Wie kommen die Informationen auf die Anzeigen am Busbahnhof St. Wendel?

Leser-Reporter-Tipp : Wie funktionieren die Anzeigen am Busbahnhof?

Mal steht auf den Tafeln in St. Wendel eine Minutenzahl, mal eine konkrete Uhrzeit. Was es damit auf sich hat und wer die Daten meldet: Wir erklären es.

Die Sonne scheint, die Laune ist bestens und auch ansonsten scheint mit dem freundlichen Wetter alles rund zu laufen. Die Anzeige am Busbahnhof in St. Wendel kündigt an, die erwartete Linie trifft in zwei Minuten ein. Eine kurze Nachricht ins Handy getippt, dass man wie verabredet ankommt. Und schon öffnen sich vor einem die Türen des Omnibusses. Alltag an der Haltestelle.

Doch eines kann die zeitgenau aufeinander abgestimmten Fahrpläne ruckzuck durcheinanderwirbeln: das Wetter. Als passend zur Jahreszeit vor einigen Wochen teils kräftige Schneefälle im St. Wendeler Land niedergingen, standen viele Fahrgäste bibbernd am Busbahnhof. Den Blick fest, fast flehend auf die elektronische Anzeigetafel gerichtet. Diese kündigte teils auch die ersehnte Fahrt an. Doch rollte der entsprechende Bus nie ein. So erlebte es eine SZ-Leser-Reporterin, die sich daraufhin in der Redaktion meldete mit der Frage: „Wie kommen die Fahrinformationen eigentlich auf die Anzeigetafeln?“

Diese hat die Redaktion weitergereicht an den Zweckverband Personennahverkehr Saarland (ZPS). Der ist unter anderem für die Fahrplanauskunft zuständig. Jürgen Liesenfeld, Bereichsleiter IT, erklärt das Prozedere. Die Verkehrsunternehmen schicken verschiedene Busflotten auf die Straßen. Die Fahrzeuge wiederum sind mit GPS und Bordcomputern ausgestattet. Stetig landen Informationen bei den Busunternehmen. „Verspätungen laufen automatisiert auf“, sagt Liesenfeld und würden sofort auf den entsprechenden Anzeigetafeln an den Busbahnhöfen ausgespielt.

Was aber, wenn ein Bus einen Unfall hatte oder beispielsweise wegen Schnee gar nicht mehr weiterkommt? In diesen Fällen greift der Automatismus nicht. „Bei Störungen und wenn Busse ausfallen, müssen Menschen eingreifen“, sagt Liesenfeld. Dann müsse umdisponiert werden, denn nur wenn eine Fahrt eindeutig als Ausfall markiert sei, würde das auch auf den Anzeigen so dargestellt.

„Es gibt Punkte, an denen das System hakt“, weiß auch Alexander Lill, Sprecher der Saar-Mobil GmbH. Das Busunternehmen mit Sitz in Püttlingen deckt zusammen mit der Stadtbus Zweibrücken GmbH den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis St. Wendel ab. Die Disposition könne händisch eingreifen, aber viele Daten hole sich das System von selbst. „Und da gibt es Fehlerquellen, die wir zu beseitigen versuchen.“ Um zu verdeutlichen, was er meint, bringt Alexander Lill ein Beispiel: Fährt ein Bus in ein GPS-Funkloch (zum Beispiel im Ostertal), gibt er keine Rückmeldung an das System. Dieses geht dann automatisch in den Prognosemodus und spielt jene Zeit auf der Anzeige aus, zu der der Bus laut Fahrplan ankommen sollte. „ Das System geht also von einer planmäßigen Fahrt aus, was in der Vielzahl der Fälle auch genau richtig ist“, sagt Lill. Doch könne das System eben nicht unterscheiden zwischen einem Bus im GPS-Loch oder einem Bus, der wegen Schneechaos oder einer Panne gar nicht mehr weiterfahren kann.

Der Wartende am Busbahnhof kann sofort erkennen, ob das System gerade im Soll- oder Echt-Zeit-Modus läuft. „Steht auf der Anzeigetafel die Linie und dahinter eine Minutenzahl, dann ist das tatsächlich die Ist-Zeit. Dem System liegen aktuelle Informationen vor“, so Lill. Spielt das Display eine konkrete Uhrzeit aus, dann ist es eine Soll-Zeit. Die Fahrer können sich auch untereinander abstimmen. „Die Bordrechner können SMS verschicken. So kann ein Fahrer den Kollegen informieren, dass er drei Minuten später kommt und dieser warten solle“, erläutert der Sprecher.

Beispielsweise bei Schneefällen besonders schnell informieren zu wollen, dieses Ziel verfolgt auch Nikolas Wenzel, Betriebsleiter bei der Stadtbus Zweibrücken GmbH. „Da denken wir tatsächlich zunächst an die eigenen Kanäle“, gesteht er. Kunden würden per Internet oder via Facebook informiert. Das funktioniere ganz gut. „Wir werden in Zukunft aber noch stärker versuchen, Ausfälle auch an den Zweckverband zu melden“, verspricht Wenzel.

Im geregelten Betrieb läuft die automatisierte Informationsweitergabe weitestgehend problemlos. Toben sich aber beispielsweise Schneewolken so richtig aus, hakt der Informationsfluss noch. „Es ist ein Dilemma“, gesteht IT-Experte Jürgen Liesenfeld. Die Bereitschaft etwas zu verbessern, sei aber bei allen Beteiligten da. „Wir müssen aber noch einige Bretter bohren“.