Wo Zauberer sich weiterbilden

Wie gut sind Deutschlands Kinderzauberer? Ist ihr Hokus-Pokus kindgerecht? Wie können ihre Auftritte und Tricks optimiert werden? Während einer Projektwoche bildeten sich 22 Teilnehmer des Magischen Zirkels im St. Wendeler Land weiter.

Die Grundschüler aus Oberlinxweiler kreischten, tobten und lachten während des Auftrittes der Dingolfinger Kinderzauberin Antonella in der Turnhalle. Dagegen beäugten drei ältere Herrschaften im Hintergrund kritisch das Geschehen auf der Bühne und machten sich ihre Notizen. Michael Sondermeyer, Lo Button und Tamara gelten als Größen in der Szene der Kinderzauberer. Während der Projektwoche des Magischen Zirkels wirkte das Trio als graue Eminenz und coachte die 22 Zauberer aus Deutschland und Österreich, die ansonsten professionell oder hobbymäßig unterwegs sind. "Das Niveau unter den Kinderzauberern soll durch das Zusammentreffen und den gegenseitigen Austausch angehoben werden", erklärte Veranstalter Georg Lauer von Gog Concept.

Zurück zu Antonellas Präsentation. Was hatte sie aus Sicht der Experten denn drauf? "Antonella hat die Kinder schön unterhalten, aber zu lange gebraucht, bis sie mit der Zauberei begonnen hat. Die Zauberei ist das, was die Kinder erwarten", fasste Juror Lo Button grob zusammen. Danach ging der 73-jährige Duisburger ins Detail. Sie habe erst nach sechs Minuten mit der Zauberei begonnen, ihre Löffel-Gabel-Nummer als Auftakt sei nicht angekommen. Dass die Magierin die Grundschullehrerin Kathrin Gisch ins Programm mit eingebaut hatte, bemängelte Lo Button. "Es ist doch ein Programm für Kids und nicht für Lehrer", so der erfahrene Kinderzauberer. Diese Art von Manöverkritik wiederholte sich täglich nach den Shows. "Wir coachen auf einem hohen Niveau und machen auf Dinge aufmerksam, die der Zauberer nicht merkt", ergänzte der Coesfelder-Juror Michael Sondermeyer.

Für Teilnehmer Chris Magic (Stuttgart) hat die Beurteilung seiner Vorstellung eine immense Bedeutung. "Unter den Zauberern stellt sich mit der Zeit ein Zustand der Betriebsblindheit ein. Bei der Projektwoche bekommen wir wichtige Anregungen und können sie hinterher als Neuerungen ins Programm integrieren", so Chris Magic.

Neben den Vorstellungen nutzten die Magier die Gelegenheit, sich in verschiedenen Seminaren und Workshops weiterzubilden. Sondermeyer legte während seines Seminars den Fokus darauf, die Kinderzauberei aus der Sicht des Publikums näher zu bringen. "Es gibt dafür keine Theorie, der Zauberer muss für alles offen sein", riet Sondermeyer. Der Österreicher Ralf Rolsn befasste sich mit den praxisnahen Dingen wie Präsentation, die Ausstattung und deren Handhabung. "Man muss sagen, es gibt wenig schöne und gute Requisiten. Da kann bei der Kinderzauberei noch einiges verbessert werden", fand Rolsn. Dem stimmte der Organisator und Magier Martin Mathias zu. "Ein gegenseitiges Training wie in der Projektwoche ist dafür sehr wichtig", resümierte der mehrfache Zaubermeister aus St. Wendel . Denn überhaupt das Kinderzaubern, so der Tenor der Teilnehmer, sei anspruchsvoll und schwierig, da die Kinder sich lange nicht so einfach ablenken lassen würden wie ein erwachsenes Publikum.