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Abschied: Wenn ein Polizist plötzlich Pauker wird

Abschied : Wenn ein Polizist plötzlich Pauker wird

Von der Inspektion St. Wendel geht es für Martin Walter an die Fachhochschule für Verwaltung. Eine Bilanz nach fünf Jahren als Chef.

Auf dem Schild neben der Tür steht noch sein Name. Das vertraute Büro muss langsam leer geräumt werden. Mit gemischten Gefühlen schaute Martin Walter an diesem Vormittag auf der St. Wendeler Wache vorbei. War sozusagen auf Stippvisite dort, wo er fünf Jahre lang viele Stunden verbrachte. Seit 1. Oktober ist er nicht mehr der Leiter der Inspektion, sondern Dozent im Fachbereich Polizeivollzugsdienst an der Fachhochschule für Verwaltung in Göttelborn. „Im September war der Trennungsschmerz schon groß“, gesteht der Polizeirat beim Besuch in der St. Wendeler Redaktion. Vorfreude habe da kaum Raum gefunden.

Inzwischen bereitet er sich auf die neue Aufgabe vor. „Es ist etwas ganz anderes. Ich bin gespannt, wie es wird.“ Nebenher zu unterrichten, das habe ihn schon immer interessiert, jetzt aber soll er diesen Job hauptamtlich übernehmen. Er lächelt. „Eigentlich bin ich ja nicht in den höheren Dienst gegangen, um Lehrer zu werden.“ Und mit klassischen Pauker-Fächern wie Mathe oder Deutsch hat er ja auch nichts zu tun. Er unterrichtet künftig Einsatzlehre und Polizeirecht. „Da ich im Einsatzbereich viele Erfahrungen gesammelt habe, kann ich dieses Wissen weitergeben“, sagt der Polizeirat. Aus jungen Menschen  gute Polizisten zu machen – das hält Martin Walter für eine wichtige und schwierige Aufgabe zugleich.

Kurz nach seinem Amtsantritt als Chef der Polizeiinspektion (PI) in St. Wendel am 1. Oktober 2013 kam Martin Walter zum ersten Mal in die St. Wendeler Redaktion. Seitdem hat sich einiges verändert, gibt es viele Einsätze und Begegnungen, die ihren Eindruck bei dem 37-Jährigen hinterlassen haben. Eine Bilanz dieser fünf Jahre zu ziehen – gar nicht so einfach, wie der Polizeirat gesteht.

Das für ihn prägendste Erlebnis war eine Vermisstensuche Mitte Januar 2014. Kaum vier Monate in der Chefposition, sei er damals von Kollegen verständigt worden. Es war ein Sonntag. Und Martin Walter eilte nach St. Wendel, wo Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Deutsches Rotes Kreuz fieberhaft nach einem 81-jährigen Pater vom Missionshaus suchten. „Es war eine kleine Bewährungsprobe.“ Umso schöner sei das Gefühl gewesen, letztendlich erfolgreich gewesen zu sein. Denn der Mann wurde lebend gefunden. Und zwar mit Hilfe der Wärmebildkamera eines Hubschraubers. Dieser musste aus Hessen angefordert werden, was mit Kosten verbunden war. Dennoch: Martin Walter machte sich stark dafür, dass der Hubschrauber geordert wurde. Just zu diesem Zeitpunkt saß übrigens Ralf Kartes in der Führungs- und Lagezentrale in Saarbrücken. „Wir waren gleich auf einer Wellenlänge“, erinnert sich Walter. Nur wenige Zeit später wurde Ralf Kartes stellvertretender Leiter der PI St. Wendel. Aus vielen Gründen war dieser Einsatz zu Beginn von Martin Walters Zeit in St. Wendel prägend. Er hat heute noch einen handgeschriebenen, mehrseitigen  Brief aus dem Missionshaus in seinem Büro. Dieser besondere Dank hat ihn beeindruckt. Und dann gab es bei dieser Vermisstensuche noch etwas Sinnbildhaftes für die folgende Zeit: die Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen. Die lobt der Polizeirat ausdrücklich. „Deren Unterstützung werden wir auch in Zukunft brauchen.“

