Wo einst Luises Wohnzimmer war

Die Kreisstadt St. Wendel würdigt eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Stadthistorie. Zu Ehren von Herzogin Luise von Sachsen-Coburg-Saalfeld ist ihr ehemaliges Wohnzimmer im alten Rathaus am Schlossplatz nun als Luise-Zimmer neu gestaltet worden. Es soll als repräsentativer Besprechungs- und Versammlungsraum dienen und in die Stadtführungen integriert werden.

Die Wände schmücken Bilder und Grafiken, die über die Zeit der Herzogin Luise von Sachsen-Coburg-Saalfeld als Mutter von Prinz Albert und Stammmutter der Windsors informieren. Der Raum, in dem Bürgermeister Klaus Bouillon von 1983 bis 2014 als Bürgermeister seine Amtsgeschäfte tätigte, ist nun in das Luise-Zimmer umbenannt worden.

Repräsentativ empfangen

"Es war das ehemalige Wohnzimmer von Herzogin Luise", sagt der für das Stadtarchiv tätige Historiker Josef Dreesen. Dank überlieferter Pläne und Inventarien zu diesem heutigen Dienstgebäude, so Dreesen, sei bekannt wie die von Luise und Maximilian von Hanstein bewohnten Räume eingerichtet waren. Bürgermeister Peter Klär erklärt: "Das Luise-Zimmer soll als repräsentativer Besprechungs- und Versammlungsraum dienen und in die Stadtführungen integriert werden".

Herzogin Luise und ihr zweiter Mann lebten seinerzeit in den Wintermonaten in dem Gebäude und in den Sommermonaten im Niederweiler Gartenhaus, das ursprünglich auf dem heutigen Bahngelände gestanden hat. Durch ihr soziales Engagement ist die Fürstin immer in Erinnerung geblieben. Luise setzte in St. Wendel fort, womit sie bereits in Coburg, sehr zum Leidwesen ihres ersten Mannes Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld, begonnen hatte. "Aus Aufzeichnungen und Briefen weiß man, dass sie jährlich etwa zehn Prozent ihrer Bezüge an die städtische Armenkasse überwies und darüber hinaus immer wieder Kinder armer Familien unterstützte", berichtet der Historiker . Luise, wurde als Prinzessin von Sachsen Gotha-Altenburg am 21. Dezember 1800 in Gotha, Schloss Friedenstein, geboren. Sie verlebte am gothaischen Hof eine unbeschwerte Kindheit. Mit 15 Jahren wurde ihr der fast doppelt so alte Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld vorgestellt, in den sie sich offenbar auch verliebte. 1817 heiratete das Paar. Die Hochzeit wurde in Gotha und Coburg mit großem Pomp gefeiert. Und in St. Wendel ebenfalls, weil Ernst I. auf dem Wiener Kongress aus verschiedenen Landesteilen des ehemaligen Saardepartements willkürlich ein zusammengewürfeltes Gebiet erhalten hat. St. Wendel war 1817 Sitz einer provisorischen Sachsen-Coburg-Verwaltung des in den Akten als überrheinisches Fürstentum St. Wendel bezeichneten Gebietes. "In St. Wendel würdigte man diese Hochzeit durch farbig gestaltete Plakate. Philipp Jakob Riotte komponierte ein Bergmannslied zu Ehren der Hochzeit des Fürstenpaares und der St. Wendeler Bürgermeister Carl Cetto lieferte hierzu den Text", schildert Dreesen. Später erkaltete die Beziehung und Ernst I. schickte Luise nach St. Wendel ins Exil, wo sie im März 1826 Maximilian von Hanstein heiratete. Am 30. August 1831 starb Luise, Gräfin von Pölzig und der Leichnam wurde in Paris einbalsamiert und sollte nach Deutschland gebracht werden. Der Sarg wurde nach Saarbrücken transportiert, von dort nach Ottweiler und in einem dortigen Gasthaus abgestellt. Anschließend wurde der Leichnam, nachdem die St. Wendeler Stadtväter die Genehmigung erteilten, nach St. Wendel gebracht und in dem Niederweiler Gartenhaus aufgestellt. Die Bürgerschaft erklärte sich spontan bereit, den Leichnam zu bewachen. Am 19. Dezember 1832 wurde Luise schließlich in Pfeffelbach bestattet.

Unter der Leitung von Gerhard Spengler wurde die Einweihungsfeier im neuen Kaiser-Maximilian-Saal musikalisch mit Werken aus der Feder des im Jahre 1776 in St. Wendel geborenen Komponisten Philipp Jakob Riotte begleitet.