Wo afrikanische Trommeln ertönen

Wo afrikanische Trommeln ertönen

Bliesen. "Habari?", ruft Dédé Mazietele in die Runde. Das ist Swahili, die am weitesten verbreitete Sprache Ostafrikas, und bedeutet: Wie geht es euch? "Muzuri", antworten die Kinder, was auf Deutsch "gut" heißt. Die Mädchen und Jungen haben sich um Dédé versammelt und trommeln fleißig auf ihren selbst gebauten Instrumenten

Bliesen. "Habari?", ruft Dédé Mazietele in die Runde. Das ist Swahili, die am weitesten verbreitete Sprache Ostafrikas, und bedeutet: Wie geht es euch? "Muzuri", antworten die Kinder, was auf Deutsch "gut" heißt. Die Mädchen und Jungen haben sich um Dédé versammelt und trommeln fleißig auf ihren selbst gebauten Instrumenten. Mit afrikanischen Klängen feierten Kinder, Eltern und Erzieher der Kindertagesstätte Bliesen am vergangenen Freitag auf dem Festplatz in der Sitz den Abschluss des Afrika-Projekts, das die Kita in Zusammenarbeit mit dem Saarbrücker Verein Ramesch, Forum für interkulturelle Begegnung, gestartet hatte. Über mehrere Wochen hatte der aus dem Kongo stammende Dédé Mazietele Kindern und Erziehern die Kultur und die Besonderheiten des afrikanischen Kontinents nähergebracht. "Es geht darum, andere Kulturen kennenzulernen und Vorurteile und Ängste abzubauen", fasst Mazietele die Ziele des Projekts zusammen. Das Ende des vom Bildungsministerium und Kreisjugendamt finanzierten Projekts ist gleichzeitig ein neuer Anfang, denn der Rotary Club St. Wendel hat sich bereit erklärt, den kulturellen Austausch auch über das nächste Kindergartenjahr weiterzuführen. Durch die Unterstützung des Clubs war es den Kindern jetzt schon möglich, neben dem Afrika-Unterricht auch an einem Trommelworkshop teilzunehmen. Ihr Rhythmusgefühl bewiesen die Kinder am Freitag beim Musizieren mit Mazietele. "Dédé kann einfach alle begeistern", schwärmt Christian Schall vom Rotary Club. Deshalb sei es ihm so wichtig, dass das Konzept fortgeführt werde. Mit seiner Arbeit wolle er, sagt Mazietele, das Bild, das die Kinder vom afrikanischen Kontinent haben, etwas zurechtrücken. "Die Kinder denken, dass es in Afrika nichts zu essen gibt." Um ihnen das Gegenteil zu beweisen, hat er afrikanische Früchte wie Ananas und Bananen mit in den Kindergarten gebracht. Das Problem sei oft nicht der Mangel an Nahrungsmitteln, sondern, dass es keine Straßen gibt, um sie zu den Menschen zu bringen, erklärt der Afrikaner. "Das Projekt soll Rassismus vorbeugen", sagt Dédé. Die Kinder sollten positive Erinnerungen mitnehmen. Besonders in einer Region mit geringem Ausländeranteil wie St. Wendel sei so ein Projekt wichtig. "Hier treffen die Kinder nur wenige dunkelhäutige Menschen", erklärt Dédé. "Wenn sie später aber in große Städte ziehen, werden sie mit Menschen verschiedener Nationalitäten konfrontiert." Berührungsängste haben die Kinder der Kita Bliesen keine. Sobald Dédé da ist, wird er von ihnen umringt und mit Fragen gelöchert. Auch über die positive Resonanz der Eltern freut sich Dédé: "Dass sie das Projekt fortführen wollen, ist super."