Ein Höhepunkt während seiner Zeit in St. Wendel war für Martin Walter das Jahr 2017, in dem unheimlich viel passiert sei. Viele Großveranstaltungen wie die ADAC-Rallye oder der Besuch von Kanzlerin Angela Merkel mussten sicherheitstechnisch begleitet werden. Und das in einer Phase, in der in der Wache Umbauarbeiten anstanden. Etwa 400 000 Euro wurden investiert in den Ausbau des Dachgeschosses oder auch die Sanierung des Garagentraktes. 18 neue Kollegen konnten begrüßt werden, denn eine der sechs Operativen Einheiten (OpE) im Saarland bezog ihren Standort in St. Wendel. Im März 2017 fiel auch der Startschuss für die neue Polizeiinspektion (PI) Nordsaarland in Wadern, wodurch sich die Zuständigkeit der PI St. Wendel im Landkreis teils veränderte. Als neue Herausforderung kam für die Beamten ein Autobahnabschnitt dazu. In schwierigen Zeiten habe man sich als Team gut behauptet.

„Ich habe einiges angestoßen, bin an mancher Stelle hartnäckig dran geblieben“, sagt Martin Walter mit Blick auf seine Zeit als PI-Chef. Wichtig sei ihm gewesen, eine Operative Einheit nach St. Wendel zu kriegen und die Kollegen, die von Türkismühle nach St. Wendel wechselten, gut zu integrieren. Als er 2013 ins Amt kam, gehörten 65 Beamte und fünf Angestellte zur PI. An der Zahl der Angestellten hat sich nichts verändert, doch arbeiten inzwischen 100 Polizisten in der Mommstraße in St. Wendel. Das besondere an der PI: Hier sind tatsächlich noch alle Polizeifelder vertreten. Es gibt einen 24-stündigen Wach- und Streifendienst, einen Ermittlungs- und Servicedienst, in dem sich die Beamten unter anderem um Anzeigen kümmern, einen Kriminaldienst und die OpE. Darüber hinaus gehören fünf Polizeiposten zur Inspektion. „Es ist ein bestelltes Haus, das ich hinterlasse. Ich habe es gutes Gefühl, es meinem Nachfolger zu übergeben“, sagt Walter. Wer dies sein wird, steht aktuell noch nicht fest.

Mit Blick in die Zukunft der St. Wendeler Wache geht Walter davon aus, dass die Zahl der Beamten nochmals zurückgehen und sich wohl bei 90 einpendeln werde. Als nächste Herausforderung nennt er die neue Polizeiposten-Struktur. Dort werden Beamte nur noch zu bestimmten Sprechzeiten zugegen sein. „Es wird sich zeigen, wie das angenommen wird.“ Walter glaubt auch, dass standortübergreifendes Denken künftig noch eine stärkere Rolle spielen werde. Größeres PIs wie St. Wendel müssen auch mal im Nachbarkreis aushelfen.

Dem 37-Jährigen war es immer wichtig, den Menschen ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Daher lief 2014 das Brennpunkt-Konzept in der Kreisstadt an, bei dem gezielte Punkte in der City regelmäßig kontrolliert werden. Wertvoll sei auch die Sicherheitspartnerschaft mit Bundespolizei, Deutscher Bahn und Kreisstadt, die für den St. Wendeler Bahnhof besteht. „Es ist die erste Visitenkarte, die die Stadt von sich abgibt:“ Daher müsse diese Arbeit fortgesetzt werden. Martin Walter ist es nach eigener Aussage auch immer ein Anliegen gewesen, die Arbeit der PI transparent darzustellen und Präventionsthemen wie Wildunfälle oder Betrugsmaschen immer wieder aufzugreifen.

Blick in die Einsatz-Zentrale im Dachgeschoss der St. Wendeler Wache. Foto: Evelyn Schneider
Die Polizeiinspektion in der St. Wendeler Mommstraße. Foto: Bonenberger & Klos/B&K

Was Walter in seiner Zeit in St. Wendel schätzte, war auch die gute Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit Landkreis, Stadt oder den Verantwortlichen in den Gemeinden.  Die habe es ihm leicht gemacht anzukommen. Und macht es jetzt so schwer zu gehen. Ein letzter Einsatz in St. Wendel steht noch aus: die Sportminister-Konferenz Anfang November.