortigen Regierung.

Transsexuelle Frauen würden sich über die Zustände an der Grenze zur USA beklagen. „Sie werden als Mensch zurückgestuft“, beklagt Braun. In Präsident Donald Trumps Amerika werde es für sie nun noch viel schwieriger sein, Asyl gewährt zu bekommen.

Alexius Klein, Mitglied in der ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexualität und Kirche (HuK), leitet zum Thema anhand seiner Erfahrung ein, was es bedeutet, schwul zu sein. „Der Vorsitzende vom Verein fragte mich, ob ich homosexuell bin. Ich habe geantwortet: Macht das was?“, erzählt Klein. „Nein“, habe der Vereinschef geantwortet, „du trainierst unsere Mannschaft zur Meisterschaft“. „Ja, aber ich liebe Männer“, war Kleins Reaktion. „Dann kannst du nicht mehr mitmachen, was alles hier passieren könnte“, entgegnete ihm der entrüstete Vorsitzende. 2014 bekennt sich Thomas Hitzlsperger als erster deutscher Profifußballer zu seiner Homosexualität. Der verstorbene Ex-Außenminister Guido Westerwelle hat 2004 sein öffentliches Coming-Out und gesteht damals, dass er schwul sei.

„Ist bei uns denn alles normal?“, fragt Pfarrerin Unrath die versammelten Gläubigen. Erst in den zurückliegenden Jahren habe sich die saarländische Polizei dazu entschlossen, eine Stelle einzurichten, wo sich schwule Polizisten hinwenden können. Als Kirchenfrau blicke sie mit Scham auf die evangelische Kirche, die über Jahrhunderte mit religiösen Tabus gearbeitet habe. „Die sexuelle Bestimmung ist kein Definitionshinweis von Menschen“, meint die Pfarrerin. Jeder Mensch sei von Gott gemacht, und sie sei froh, dass es Bewegungen innerhalb der Kirche gebe, die sich für die gleichgeschlechtliche Liebe einsetze. „Natürlich, es war ein sehr langer Weg bis zur Ehe für alle“, stellt Unrath fest. Die HuK-Arbeitsgruppe arbeitet weiterhin am Abbau von Diskriminierung und fordert die volle Teilhabe von Lesben und Schwulen am kirchlichen und gesellschaftlichen Leben. „Es wird sich ganz langsam ändern“, meint Klein und ergänzt: „Aber mit der katholischen Kirche im Bistum Trier haben wir unsere Schwierigkeiten“. Mit dem ersten Gottesdienst für gleichgeschlechtliche Liebe hat auch die evangelische Gesamtkirchengemeinde St. Wendel absolutes Neuland betreten.